Auch wenn die Neuausgabe nicht dieselbe Beachtung findet wie die vorangegangenen, birgt sie erneut einigen Sprengstoff. Denn die Empfehlungen des IPCC kommen mit der Legitimation durch die – so zumindest die Unterstellung, der Anspruch – weltweite Gemeinschaft der anerkannten Klimaforscher daher. Und wenn die feststellen, dass die Erderwärmung weitergeht und bedrohliche Ausmaße annimmt, dass womöglich das Überleben der Menschheit oder zumindest Teilen davon in Gefahr ist, dann erfordert das entsprechende politische Konsequenzen. Und die können sehr, sehr teuer werden.
Bereits am vierten Bericht war ätzende Kritik laut geworden, und auch jetzt, noch vor der Veröffentlichung des fünften, schwillt der Chor der Kritiker wieder an. Aus guten Gründen, denn was bereits jetzt bekannt geworden ist, lässt den Schluss zu, dass es sich bei dem Papier nicht um die letztgültige Wahrheit über das Klima und seinen Wandel handeln kann. Besonders umstritten ist die Frage nach dem Anstieg der Temperatur auf der Erde. Wie schnell geht dieser Prozess vonstatten – wenn überhaupt?
Entgegen zahlreicher Modelle hat die Klimaerwärmung, deren Existenz nie jemand bestritten hat, eine Pause eingelegt: Die globalen Temperaturen stagnieren seit circa 15 Jahren. Wie soll der IPCC damit umgehen, wo er doch seit Jahren einen immerwährenden Temperaturanstieg prognostizierte? Und wie soll »die Politik« damit umgehen? Während man »der Politik« früher vorwarf, die Entwicklung verharmlosen zu wollen, scheint es dieses Mal umgekehrt zu sein, wie Ulli Kulke in der Welt schreibt. Deutsche Regierungsvertreter hätten ein Interesse an der Dramatisierung der Ergebnisse, wahrscheinlich weil »sich die Energiepolitik in Deutschland durch die Lesart einer ungebremsten Erderwärmung legitimiert.«
Aber nicht nur Regierungen sind daran interessiert, ein Horrorszenario zu entwerfen und entsprechende politische Strategien umzusetzen, die auf diesen Horrorszenarien beruhen. Auch Wissenschaftler und Umweltaktivisten sind nach wie vor bestrebt, den Weltuntergang zu beschwören. James Delingpole resümiert im Daily Telegraph: »Von stipendienhungrigen Wissenschaftsorganisationen und Umweltlobbyorganisationen bis zu Kohlendioxidhändlern, EU-Kommissaren und großen Unternehmen, die ihren Rüssel in die Subventionströge stecken, gibt es viele Interessierte, die einiges zu verlieren haben, wenn der Klimaerwärmungszug, auf dem sie bisher mitgefahren sind, plötzlich entgleist.«
Ihnen allen ist der IPCC verpflichtet, und deshalb steht er vor einem echten Problem: Er muss die inzwischen nicht mehr zu leugnenden Fakten zur Kenntnis nehmen, aber zugleich muss er an seinem Dogma von der fortschreitenden Erderwärmung festhalten. »Das Dilemma des IPCC ist also Folgendes«, erklärt Blogger Andrew Montford. »Wie kann es erwarten, dass die Öffentlichkeit ihm glaubt, dass die jüngste Erwärmung hauptsächlich vom Menschen verursacht ist, wenn die Modelle, auf deren Ergebnissen diese Behauptung beruht, sich als total falsch herausgestellt haben?« Nun, das hängt zu einem Gutteil auch vom Gedächtnis der Öffentlichkeit ab, das bekanntermaßen ziemlich schlecht ist.
Das Image des IPCC ist durch die zahlreichen Skandale, die ihn in den letzten Jahren begleitet haben wie ein Schatten, in jedem Fall angekratzt. Bis jetzt hat ihm das nicht geschadet, denn die Regierungen finanzieren ihn und die Legionen an willfährigen Zuträgern immer noch. Allerdings scheint er den Zenit seines Einflusses überschritten zu haben, denn die Stimmen, die ihn herausfordern, lassen sich immer besser vernehmen. Paradigmenwechsel vollziehen sich allerdings nur langsam. Aber die gute Nachricht ist: Sie tun es. Möglicherweise wird das Paradigma des menschengemachten Klimawandels einmal durch ein anderes abgelöst werden. Dann hätte – das ist eine gute Nachricht – sich die Wahrheit einmal neu durchgesetzt. Auch wenn bis dahin kaum vorstellbare Summen Geldes gleichsam verbrannt worden sind.


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