Ein schonungsloses Urteil über das postnationale Experiment

Ayaan Hirsi Ali_ Warum der Multikulturalismus gescheitert ist

Für Hirsi Ali ist das Zeitalter der globalistischen Träume vorbei. »Die sogenannte regelbasierte Weltordnung ist Geschichte. Vielleicht endete sie am 20. Januar 2025, vielleicht schon 2014, als Russland die Krim annektierte.« Was folge, sei ein neues Zeitalter, in dem Klarheit herrsche: »Es gibt kein besseres Modell als den Nationalstaat.«

Die ARC-Konferenz ist zu einem Sammelbecken für jene geworden, die sich dem schleichenden Niedergang des Westens entgegenstellen. Eine der einflussreichsten Stimmen dieses Aufbruchs ist Ayaan Hirsi Ali, die als ehemalige Atheistin nun für die Notwendigkeit einer rückbesinnenden westlichen Identität eintritt. In ihrer viel beachteten Rede analysierte sie, warum der Multikulturalismus gescheitert ist und warum eine Rückkehr zur Nation und zur christlichen Moral unvermeidlich ist.

Die Nation als Grundpfeiler der Zivilisation

Von Beginn an machte Hirsi Ali deutlich, dass die moderne Kritik am Nationalstaat ein folgenschwerer Fehler war: »Bürgerschaft setzt ein politisches Gebilde voraus. Über Jahrhunderte war dies der Nationalstaat. Doch moderne Liberale haben ihn verachtet, ihn mit Hitler und Mussolini gleichgesetzt, ohne zwischen gutem und schlechtem Nationalismus zu unterscheiden.« Sie betonte, dass viele, die sich als Liberale verstünden, in Wahrheit Sozialisten oder Technokraten seien, die sich von den Idealen eines John Stuart Mill längst verabschiedet hätten.

Diejenigen, die den Nationalstaat systematisch untergraben hätten, seien nicht nur Akademiker, sondern auch Medienvertreter, Aktivisten und eine aufgeblähte Bürokratie, die sich »als wohlwollende Beschützer gegen den Faschismus gerierten, während sie in Wahrheit die Freiheit unterdrückten«.

Multikulturalismus und seine katastrophalen Folgen

Hirsi Ali argumentierte, dass der Versuch, heterogene Gesellschaften durch Multikulturalismus zu erzwingen, kläglich gescheitert sei. »Diese Vision einer postnationalen Welt ist eine Illusion. Die internationalen und supranationalen Institutionen, die als Ersatz für den Nationalstaat gedacht waren – die UN, die EU – sind gescheitert. Sie sind tyrannische Bürokratiemonster geworden, korrumpiert durch Misswirtschaft und Betrug.«

Sie erinnerte daran, dass nicht nur die westlichen Globalisten den Nationalstaat zu ersetzen suchten. Islamisten versuchten ebenfalls, mit der Wiedererrichtung eines Kalifats eine alternative Ordnung zu etablieren. Doch diese Experimente seien nichts als »Höllenszenarien« gewesen: »Es gibt nur einen noch schlimmeren Zustand als den Naturzustand des Krieges nach Hobbes: den islamischen Staat, in dem das Leben noch brutaler, noch kürzer und noch elender ist.«

Das Ende der postnationalen Utopie

Für Hirsi Ali ist das Zeitalter der globalistischen Träume vorbei. »Die sogenannte regelbasierte Weltordnung ist Geschichte. Vielleicht endete sie am 20. Januar 2025, vielleicht schon 2014, als Russland die Krim annektierte.« Was folge, sei ein neues Zeitalter, in dem Klarheit herrsche: »Es gibt kein besseres Modell als den Nationalstaat.«

Die Globalisten seien nun politisch heimatlos. Die linksliberalen Parteien hätten ihre Macht verloren, ihre Spender seien abgesprungen, und die Kontrolle über Medien und Bürokratie sei ihnen entglitten. »Das ist eine gute Nachricht. Denn es bedeutet, dass wir die Gelegenheit haben, den Westen auf seine fundamentalen Werte zurückzuführen.«

Der unersetzliche Wert der christlichen Moral

Doch Hirsi Ali belässt es nicht bei einer Verteidigung des Nationalstaates. Für sie ist es entscheidend, dass dieser auf einem klaren moralischen Fundament ruht. »Der Nationalstaat braucht christliche Moral. In Europa bleibt das Christentum trotz Jahrzehnten der Säkularisierung das grundlegende Betriebssystem unserer Gesellschaft. Ohne dieses System funktionieren die Anwendungen nicht mehr.«

Sie persönlich habe 1992, als sie vor einer Zwangsehe nach Europa floh, noch ein stabiles westliches Modell vorgefunden: »Ich sah eine Welt, geprägt von wohlhabenden, stabilen und optimistischen Nationen, tief verwurzelt in ihren calvinistischen und katholischen Traditionen.« Doch in den letzten 16 Jahren habe sie beobachten müssen, wie dieses Erbe systematisch marginalisiert wurde.

Der Westen muss sich auf seine Werte besinnen

In ihrem fulminanten Abschlussappell betonte Hirsi Ali die untrennbare Verbindung zwischen westlicher Identität und christlicher Moral: »Jede erfolgreiche Nation basiert auf mehr als einer Verfassung und einem Gesetzbuch. Sie braucht eine transzendentale Erzählung, die ihre Bürger mit einem ethischen und rechtlichen Fundament verbindet. Für den Westen war das die Geschichte der Bibel.«

Diese biblische Ethik, betonte sie, prägte die Ideen von individueller Würde, Menschenrechten und der Begrenzung der Staatsmacht. »Wenn wir den Westen retten wollen, dann nicht nur mit politischen oder wirtschaftlichen Maßnahmen. Wir müssen das moralische Fundament erneuern, das unser Haus zusammenhält.«

Zum Schluss ihrer Rede hinterließ sie einen eindringlichen Appell: »Lassen Sie uns den Westen nicht nur wiederaufbauen, sondern ihn zu dem machen, was er einst war: Ein Hort der Freiheit, der Vernunft und der moralischen Klarheit.«

Sven von Storch

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