Italien will stattdessen Beziehungen mit den USA ausbauen

Draghi scheut Chinas Unterstützung, nimmt EU-Rettungsfonds an

Der italienische Premier arbeitet fieberhaft daran, lokale Unternehmen vor Rotchina zu schützen. Der Verkauf von Iveco wurde bereits vereitelt.

Vor dem Hintergrund, dass etwa 200 Milliarden Euro aus europäischen Konjunkturprogrammen nach Italien fließen werden, hat Premierminister Mario Draghi seine Bemühungen verdoppelt, lokale Unternehmen vor ausländischen Übernahmen, insbesondere aus China, zu schützen, wie Bloomberg berichtet.

Diese Strategie wurde einmal mehr deutlich, als Minister diese Woche den Verkauf der in Turin ansässigen LKW- und Busfirma Iveco SpA an die chinesische FAW Group Co. vereitelten.

Bei einem Besuch des französischen Finanzministers Bruno Le Maire im März, dessen Thema der Wirtschaftsaufschwung nach der Corona-Krise war, einigten sich Frankreich und Italien beim Thema Iveco darauf, dass der Verkauf nach China nicht im besten wirtschaftlichen Interesse der beiden Nationen wäre.

Als der Deal mit FAW am vergangenen Wochenende scheiterte, beglückwünschte der französische Minister den italienischen Minister für wirtschaftliche Entwicklung und fügte hinzu, dass der Plan die industrielle Souveränität bedrohe und die beiden Männer in guter Zusammenarbeit die Wirtschaft in Europa fördern sollten.

»Wir sind nicht gegen ausländische Investitionen per se, sondern gegen räuberische ausländische Investitionen«, sagte Giorgetti am Donnerstag nach einem Treffen mit Gewerkschaften und lokalen Regierungsvertretern, um die Zukunft von Iveco zu diskutieren. »Die europäischen Konjunkturprogramme werden beträchtliche Ressourcen freisetzen, und unsere Aufgabe ist es, zu verhindern, dass Energie und Gelder an ausländische Unternehmen fließen.«

Deutschland, Frankreich und Italien haben im letzten Jahr Schritte unternommen, um Investitionen von außerhalb der EU zu blockieren, während die Pandemie ihre Wirtschaft verwüstete und die Aktienbewertungen in den Boden drückte, während Firmen sehr anfällig für ausländische Angebote wurden. Das 800-Milliarden-Euro-Rettungspaket der Europäischen Union wird ihnen zusätzliche Kraft geben, um ihre wertvollsten Vermögenswerte zu schützen.

Italien, von dem erwartet wird, dass es in dieser Woche die Zustimmung des Kabinetts zu seinem Konjunkturprogramm erhält, schwenkt zunehmend weg von der pro-chinesischen Haltung, die es dazu gebracht hatte, Pekings massivem Infrastrukturprojekt »Brücken und Straßen Initiative« im Jahr 2019 beizutreten, trotz der Kritik von US-amerikanischen und europäischen Verbündeten.

Draghis harte Haltung gegenüber China ist Teil seines Vorstoßes, sich mit den USA neu auszurichten und das transatlantische Bündnis zu stärken, so die Beamten.

Die Position des Premierministers deckt sich auch mit der von Giorgettis Lega-Partei, die darauf gedrängt hat, den staatlichen Schutz gegen geschäftliche Übergriffe insbesondere aus China zu erweitern. Beide sind sich einig in der Behauptung der strategischen Autonomie von Wirtschaftssektoren, sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene.

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.