Damit ist Becks Wunsch nach Rechtsschutz Genüge getan – doch die wichtigste Frage ist weiterhin offen: Welche Stellen wurden verfälscht? Wie dachte er im Jahr 1988 über Sex mit Kindern? Sogar Peter Mühlbauer äußert in der eher linken Telepolis seine Bedenken: »Äußerungen Becks, auf die das Büro des Politikers in diesem Zusammenhang verweist, lassen aber den Schluss zu, dass der von der Jungen Union erweckte Eindruck, der politische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion habe damals andere Positionen befürwortet als heute, nicht ganz falsch ist.«
Beck wird immer wieder mit dieser Frage konfrontiert. Dass sie nicht verstummen will, ist nur zu verständlich. Aber dass Mühlbauer und die JU Bayern recht haben könnten, dass er also wenigstens in der Vergangenheit für die Pädophilen eine Lanze brach, geht aus seinen eigenen Ausführungen ziemlich klar hervor. Beck selbst schrieb im Mai in der Welt: »In dem Artikel stand viel abwegiger Stuss, in seiner redigierten wie in der unredigierten Version (Anm.: Hervorh. durch Red.). Er war geprägt von einer falschen Grundannahme, die in der Schwulenbewegung damals noch weit verbreitet war.« Die Verwendung von »stand« und »war« zeigt an, dass Beck von der Vergangenheit redet. Und ja, vermutlich hat er sich heute tatsächlich von ihr distanziert (und sei es, um seine Chancen zu wahren, wiedergewählt zu werden). Es wäre allerdings Zeit einzugestehen – und zu benennen –, dass da etwas gewesen ist, von dem er sich heute distanziert.


Add new comment