Interview mit Henning Lindhoff

Gespräch über Freiheit, Markt und Selbstzerstörung

FreieWelt.net spricht mit dem stellvertretenden Chefredakteur der »Eigentümlich Frei«, Henning Lindhoff, über sein kürzlich erschienenes Buch »Zombies, Hacker und legale Drogen«.

FreieWelt.net:  Man kann Ihr Buch als eine praktische Einführung in den Libertarismus lesen. Der Mensch soll seine individuelle Freiheit in persönliche Eigenverantwortung nutzen. Dies ist die Maxime des Libertarimus?

Lindhoff: „Einführung“ wäre zu viel gesagt. Das Büchlein birgt einige Denkanstöße und Anregungen zur Diskussion. Nicht mehr, nicht weniger. Die Maxime ist richtig. Wichtig zu betonen ist, dass Freiheit und Verantwortung zwei Seiten der gleichen Medaille sind. Beide stehen in der heutigen Zeit allerdings im Kreuzfeuer des ausufernden Wohlfahrtsstaates.

FreieWelt.net:   Ein geübter Leser wird ihr Buch ohne weiteres in ein oder zwei Nachmittagen lesen könne. Warum haben Sie ihr Buch so kompakt gehalten?

Lindhoff: In der Kürze liegt die Würze. Vor allem aber ist die Kürze meiner Ungeduld geschuldet. E-Books werden in Zukunft viele Möglichkeiten bieten. Ich sehe hier viele publizistische Chancen und vor allem auch tendenziell sinkende Kosten. Ich wollte mit diesem ersten Büchlein aus der Reihe die grundlegende Vorgehensweise testen. Kurzerhand habe ich dann die Arbeit am Manuskript schon nach Kapital 15 beendet.

„Zombies, Hacker und legale Drogen“ stellt allerdings den Beginn einer ganzen Reihe dar. Die kommenden Ausgaben der „Einsprüche für die Freiheit“ werden weitaus ausführlicher sein und mindestens 100 Druckseiten umfassen. Versprochen.

FreieWelt.net: Ihr Buch beleuchtet in leicht leserlicher Form ökonomische Zusammenhänge. Der Leser staunt, wenn er erfährt, dass Großprojekte wie Wolkenkratzer nicht in Zeiten wirtschaftlicher Prosperität sondern meist im Nachklang von Krisen in Angriff genommen werden. Wie kommt das?

Lindhoff: Dies erkläre ich in dem Büchlein. Es ist recht simpel. An dieser Stelle sollte der Hinweis auf die durch aus dem Nichts erzeugte Immobilienblase genügen.

FreieWelt.net: Einen anderen überraschenden Zusammenhang zeigen sie im Bereich des Artenschutzes auf. Sie schreiben, der Tiger sei allein deshalb vom Aussterben bedroht, weil es verboten ist, ihn zu jagen. Das klingt recht paradox?

Lindhoff: Paradox erscheint dies nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick erkennt man schnell die Vorzüge einer marktwirtschaftlichen Orientierung. Sobald Tiger und andere Tierarten auf einem legalen Markt Profite abwerfen dürfen, stellen sie werthaltige Wirtschaftsgüter dar. „Werthaltig“ ist der Schlüsselbegriff. Die Tiere werden dann besonders gehegt und gepflegt, wenn sie dem Halter Profite auf einem rechtlich abgesicherten Markt versprechen. Tiger und Co werden dann regelrecht bewirtschaft. Auf diesem Weg wird auf Umwegen für ihre Erhaltung gearbeitet. Der vermeintlich böse individuelle Profit beschert also wieder einmal gute Ergebnisse für alle.

Demgegenüber ist es heute so, dass einige wenige Wilderer Tiere in freier Natur erlegen. Sie tragen nichts zur Aufzucht bei, weil eben der Verkauf, das heißt die Realisierung des Profits verboten ist. Unter den derzeitigen Bedingungen besteht kein Sinn in der Aufzucht und Pflege von Tierbeständen.

FreieWelt.net: In Bezug auf die staatliche Förderung von Kunst und Kultur sprechen sie von »positiver Zensur«. Was ist »positive Zensur« und wie unterscheidet sie sich von Zensur.

