Wenn wir heute von Weihnachten sprechen, denken wir an Innehalten, Mitgefühl und Nähe
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war dies keineswegs selbstverständlich. Die industrielle Revolution veränderte den Lebensrhythmus, Arbeit verdrängte Traditionen und Armut wurde zum Massenphänomen. Für viele Menschen waren Weihnachten entweder ein formaler kirchlicher Feiertag oder ein unerreichbarer Luxus.
Charles Dickens kannte diese Realität aus eigener Erfahrung
Als Kind erlebte er den sozialen Absturz seiner Familie und die Zwangsarbeit in einer Fabrik. Deshalb lehnte er die damals verbreitete Auffassung ab, Armut sei individuelles Versagen. Für ihn war sie das Ergebnis eines rücksichtslosen Systems, das Profit über Menschlichkeit stellt.
In A Christmas Carol wählte Dickens einen einfachen, aber wirkungsvollen Rahmen
Die Figur des Ebenezer Scrooge ist nicht nur ein geiziger alter Mann, sondern die Verkörperung einer Gesellschaft, die den Wert des Menschen nach wirtschaftlichem Nutzen bemisst. Scrooge verachtet Weihnachten, lehnt Solidarität ab und betrachtet menschliche Beziehungen als Belastung.
Die Begegnung mit dem Geist seines verstorbenen Partners Jacob Marley und den drei Weihnachtsgeistern offenbart Scrooges Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft. Der Geist der vergangenen Weihnachten zeigt, dass Gefühllosigkeit erlernt ist. Der Geist der gegenwärtigen Weihnachten macht die Realität der Armen sichtbar, die trotz Entbehrung ihre Menschlichkeit bewahren. Der Geist der zukünftigen Weihnachten konfrontiert Scrooge mit den Folgen einer solidaritätslosen Gesellschaft – Einsamkeit, Vergessen und Tod.
Scrooges Wandel ist kein Wunder, sondern eine bewusste Entscheidung zur Verantwortung. Dickens macht deutlich, dass Veränderung jederzeit möglich ist, wenn der Wille dazu vorhanden ist.
A Christmas Carol hatte eine enorme gesellschaftliche Wirkung
Die Novelle trug zur Wiederbelebung des Weihnachtsfestes als Familienereignis bei, stärkte die Idee der Wohltätigkeit und verankerte Weihnachten als moralischen Prüfstein der Gesellschaft.


Kommentare
Wir sind wieder im 19. Jahrhundert angekommen
Armut und Elend werden längst wieder als Ausdruck des individuellen Versagens betrachtet. Man muss sich schließlich nur ein bisschen anstrengen, nicht wahr? Diese Ideologie ist staatstragend. Dabei wird niemand vom Tellerwäscher zum Millionär. Das Aufstiegsversprechen ist eine Lüge. Wir leben in einer Abstiegsgesellschaft.
Diese Weihnachtsgeschichte…
Diese Weihnachtsgeschichte von Dickens ist einfach Klasse.
Das stimmt!
Es ist wirklich wunderschön!
A Christman Carol
..."Old Marley was as dead as a door-nail." Was für eine wunderbare Geschichte! Sie hat in der fast zweihundertjährigen Zeit nichts an Aktualität verloren und wird hoffentlich in weiteren Jahrhunderten den Menschen Freude bereiten. Sie ist einfach zeitlos!
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