Deutsche Bahn wird herbeizitiert

Die Macht der heiligen Greta

Greta Thunberg reiste Bahn. Sie fand keinen Platz, wurde deshalb hofiert und schließlich kritisiert. Das aber geht im Klimadeutschland überhaupt nicht. - Ein Kommentar

Der Fall war am letzten Wochenende der mediale Renner: Greta Thunberg hatte sich auf dem Rückweg von Madrid nach Schweden in einem Zug der Deutschen Bahn auf dem Boden zwischen viel Gepäck ablichten lassen. Dazu hatte sie getwittert: »in überfüllten Zügen durch Deutschland.« Kurze Zeit später stellten einige Reisende fest, dass Greta Thunberg in der 1.Klasse eines ICEs gesessen und die Fahrt dort, behütet von Bahnmitarbeitern, genossen hatte.

Die Bahn folgte wie immer mit etwas Verspätung. Zunächst hatte sie zum Tweet der Klimaaktivistin noch selbstkritisch geschrieben: »Wir wünschen Greta eine gute Heimfahrt. Und arbeiten weiter hart an mehr Zügen, Verbindungen und Sitzplätzen.« Doch als dem Unternehmen klar geworden war, dass die Prominente offenbar Businessclass fuhr, im Zug 1.Klasse, und dass sie überdies hofiert worden da – da fand das Transportunternehmen zu deutlichen Worten: »Liebe Greta danke, dass Du uns Eisenbahner im Kampf gegen den Klimawandel unterstützt! Wir haben uns gefreut, dass Du am Samstag mit uns im ICE 74 unterwegs warst.« Die ironisch- spöttische Fortsetzung ist bekannt.

Was die Bahn wohl nicht ahnte: Der spöttische Tweet hat ein Nachspiel. Nicht wegen des Spottes. Aber die Angabe von Zugnummer, Zeit und Klasse rief die Überwachungsorgane des klimabewussten deutschen Staats auf den Plan. Ein Sprecher des Berliner Datenschutzbeauftragten erklärte: »Wir werden den Sachverhalt zum Anlass nehmen, ein Gespräch mit der Deutschen Bahn über den Umgang mit Fahrgastrechten in Bezug auf personenbezogene Reisedaten zu führen«. Das klingt ernst.

Denn nach Meinung der Datenschützer hätte die Bahn die Daten der Klimaaktivistin allenfalls zur »Wahrung der berechtigten Interessen« der Bahn mitteilen dürfen und das auch nur, zitiert der Tagesspiegel, wenn nicht die »Grundrechte und Grundfreiheiten der betroffenen Person, die den Schutz personenbezogener Daten erfordern, überwiegen« - insbesondere, »wenn es sich bei der betroffenen Person um ein Kind handelt.«

Das Pikante daran: Greta Thunberg, deren Namen seit einigen Tagen alle deutschen Jubelschreiber Thünberg aussprechen, musste nicht einmal klagen. Der Staat wird für Greta Thunberg von selber aktiv und schickt seine Datenschutzaktivisten. So wichtig ist die 16–jährige dem deutschen Staat – Wo einige nur eine »verzogene Göre« und andere eine Art stalinistische Vorarbeiterin sehen, erkennen Berliner Behörden den Sinn ihres Daseins: Die größte Klimaaktivistin aller Zeiten zu schützen. Wenn sie jetzt noch die Bekanntgabe ihres Geburtsdatums unterbinden, erfüllt sich der Traum der Medienwelt: Auf immer und ewig bleibt Greta 16. Das ist wirklich Macht.

Sven von Storch

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