Lindhoff: In dem Büchlein erkläre ich die „positive Zensur“ als Förderung von politisch gewollter Kunst. Staatskritische Kunst erhält weniger beziehungsweise keine Zuschüsse, hat dadurch im Wettbewerb keinerlei Chance ein genügend großes Publikum zu erreichen. Statt Verbote werden eben Finanzierungsprobleme erschaffen. Wir erleben es ja vor allem heutzutage, dass die gesamte Kunstszene weitgehend staatshörig ist. Und solange sich die Kunst nicht auf einem Markt ohne Staatskohle durchsetzen muss, werden wir auch weiterhin wenig wahrhafte Kritik an den derzeitigen Zuständen hören.

FreieWelt.net    Sie wenden die Philosophie des Libertraismus auch auf Gebiete an, bei denen auch viele Kritiker eines »starken Staates« zunächst die Hände über den Kopf zusammenschlagen dürften, so etwa auf die Krankenversicherung. Warum sollte es nicht Sache des Staates sein, Bürger vor im Falle schwerer Krankheiten und Schicksalsschläge aufzufangen?

Lindhoff: Es ist nicht der Staat, der die Menschen vor Krankheiten und Schicksalsschlägen bewahren kann. Niemand kann das. Das einzige, wozu Menschen im Stande sind, ist es, die Auswirkungen zu mildern. Und genau dies hat vor der Bismarckschen Sozialgesetzgebung ziemlich gut schon auf privater Ebene funktioniert. Es gab Arbeitervereine und –genossenschaften, die solche Versicherungen organisierten. Die Menschen brauchen keinen Staat, um sich gegenseitig zu helfen. Und sie brauchen ihn heute auch nicht. Kleine freiwillige Gemeinschaften schaffen die eigen Versorgung und Versicherung sehr viel effizienter. Im Gegenzug kann man heute leider allzu gut beobachten, wie die staatlichen Versicherungsmonopole planwirtschaftlich in Richtung Untergang wandeln.

FreieWelt.net:   Sie treten für die Legalisierung von Drogen ein. Ein Erwachsener solle auch zu seinem Schaden über seinen Körper verfügen können. Die allermeisten jungen Eltern wären allerdings wenig begeistert, wenn ältere Freunde ihrer pubertären Sprösslinge Heroin erwerben dürften. Steht das Recht auf Selbstschädigung über dem Schutz von Heranwachsenden?

Lindhoff: Ein Heranwachsender hat natürlich das Recht auf Selbstschädigung. Allerdings wird auch dieses Recht treuhänderisch von seinen Eltern ausgeübt. In ihrem Einflussbereich liegt es also, ob er Drogen nehmen darf. Ich gehe davon aus, die allermeisten Eltern werden diese Frage, wie auch ich, ganz klar verneinen und im Notfall entsprechende Schritte einleiten. Von daher mache ich mir hier absolut keine Sorgen. Der Staat hat sich auch in puncto Drogen aus dem Leben der Menschen herauszuhalten.

FreieWelt.net:  In dem Teil der Welt, den man gemeinhin »Westen« nennt haben sich die reichsten, friedlichsten, pluralistischsten, tolerantesten, sichersten und gebildetsten Gesellschaften entwickelt, die die Geschichte jemals hervorgebracht hat. Und kein Teil des Westens war jemals ohne staatliche Regulierung und Intervention. Sie selbst stellen in Ihrem Buch fest, dass das allermeiste immer besser wird. Der sich einmischende und die Bürger gängelnde Staat scheint für den Fortschritt kein großes Hindernis darzustellen. Wie bewerten sie dies als Libertärer?

Lindhoff: Ich muss widersprechen. Der Staat ist ein großes Hindernis für den Fortschritt, selbst dann, wenn noch ein wenig Fortschritt zu beobachten ist. Was könnten private Hände wohl alles mit dem Geld anfangen, das sie nun an den Staat abführen müssen? Was könnte alles erschaffen werden, wenn nicht die von den Zentralbanken herbeigeführte Inflation Vermögen und damit produktives Kapital aufzehren würde? Wir wissen es nicht genau. Aber der Staat ist es, der behauptet, er wirtschafte besser mit unserem Geld, als wir es jemals könnten. Den Fortschritt, den wir derzeit noch erleben dürfen, ist allein den kleinen verbliebenen Resten der freien Marktwirtschaft zu verdanken.

FreieWelt.net: Wir danken für das Interview.

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Sven von Storch

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