Es war sicher nicht sonderlich originell, was sich die Werbefachleute der von Arbeitgebern getragenen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, INSM, ausgedachte hatten, um ihre Sicht auf die Politik der Grünen zu verbreiten. Aber anders als andere erregten sie unheilige Aufmerksamkeit.
Was war geschehen ? – In ganzseitigen Anzeigen, die sowohl online als auch in mehreren großen Zeitungen zu sehen waren, hieß es laut Welt zu einem Bild von Annalena Baerbock »Warum uns Verbote nicht ins gelobte Land führen«. Darüber prangte die Überschrift: »Annalena und die 10 Verbote«. An anderer Stelle lautete die Empfehlung: »Wir brauchen keine Staatsreligion«
Das Besondere: Baerbock ist in einem grünen Umhang gehüllt und trägt zwei Gesetzestafeln unter den Armen. Nein, auf den Tafeln steht nicht das Völkerrecht. Aber einige Grundgesetze der Grünen sind dort verewigt.
Zum Beispiel: »Du darfst keinen Verbrennerauto fahren.« »Du darfst nicht fliegen.« oder »Du darfst dich nicht in erster Linie auf dich verlassen. Der Staat weiss besser, was richtig für dich ist.« und zuletzt: »Du darfst nicht mal daran denken, dass mit 10 Verboten Schluss ist.«
Annalena Baerbock als Moses auf dem Berg Sinai – eine offenbar harmlose Satire.
Doch im Deutschland 2021 gibt es keine harmlose Satire von Initiativen, die den Grünen oder dem Mainstream nicht passen. Umgehend war ein Dr. Konstantin von Notz, Die Grünen, auf Twitter zur Stelle und machte – Nein, nicht den Zensor, den Psychologen. Genauer: Den Polit-Psychologen. Zitat: »Es gibt Momente, da offenbaren politische Gegner ihre Urängste, Feindbilder, Komplexe, eigenen Abgründe und Probleme aus Versehen in schonungsloser Offenheit.« Hat Notz vielleicht mit Baerbock zusammen einen Kurs in Psychoanalyse gebucht? – Da Notz den Psycho-Unsinn, der mittlerweile zum rhetorischen Kleingeld links-grüner Kreise gehört, um den politischen Gegner mangels inhaltlicher Argumente zu diffamieren, nicht erläutert, ist der Leser gezwungen zu raten, was Notz wohl meint.
Kurz darauf meldete sich Jan Philipp Albrecht ebenfalls über Twitter zu Wort. Der Jurist – laut Wiki mit zwei Staatsexamen, ja so etwas gibt es bei den Grünen – der Jurist und Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung in Schleswig-Holstein. Twitter hat er noch nicht richtig verstanden und versucht sich in einem mehrversigen-Tweet: »Die Hetzkampagnen von @csu, @insm und Co gegen @Die_Gruenen und @ABaerbock zerstören die politische Kultur in Deutschland sehenden Auges und vorsätzlich. Das wird lange Nachwirken und viele nötige Fortschritte in unserem Land behindern. Wir werden weiter inhaltlich argumentieren.« – Aha! Satirische Kritik an den Grünen ist also die Zerstörung der politischen Kultur. Der Witz ist gut.
Schließlich meldet sich auch Charlotte Knobloch zu Wort. Sie gibt sich gebildet: »Gewiss, Wahlkampf ist Wahlkampf. Aber die @insm wäre gut beraten, das Thema Religion, von dem sie offensichtlich nichts versteht, anderen zu überlassen. Hier hat sie sich völlig im Ton vergriffen und sollte sichergehen, dass sie nicht mit solchen Darstellungen Vorurteile schürt.« Und auch sie erläutert nicht, wo sich die Arbeitgeber im Ton vergriffen haben. Dafür erhält sie aber auch gleich Zustimmung von der Antifa.
Zuletzt ruft eine gewisse Minh Thu Tran gleich nach dem Zensor: »Also, ich versteh ja, dass Nachrichtenhäuser Werbeeinnahmen brauchen, aber kann man in Wahlkampfzeiten nicht wenigstens verstärkt drauf achten, welche Werbung geschaltet wird?« Offenbar verwechselt die in Deutschland geborene Vietnamesin in einer Art politischem Heimweh Deutschland mit Nordvietnam.
Und das ganze Theater und all die Diffamierung nur, weil Arbeitgeber eine politische Ideologie in die Nähe einer Religion gerückt haben – ein Gedankengang, der mindestens so alt wie die Aufklärung ist. Offenbar sind die Unterstützer der Grünen von allen guten Geistern verlassen und das Wasser steht ihnen nach den Böcken der Baerbock bis zum Hals.
Das einzige, was man der Anzeige wirklich vorwerfen kann, ist, sie sei nicht sonderlich originell. Denn am 15.November 2019 hieß es, gleichfalls in einem Tweet, von der zdf-heute Show: »Du sollst nicht tüten«.
Das mit der Digitaltechnik und dem Internet, das nichts vergisst, sich sogar all die Lebenläufe der Baerbock merken kann und sämtliche heute-Shows dazu, das müssen die Grünen, der Mainstream und einige Tweeter noch lernen. Eine einfache Devise könnte da hilfreich sein: »Wer im Glaushaus sitzt, der soll nicht mit Steinen werfen.«


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