Christ & Welt lehnt Anzeige ab

Christen in PEGIDA-Panik

Die Zeitschrift Christ & Welt lehnt eine Anzeige der Hilfsorganisation Kirche in Not für den Kongress »Treffpunkt Weltkirche« ab. Wer von »Meinungsdiktatur« rede, verwende »Pegida-Vokabular«.

Um den Jahreswechsel herum erfasste eine nicht unerhebliche Zahl von Journalisten die PEGIDA-Panik. Ein lokales Phänomen – die Spaziergänge von Dresdner Bürgern, die vor der »Islamisierung« des »Abendlandes« warnten – war plötzlich in aller Munde. Doch die Journalisten – und in ihrem Gefolge Politiker, Politaktivisten und selbst- und fremdernannte Experten – sorgten sich interessanterweise nicht um das Abendland, sondern um die Demokratie.

Da von der Panik auch zahlreiche Bischöfe ergriffen wurden und sich öffentlich zu dem Phänomen äußerten, war es kaum verwunderlich, dass sie auch in der Zeitschrift Christ & Welt, die der Wochenzeitung Die Zeit beigelegt wird, ausbrach. Dort diagnostizierte Redaktionsleiterin Christiane Florin ein Überschwappen der Denkungsart der PEGIDA-Demonstranten auf Christen, genauer gesagt auf Katholiken. Sie schrieb im Vorwort zur Nummer 1/2015: »Auch in katholischen Kreisen geht das Pegida-Vokabular um«.

Diagnose: »Diffamierung«

Was veranlasste Florin zu dieser Diagnose? Nicht viel. Es war bloß eine Anzeige, die sie zu bewegte, mahnend ihre Stimme zu erheben. Die katholische Hilfsorganisation Kirche in Not hatte eine Anzeige in Christ & Welt schalten wollen, um ihren Kongress »Treffpunkt Weltkirche« zu bewerben, der an diesem Wochenende in Würzburg stattfinden wird. In diesem Rahmen wurde auch die Podiumsdiskussion »Gegen den Strom von Meinungsdiktatur und Political Correctness« inseriert, an der Gabriele Kuby, Mathias Kepplinger, Hedwig von Beverfoerde und Wolfgang Hariolf Spindler teilnehmen wollen.

Das aber war zu viel für die Redaktion von Christ & Welt. Man lehnte die Anzeige ab, obwohl man nur ein geringes Anzeigenaufkommen und eigentlich auch nicht den Anspruch hat, die Meinungen der Inserenten zu teilen. Florin betonte unter Bezugnahme auf eine andere Anzeige, die ihr und der Redaktion nicht gefiel: »Anzeigenkunden dürfen Unsinn behaupten, solange der nicht verfassungswidrig ist.« Bei Kirche in Not sei es aber eben anders gewesen, erklärt Florin: Mit »Meinungsdiktatur« seien »nicht Diktaturen im politikwissenschaftlichen Sinne« gemeint gewesen. »Gemeint sind demokratische Staaten wie die Bundesrepublik.« Und das sei nicht akzeptabel, denn dieses »Land als Diktatur zu bezeichnen ist eine Diffamierung.«

Die Bundesrepublik sei keine Diktatur, doziert Florin. Fatalerweise habe jedoch Papst Benedikt XVI. von der »Diktatur des Relativismus« gesprochen, und auch der aktuelle Papst, Franziskus, führe zuweilen dieses Wort im Mund. Da hätten sich dann papsttreue Katholiken bestätigt und ermuntert gefühlt, ihrer Abscheu vor der Demokratie freien Lauf zu lassen, meint sie. PEGIDA – Benedikt XVI. – Kirche in Not – auch die habe nun von »Meinungsdiktatur« gesprochen, obwohl viele katholische Bischöfe sich von PEGIDA distanziert hätten. Betroffen stellt Florin fest: »Doch dass ein katholisches Hilfswerk sorglos mit einer Pegida-Vokabel wie ›Meinungsdiktatur‹ für sich wirbt, kritisieren sie nicht.«

Weil die Bischöfe zu dem herbeigesehnten Skandal schweigen, unterzieht Florin den Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann einer peinlichen Befragung. Er hat die Schirmherrschaft für den Kongress übernommen. »Warum übernehmen Sie die Schirmherrschaft über das Treffen Weltkirche von Kirche in Not?«, will sie wissen. Hofmann soll ein Bekenntnis ablegen: »Sind Sie der Ansicht, dass in der Bundesrepublik eine Meinungsdiktatur herrscht?« Das Bekenntnis soll aber nicht zu differenziert ausfallen, sondern er soll zwischen zwei Antwortmöglichkeiten auswählen, die Florin ihm vorlegt: »Ist ein Wort wie ›Meinungsdiktatur‹ Kritik an der Demokratie oder Diffamierung?« Der Bischof bleibt sachlich.

