Was sich am Samstagabend in Turin abspielte, hatte mit „Demonstration“ nichts mehr zu tun. Zwischen 19 und 20 Uhr verwandelte sich eine Kundgebung gegen die Räumung des besetzten anarchistischen Zentrums Askatasuna in eine regelrechte urbane Guerilla. Müllcontainer brannten, Pflastersteine, Feuerwerkskörper und Rauchbomben flogen, Demonstranten traten mit selbstgebauten Schilden in geschlossener Formation gegen die Polizei an.
Ein Video, das sich rasch in den sozialen Netzwerken verbreitete, zeigt den Moment, in dem eine Gruppe von Randalierern einen einzelnen Polizisten umringt und brutal zusammenschlägt. Zehn gegen einen. Schläge, Tritte, ein Hammer. Bilder, die kaum zu ertragen sind – und die jede beschönigende Rhetorik vom „zivilen Protest“ ad absurdum führen.
Auslöser der Demonstration war die Räumung des seit Jahren illegal besetzten „sozialen Zentrums“ Askatasuna durch die Spezialeinheit DIGOS der italienischen Polizei. Die Behörden hatten das Objekt Ende letzten Jahres geschlossen, nachdem Aktivisten des Zentrums an einem Angriff auf die Redaktion der Zeitung La Stampa beteiligt gewesen waren.
Selbst die Linke spricht von „inakzeptabel“
Bemerkenswert ist die politische Reaktion. Die Gewalt wurde parteiübergreifend verurteilt. Sogar **Elly Schlein**, Vorsitzende der Partito Democratico, sprach von „inakzeptablen“ Zuständen. Worte, die man aus diesem politischen Lager in Zusammenhang mit linksextremen Ausschreitungen selten hört.
Italiens Ministerpräsidentin **Giorgia Meloni** fand noch deutlichere Worte. Das Geschehen sei kein Protest, sondern ein gezielter Angriff auf den Staat und seine Repräsentanten. Sie sprach offen von „versuchtem Mord“. Am Sonntag besuchte sie die verletzten Beamten im Krankenhaus; 29 Polizisten mussten medizinisch versorgt werden.
Meloni kündigte eine Regierungssitzung zur Verschärfung der Sicherheitsgesetzgebung an. Der Staat, so ihre Botschaft, werde sich von extremistischen Gruppen nicht einschüchtern lassen.
Wenn „soziale Zentren“ zur Gewaltkulisse werden
Der Fall Askatasuna zeigt exemplarisch, was viele dieser sogenannten „sozialen Zentren“ in Wirklichkeit sind: rechtsfreie Räume, ideologische Brutstätten und logistische Rückzugsorte militanter Gruppen. Die romantische Verklärung als Orte alternativer Kultur zerbricht regelmäßig an der Realität von Gewalt, Sachbeschädigung und organisierter Konfrontation mit der Staatsgewalt.
Dass bei den Ausschreitungen auch ein Team des staatlichen Senders RAI angegriffen und dessen Ausrüstung zerstört wurde, unterstreicht, wie wenig es diesen Gruppen um Meinungsfreiheit oder Dialog geht.
Der Preis jahrelanger Verharmlosung
Die Szenen von Turin sind nicht plötzlich vom Himmel gefallen. Sie sind das Ergebnis jahrelanger Verharmlosung linksextremer Gewalt als eine Art überzogener, aber letztlich verständlicher „Aktivismus“. Wo der Staat solche Milieus gewähren lässt, entstehen Parallelstrukturen, in denen die Ablehnung von Recht und Ordnung zum identitätsstiftenden Prinzip wird.
Turin war deshalb nicht nur eine Straßenschlacht. Es war eine Demonstration dessen, was passiert, wenn Ideologie auf Straffreiheit trifft.
Die Frage, die sich nun stellt, ist nicht nur eine italienische. Wie viele europäische Städte kennen ähnliche Orte, ähnliche Netzwerke, ähnliche Narrative? Und wie lange will man noch so tun, als handle es sich dabei um harmlose Subkultur statt um handfeste Extremismusprobleme?


Kommentare
... „Nach der Räumung des…
... „Nach der Räumung des anarchistischen Zentrums Askatasuna eskaliert eine Demonstration zur Straßenschlacht – ein Polizist wird beinahe totgeprügelt“ ...
Was von unserer(?) Göttin(?) einstigen Flinten-Uschi ähnlich scharf verurteilt und entsprechend geahndet wird wie die Sprengung von Nord-Stream??? https://politik.watson.de/politik/deutschland/462856953-nord-stream-pipelines-ursula-von-der-leyen-droht-taetern-wegen-sabotage
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