Der Mainstream ist herrlich. »Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat in ihrem Lebenslauf im Internet unkorrekte Angaben zu Mitgliedschaften in Organisationen präzisiert«, schreibt die Berliner Zeitung. Die Welt pustet ins gleiche Horn und titelt: »Baerbock präzisiert erneut Angaben in ihrem Lebenslauf«.
Gemeint ist: Die Chefin der Grünen Annalena Baerbock hat ihren Lebenslauf erneut korrigiert. Oder etwas deutlicher: Baerbocks falsche Angaben wurden, stillschweigend versteht sich, durch eine neue Angabe ersetzt.
Bemerkenswert: Diesmal fand auch ein Mainstream-Journalist mal ein Korn. Bisher wurden praktisch sämtliche Änderungen von Hadmut Danisch dokumentiert und öffentlich gemacht – verschämt vom Mainstream wahlweise als ein Blogger oder auch rechter Blogger bezeichnet. Dabei gehört auch das zum Skandal: Dass die selbsternannte Qualitätspresse Annalena Baerbock Aufschneidereien nicht auf die Spur kam.
Worum geht es diesmal ? – Nicht mehr um die Ausbildung. Deren aktueller Stand ist: Vor-Diplom und dann nach einem Blitz-Master in Völkerrecht über London zur abgebrochenen Promotion in Berlin.
Diesmal geht es um ihren berufliche Werdegang. Momentan heißt es:
»Freie Mitarbeiterin bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (2000-2003)«
»Trainee des British Institute of Comparative and Public International Law (2005)«
»Büroleiterin von Elisabeth Schroedter, Europaabgeordnete (2005-2008)«
»Referentin für Außen-und Sicherheitspolitik der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (2008-2009)«
Das ist nichts besonderes. Doch selbst das Wenige ist noch weniger als wenig. Denn Büroleiterin ist Annalena Baerbock von 2005-2008 nicht gewesen, wie Danisch berichtet und Welt dann auch. Sie war für die Website zuständig. Nach Aussage der Grünen, sei sie dann aber Ende 2006 zur »Büroleiterin« aufgestiegen. Demnach war sie die Hälfte der Zeit das, was sie seit vorgab zu sein. Dumm daran: Sie wird auch 2007 noch als für die Homepage zuständig geführt. Die Grünen: »Die Homepage wurde offenbar erst später den formalen Zuständigkeiten angepasst«.
Interessant ist nun allerdings: Auf der englischen Version ihres Lebenslaufs – von Übersetzung kann keine Rede sein – gibt sich Baerbock aus als: »parliamentary advisor to MEP Elisabeth Schroedter (2005-2008)«. Auf deutsch: »parlamentarischer Berater der MEP Elisabeth Schroedter«. Das ist wohl nach einem allgemeinen Verständnis wiederum mehr als Büroleiter. Berater wird nur, wer fachlich besonders was drauf hat. In jedem Fall ist eine parlamentarische Beratung mehr als eine Bürotätigkeit – egal ob nun leitend oder als Hilfskraft für die Homepage.
Wie man es auch dreht: Annalena Baerbock hat nicht die Ausbildung, die sie vorgab zu haben und sie hat auch nicht das beruflich gemacht, was sie vorgab und noch immer vorgibt gemacht zu haben. Als Kanzlerkandidatin mag sie mit diesen dauernden Aufschneidereien die Richtige sein für die Grünen – aber schwerlich taugt sie als Kanzlerin für Deutschland.


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