Die Presse bejubelt das neue Lehrschreiben (Enzyklika) »Laudato Si« von Papst Franziskus (PDF). Man rühmt ihn vor allem dafür, dass er endlich anerkannt habe, dass der Klimawandel menschengemacht sei. Doch die Jubelarien, die vor allem die eigentlich papst- und kirchenfeindliche säkulare Presse anstimmt, sind höchst seltsam. Denn was der Papst sonst noch alles geschrieben hat, wird einfach unter den Tisch gekehrt.
Als Franziskus unlängst vor dem Europäischen Parlament eine Rede gehalten hat, war es ähnlich: Da zitierten alle nur ein, zwei Sätze, die allerdings aus dem Zusammenhang gerissen waren. Den Kern seiner Rede – der Aufruf, dass sich Europa seiner christlichen Wurzeln besinnen möge – wurde geflissentlich ignoriert.
In beiden Fällen ist also entscheidend, über was nicht berichtet wird. Lesen Sie nachfolgend elf Dinge, über die die meisten Journalisten am liebsten vergessen machen würden, weil der Papst etwas sagt, das ihnen so gar nicht in den Kram passt. Die Nummern in Klammern geben die Absätze in der Enzyklika an; sie können also selbst nachlesen, was er geschrieben hat.
- Die Welt ist nicht zufällig entstanden, sondern aufgrund der freien, bedachten und liebevollen Entscheidung Gottes. Dadurch erhält jedes noch so kleine, unbedeutende Lebewesen seine Würde. Der Mensch ist ein Geschöpf Gottes, des Vaters. Das nicht anzuerkennen, führt zu Götzendienst und Hybris, die sich in Allmachtsfantasien oder rücksichtsloser Ausbeutung der Natur ausdrückt. (75, 77)
- Es gibt nicht nur eine Umwelt, in die der Mensch eingebettet ist, sondern es gibt auch eine Ökologie des Menschen, die der Einbettung des Menschen in seine Umwelt vorausgeht. Es ist dem Menschen daher aufgetragen, seinen eigenen Körper zu akzeptieren – den als Mann und den als Frau; das ist die Voraussetzung für einen respektvollen Umgang mit seiner Umwelt. (155)
- Jesus verrichtete seine tägliche Arbeit als Zimmermann und trug damit zur Gestaltung und Heiligung der Schöpfung bei. Er sah sich als Bestandteil der Schöpfung, er war alles andere als leibfeindlich oder intellektuell, dualistisches Denken lag ihm fern. (98)
- Legt das Smartphone beiseite, macht den Fernseher aus! Die neuen Medien entfernen die Menschen bei unsachgemäßem Gebrauch von der Wahrheit der Dinge und entfremden ihn von sich selbst. Sie hindern den Menschen daran, zu Weisheit und Liebe zu gelangen, indem sie Reflexion, Dialog und persönliche Begegnung verhindern. (47)
- Wer die Natur schützen will, der muss auch das ungeborene Leben schützen. Wer vom Aussterben bedrohte Arten schützen will, der muss sich auch gegen Menschenhandel einsetzen, sich den Armen zuwenden und ganz allgemein seinen Mitmenschen Achtung und Wertschätzung entgegenbringen. Die Entwicklung und Anwendung moderner Technologien darf nicht von der Ethik abgekoppelt werden, sondern sie muss auch zum Wohl der Menschen, nicht nur der Umwelt eingesetzt werden. (91, 120, 136)
- Arbeit verleiht dem menschlichen Dasein einen Sinn, weshalb es problematisch ist, dass Innovationen immer dazu tendieren, die menschliche Arbeitskraft überflüssig zu machen. Es reicht daher auch nicht aus, den Armen zu spenden, sondern man muss ihnen ermöglichen, durch Arbeit ihre Würde zurückzuerlangen. (128)
- Immer wieder wird auf dem Weg der Entwicklungshilfe versucht, Abtreibung als Mittel zur Senkung von Armut zu propagieren. Doch Überbevölkerung ist nicht die Ursache für die Armut in manchen Teilen der Welt. Das ist ein Scheinargument, das letztlich davon ablenken soll, dass der Lebensstil der anderen Teile kein Modell für alle sein kann, weil er den Planeten überfordern würde. (50)
- Die beste Grundlage, um die Menschenwürde zu verteidigen, ist das christliche Menschenbild, denn die Schöpfungsberichte liefern die beste Darstellung des Verhältnisses des Menschen zu Gott: Er ist geschaffen als sein Abbild. Daraus ergibt sich zugleich die Grundlage, der Natur ihren eigenen Wert zuzumessen und aus dieser Anthropologie ein geeignetes Verständnis von Ökologie zu entwickeln: Der Mensch ragt heraus und ist deshalb zur Pflege der Welt berufen. (65, 118)
- Die Kultur des Relativismus führt zu Ausbeutung von Menschen in Form Kriegen, Ausbeutung, Kindesmisshandlung, Vernachlässigung der Alten oder dem Handel mit menschlichen Organen. Zu leugnen, dass es Wahrheit, Objektivität und allgemeingültige Prinzipien gibt, führt zu Kulturverfall, in dem die Regeln menschlichen Zusammenlebens Zwangsmittel ohne Legitimität sind. Man muss sein Verhalten ändern und einsehen, dass der Gesamtzusammenhang der menschlichen Ökologie mit der Umwelt gewahrt bleibt. (123, 211)
- Die Frage nach der Zukunft der Erde und der Bedrohungen für das Wohlergehen von Mensch und Tier darf nicht ideologisch und rechthaberisch geführt werden. Es gibt nicht nur eine einzig wahre Meinung, sondern die Wahrheit muss zwischen den Extremen gesucht werden. Wissenschaftler und Politiker sind berufen, diese Fragen zu diskutieren und, wenn möglich, zu klären. Die Kirche hält sich aus diesen Diskussionen allerdings heraus. (60, 188)
- Es ist notwendig, wahrhaftig und gut zu handeln, auch wenn man dafür verspottet wird. Dem moralischen Verfall ist Einhalt zu gebieten, denn wir brauchen einander. (229)


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