Wokeness, ein Begriff, der in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat, dreht sich um die Idee, historisch marginalisierte Gruppen in einen heiligen Status zu erheben. Diese Ideologie, die oft als »kultureller Sozialismus« bezeichnet wird, besagt, dass das vorrangige Ziel der Gesellschaft darin bestehen sollte, für benachteiligte Identitätsgruppen gleiche Ergebnisse zu erzielen und sie gleichzeitig vor jeglichem vermeintlichen Schaden zu bewahren, was sogar so weit gehen kann, dass Diskussionen über Amerika als »Land der unbegrenzten Möglichkeiten« zensiert werden. Das Aufkommen von Wokeness unter scheinbar harmlosen Begriffen wie »Diversität« und »Inklusivität« hat kritische Fragen zu ihrer Entstehung und zu möglichen Gegenmaßnahmen aufgeworfen.
Zwei neuere Bücher, Christopher Rufos Bestseller »America‘s Cultural Revolution« und Richard Hananias »The Origins of Woke«, befassen sich mit der Entstehung des Einflusses der radikalen Linken auf unsere Kultur. Hanania konzentriert sich dabei auf positive Maßnahmen und die Stempelkultur, während Rufo die Wurzeln der Critical Race Theory (CRT) in der Verlagerung des Marxismus von der Klasse zur Identität in den späten 1960er Jahren untersucht. Diese beiden Darstellungen, auch wenn sie sich in ihrem Ansatz unterscheiden, werfen gemeinsam ein Licht auf die komplexe Entwicklung von Wokeness. Die beiden Bücher fasst Eric Kaufmann auf Law and Liberty zusammen.
Sowohl Rufo als auch Hanania gehören zu einer neuen Generation von Intellektuellen, die über das Internet bekannt geworden sind und dabei die traditionellen institutionellen Türsteher umgangen haben. Obwohl sie sich nicht ausdrücklich dem Nationalkonservatismus zuordnen, sind sich beide Autoren einig, dass ein Eingreifen der Regierung in den Kulturkampf unerlässlich ist. Sie argumentieren, dass die Dezentralisierung der Autorität von der gewählten Legislative hin zu nicht rechenschaftspflichtigen Managern und Pädagogen es ermöglicht hat, dass sich die kulturelle Revolution im Stillen entfalten konnte. Rufo plädiert für eine Gegenrevolution, die darauf abzielt, ideologisch vereinnahmte Institutionen in Frage zu stellen, während Hanania einen detaillierten politischen Leitfaden für republikanische Politiker und Juristen anbietet, um die Macht des kulturellen Sozialismus zu untergraben.
Hananias Sichtweise: Das Kind des Bürgerrechtsgesetzes
Richard Hananias Weg vom Online-Trolling zum prominenten Politikwissenschaftler eröffnet ihm eine einzigartige Perspektive auf das Wokeness-Phänomen. In »The Origins of Woke« nähert er sich dem Thema aus rechtlicher und politischer Sicht. Hanania definiert Wokeness als eine Ideologie, die sich auf drei Säulen stützt: die Überzeugung, dass Ungleichheiten ein Beweis für Diskriminierung sind, die Notwendigkeit, die Redefreiheit einzuschränken, um Gleichheit zu erreichen, und die Einrichtung einer Vollzeitbürokratie zur Durchsetzung dieser Grundsätze. Er vertritt die Ansicht, dass sich »wokeness« weitgehend unbeabsichtigt aus den von zwei Parteien verabschiedeten Bürgerrechtsgesetzen und deren Auslegung ergeben hat.
Hanania verweist auf vier Schlüsselinnovationen in der Bürgerrechtsgesetzgebung - die auf Bundesebene vorgeschriebenen positiven Maßnahmen, die ungleiche Auswirkung, das Belästigungsrecht und die Bildungsvorschriften des Titels IX. Diese rechtlichen Entwicklungen trugen dazu bei, dass sich der Schwerpunkt von der Gleichbehandlung auf die Gleichheit der Ergebnisse verlagerte, was in Angriffen auf die Verdienste und das Mikromanagement in verschiedenen Lebensbereichen gipfelte. Mit der Einrichtung von Bürgerrechtsbehörden wie der Equal Employment Opportunity Commission (EEOC) und dem Office of Federal Contract Compliance (OFCCP) erhielten bürokratische Aktivisten die Befugnis, Richtlinien zu erlassen, was zu einer Vervielfachung der Gleichstellungsbürokratie auf allen Regierungsebenen und in Organisationen führte.
Rufos Perspektive: Kulturmarxismus
Christopher Rufo hingegen konzentriert sich in seinem Buch »Amerikas Kulturrevolution« auf die Rolle der Kulturrevolutionäre und ihren Einfluss auf Bildungseinrichtungen und Schulen. Er vertritt die These, dass die »Wokeness« ihre Wurzeln in marxistischen Idealen hat und dass sie durch die Vereinnahmung von Institutionen, die an der Gestaltung der Gesellschaft beteiligt sind, insbesondere des Bildungswesens, an Dynamik gewann.
Rufo hebt historische Schlüsselfiguren und Organisationen wie Herbert Marcuse, Weather Underground, Angela Davis und Paolo Freire hervor, die eine wichtige Rolle bei der Entwicklung dieser Ideologie spielten. Diese Revolutionäre versuchten, die Gesellschaft zu erobern, indem sie die für die Sozialisierung zuständigen Institutionen infiltrierten, angefangen bei den Schulen und Universitäten. Diese Strategie steht im Einklang mit Antonio Gramscis Konzept des »langen Marsches durch die Institutionen« und dem Glauben der Frankfurter Schule an die Notwendigkeit einer kulturellen Transformation, um die Menschen auf eine sozialistische Revolution vorzubereiten.
Sowohl Hanania als auch Rufo liefern wertvolle Einblicke in die Entstehung von Wokeness, auch wenn sich ihre Perspektiven in Bezug auf Schwerpunkt und Ansatz unterscheiden. Hananias institutionelle Analyse betont die unbeabsichtigten Folgen der Bürgerrechtsgesetze, während Rufos kulturelle Perspektive die bewussten Bemühungen revolutionärer Marxisten nachzeichnet, die Gesellschaft durch Bildung umzugestalten.
Je länger der Kampf gegen Wokeness andauert, desto wichtiger wird das Verständnis seiner Ursprünge und Mechanismen für alle, die sich in diesem anhaltenden Kulturkampf zurechtfinden wollen.


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