Kommunisten-Kardinal ist Bischof von Hong Kong

Kardinal Chow beschönigt Chinas Christenverfolgung

Kardinal Chow ging in seinen Äußerungen sogar so weit, das Schicksal seines Vorgängers, Kardinal Zen, zu relativieren. »Nicht einen Tag war er im Gefängnis, nicht einen Tag unter Hausarrest«, behauptete er.

Bild: Vatican News

 

Kardinal Stephen Chow Sau-yan, der Bischof von Hongkong, hat bei einem Vortrag in Australien behauptet, in Hongkong gebe es keine religiöse Verfolgung – eine Aussage, die bei Beobachtern auf scharfe Kritik gestoßen ist. Wie Edward Pentin berichtet, erklärte der Jesuit, Peking wolle die Religionsfreiheit in Hongkong »intakt« lassen, weil die Stadt für China wichtig sei, wie Edward Pentin berichtet.

 

 

 

Doch die Realität sieht anders aus: die Verfolgung des greisen Kardinals Joseph Zen, der politisch motivierte Schauprozess gegen den katholischen Medienunternehmer Jimmy Lai sowie die drakonischen Sicherheitsgesetze sprechen eine deutliche Sprache. Kritiker werfen Chow daher vor, mit seinen Aussagen das Leiden von Katholiken und Andersdenkenden in Hongkong herunterzuspielen.

 

 

 

Verharmlosung von Zen und Lai

 

 

Kardinal Chow ging in seinen Äußerungen sogar so weit, das Schicksal seines Vorgängers, Kardinal Zen, zu relativieren. »Nicht einen Tag war er im Gefängnis, nicht einen Tag unter Hausarrest«, behauptete er. Dabei war Zen 2022 in einem international kritisierten Verfahren verurteilt worden, weil er einen Fonds zur Unterstützung von Demokratie-Aktivisten nicht registriert hatte. Ein klarer Fall von politischer Justiz, den Chow nun herunterspielt.

 

 

 

Ebenso wird der Prozess gegen Jimmy Lai, Gründer der regimekritischen Zeitung Apple Daily, von Menschenrechtsorganisationen als Paradebeispiel für die Unterdrückung von Presse- und Religionsfreiheit gewertet – doch Chow vermeidet jede klare Verurteilung.

 

 

 

Jesuitische Rhetorik und kommunistische Realität

 

 

Der Kardinal rechtfertigte seine Position mit dem Hinweis, die Kommunisten seien auch nur Menschen, die nach »Liebe« und »Respekt« sehnten. Beobachter halten dies für eine gefährliche Naivität: Wer den Machthabern in Peking menschliche Wärme zuschreibt, während gleichzeitig Berichte über Folter, Zwangssterilisation, Umerziehungslager und Überwachungskirchen bekannt werden, dient nicht der Wahrheit, sondern betreibt Augenwischerei.

 

 

 

Die Kommunistische Partei Chinas hat seit Jahren bewiesen, dass sie Religion nur duldet, wenn sie dem Staat untergeordnet und politisch ungefährlich ist. Kardinal Zens Schweigen wurde erzwungen, Jimmy Lai sitzt weiter im Gefängnis – und die Kirche in China wird zusehends zur verlängerten Hand der Partei.

 

 

 

Die eigentliche Frage

 

 

Chows Aussagen passen in ein Muster vatikanischer Beschwichtigung gegenüber Peking, wie es bereits das umstrittene Geheimabkommen über die Bischofsernennungen gezeigt hat. Doch die entscheidende Frage lautet: Kann ein Bischof, der die Realität der Verfolgung leugnet, noch glaubwürdig Zeugnis ablegen für Christus?

 

 

 

Wer den Mächtigen gefallen will, verliert schnell das Vertrauen der Gläubigen. Kardinal Zen hat durch sein Leiden den wahren Preis des Glaubens gezeigt. Kardinal Chow hingegen riskiert, als Sprachrohr einer Diktatur in die Geschichte einzugehen.

 

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.