»Da kommen mir schon einige Fragezeichen«

Die Geschäftsführerin von Kirche in Not, Karin Maria Fenbert, wehrte sich gegen Florins Vorwurf. »Von einer Verachtung der pluralen Demokratie kann hier keine Rede sein«, sagte sie dem Medienmagazin pro. Es gehe darum, dass man bestimmte Positionen nicht mehr in der Öffentlichkeit vertreten könne, »ohne direkt als rechtsradikal oder rückständig bezeichnet zu werden«. Sie wies darauf hin, dass die Kritik an den neuerdings eingeführten oder reformierten Bildungsplänen oft verzerrt dargestellt und diffamiert werde. Indirekt behauptete Fenbert, dass auf diese Weise Positionen zu Ehe und Familie, die sich auf das christliche Menschenbild berufen, zum Schweigen gebracht werden sollen.

Außerdem verwies Fenbert gegenüber katholisch.de auf den Fall des Denzlinger Bürgermeisters Markus Hollemann (ÖDP). Der hatte auf Wunsch der CSU Gesundheits- und Umweltreferent in München werden sollen, war aber von der Kandidatur zurückgetreten, als eine Medienkampagne gegen ihn eingesetzt hatte. Hollemanns »Vergehen«: Er ist Mitglied der Organisation Aktion Leben für alle, die sich für das ungeborene Leben einsetzt. Damit galt er – unabhängig von seinen Taten, Worten und Werken – als »radikaler Abtreibungsgegner«, dessen Kandidatur verhindert werden musste. »Da kommen mir schon einige Fragezeichen, was man sagen darf bei uns«, meinte Fenbert zu diesem Vorfall.

Getroffene Hunde bellen

Die Ablehnung der Anzeige durch Christ & Welt gibt Fenbert ganz recht. Viele Journalisten möchten darüber entscheiden, welche Themen diskutiert und welche Meinungen dazu geäußert werden dürfen. Bis vor kurzem konnten sie das auch noch recht ungestört tun. Doch angesichts der Möglichkeiten, die das Internet für die Kundgabe dissidenter Meinungen bietet, gelingt ihnen das immer häufiger nicht. Sie müssen fast schon ohnmächtig zusehen, wie sich die unerwünschten Meinungen zu Themen, über die sie lieber schweigen möchten, ihren Weg an die Öffentlichkeit bahnen. Genau darum scheint es bei der angekündigten Podiumsdiskussion auch zu gehen.

Getroffene Hunde bellen, sagt der Volksmund. So ist es auch im Falle der Ablehnung der Anzeige durch Christ & Welt. Denn allein der Vorwurf, dass nicht jedermann seine Meinung zu bestimmten Themen äußern darf, wie der Veranstaltungstitel behauptet, darf nicht publiziert werden. Oder war Redaktionsleiterin Florin einfach nicht in der Lage zu erkennen, dass die Bezeichnung des Diskussionsthemas auf dem Kongress keinesfalls eine Distanz zur Demokratie zum Ausdruck gebracht werden soll und eine Diffamierung auch nicht? Angesichts der PEGIDA-Panik, die derzeit unter Journalisten umgeht, ist nicht ausgeschlossen, dass bei ihr einfach die Phantasie durchgebrannt ist.

Möglicherweise hat man sich bei Christ & Welt inzwischen wieder von dem Schock erholt. Denn man verlegt sich nun darauf, die Reaktionen der Leserschaft zum Thema zu machen. Fast schon genüsslich veröffentlicht man Zuschriften, die den Unmut des Publikums über Florins Unterstellungen zum Ausdruck bringen – häufig in derben Worten, die bestenfalls als authentischer Ausdruck innerer Erregung zu deuten sind, schlechteren Falls Ausdruck einer inneren Verrohung und schlechter Erziehung sind. Florin und Kollegen sind aber ganz offensichtlich professionelle (Kampagnen-)Journalisten: Sie saugen auch noch aus ihrer Niederlage ihren kümmerlichen Profit.

Der Kongress »Treffpunkt Weltkirche« findet vom 12. bis zum 15. März 2015 im Congress-Centrum in Würzburg statt.

Sven von Storch

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