Gut gemeinter, schlechter Vorschlag

Die Polnische Heimatarmee braucht kein Denkmal in Berlin

In einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung haben sich Florian und Leo Mausbach für eine Denkmal zur Erinnerung an die Opfer der deutschen Besatzung Polens ausgesprochen. Ein gut gemeinter, schlechter Vorschlag.

Gestern, am Jahrestag des Aufstands der polnischen Heimatarmee, haben sich Florian und Leo Mausbach unter dem Titel »Warschauer Aufstand: Berlin braucht ein Denkmal« in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeine Zeitung für die Errichtung eines Denkmals für die Opfer der deutschen Besatzung Polens ausgesprochen. Es sollte in Berlin errichtet werde, so ihr Vorschlag.

Vor 75 Jahren begann in Warschau der Aufstand der Polnischen Heimatarmee gegen die deutschen Besatzer. Der Zeitpunkt war politisch gewählt. Die polnische Exilregierung wollte die Hauptstadt von den Deutschen vor den Russen befreien. Und das im doppelten Sinne: Warschau sollte befreit sein, bevor die russischen Truppen die Stadt an Weichsel für sich erobern.

Doch die Exilregierung hatte die Rechnung ohne Stalin gemacht. Dessen Panzerspitzen standen zwar an der Weichsel und brauchten den Fluss nur überqueren; doch Stalin ließ die Deutschen gewähren. Die schlugen den Aufstand blutig nieder, zerstörten große Teile der Stadt und machten die Drecksarbeit für den russischen Führer. Erst als alles fast schon vorbei war, ließen die Russen amerikanische Bomber für Unterstützungsflüge auf russischen Flugplätzen landen.

Der Aufstand der Polnischen Heimatarmee gehört, außerhalb Polens, zu den vergessenen Heldenepen des Zweiten Weltkriegs. Nicht selten wird er mit dem Ghetto-Aufstand im April 1943 verwechselt. Überhaupt wird selten daran gedacht, dass die Polnische Armee als einzige vom ersten bis zum letzten Tag gegen das Deutsche Reich kämpfte. Als Siegermacht saß Warschau jedenfalls nicht in Potsdam dabei.

Der Aufstand war in Polen lange Zeit nicht unumstritten. Der Widerstand war von Anfang an zwecklos und forderte einen furchtbaren Blutzoll. Aber das ehrenhaft ertragene Leid gab die Kraft, die lange Zeit der Besatzung durch die Russen zu überstehen. Der Wiederaufbau Warschaus gehörte und gehört zu den Herzensangelegenheiten aller Polen.

Braucht die Polnische Heimatarmee, die Armia Krajowa, ein Denkmal in Berlin? - Wer die jährlichen Feiern in der mit polnischen Flaggen festlich geschmückten Warschauer Altstadt erlebt hat, weiß um den Geist dieses Aufstands, dem Andrej Wajda mit dem Film »Der Kanal« bereits ein filmisches Denkmal gesetzt hat. Und die ganze Trauer und die Wut und der Stolz schwingen mit, wenn »Warzawo ma (Video)« von Polen jeden Alters gemeinsam gesungen erklingt. Nein, diese Stadt braucht keine Denkmal in Berlin. Ihr wird in Warschau gedacht.

Und braucht Berlin ein solches Denkmal? - Offenbar nicht. Es würde diesem Denkmal ähnlich ergehen, wie dem Holocaustmahnmal in der Mitte Berlins. In regelmäßigen Abständen treffen sich dort bekanntlich Mitglieder von Parteien, deren Antisemitismus notorisch genannt werden darf. Der ermordeten Juden gedenken und Juden erneut boykottieren - ein peinliches Bild.

Sollen nun Linke und Grüne demnächst an einem Denkmal zur Erinnerung an den Warschauer Aufstand ähnlich abgeschmackte Inszenierungen aufführen dürfen? - Gott bewahre. Eine Linke, die ihr inniges Verhältnis zum russischen Imperialismus an jedem 9.Mai dokumentiert, braucht kein Pole. Eine Grüne Partei, die sich gegenüber anderen Ländern Mitteleuropas mit Forderungen nach Lebensraum für Syrer in schlimmsten deutschen außenpolitischen Bahnen bewegt, hat kein Recht an polnische Patrioten zu erinnern. Mitglieder einer Bundesregierung, die über die EU Polen zur Aufnahme moslemischer Migrantenmassen zwingen will, ihre eigenen Landsleute nicht verteidigen kann und nicht einmal die eigene Landesfahne ehrt, haben kein Recht an Bór-Komorowski und die ungezählten polnischen Helden zu erinnern.

Nein, es braucht kein Denkmal für die Polnische Heimatarmee in Berlin. Diese deutschen Politiker haben es schlicht nicht verdient.

Aber man sollte in Deutschland alljährlich an den Warschauer Aufstand vom 1.August 1944 erinnern. Denn der Aufstand steht für eine Nation, die zu sich steht. Für eine Nation, die sich nicht mit der Anwesenheit in einem Landstrich begnügt, sondern Landschaft beseelt und deshalb nicht jeden Beliebigen begeistert hereinlässt. Die in Armut lebend ihr Warschau akribisch wieder aufgebaut hat. Die ihre christlichen Traditionen bewahrt. Die sich wehrt. Und die deshalb stolz auf sich sein kann.

Ja, davon, von diesem Warschauer Aufstand, kann Deutschland heute wirklich viel lernen. Über eine solche Erinnerungskultur ließe sich reden. Nur ist der Vorschlag für dieses neue Mahnmal so schwerlich gedacht. Deshalb ist er gut gemeint, aber schlecht.

Sven von Storch

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