Pontifex deutet Gesprächsbereitschaft gegenüber traditionellem Ritus an

Papst Leo XIV. öffnet die Tür zum Dialog über die tridentinische Messe

In einem neuen Interviewbuch räumt Leo XIV. Missstände in der Liturgiereform ein und kündigt Gespräche mit Befürwortern des tridentinischen Ritus an – ein Signal, das Hoffnung auf eine neue Phase des liturgischen Friedens weckt.

Papst Leo XIV. scheint einen vorsichtigen Kurswechsel einzuleiten. In einem ausführlichen Buch-Interview, das am 18. September in Peru erschienen ist, äußert er sich offen über die Spannungen rund um die Liturgie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Er gibt zu, dass es »Missbräuche« im Umgang mit der neuen Messe des Paul VI. gegeben habe, die viele Gläubige entfremdet und ihrer geistlichen Heimat beraubt hätten. Gerade Menschen, die nach einer tieferen Gotteserfahrung gesucht hätten, seien so abgestoßen worden. Das berichtet Famillie Chrétienne.

Die Worte wiegen schwer, weil sie aus dem Mund eines Papstes kommen, der zugleich den Missbrauch des Themas durch politische Lager beklagt. Während Franziskus mit Traditionis custodes (2021) die Feier der alten Messe massiv einschränkte, zeigt Leo XIV. Verständnis für die Gläubigen, die im tridentinischen Ritus eine lebendige Verbindung zum Mysterium des Glaubens sehen. Er deutet sogar an, dass er »bald« mit Vertretern dieser Bewegung das Gespräch suchen werde.

Ein offenes Ohr für Tradition

Das Eingeständnis liturgischer Missstände ist bemerkenswert. Jahrzehntelang wurden Kritiker des sogenannten Novus Ordo als »rückwärtsgewandt« abgetan. Nun anerkennt der Papst, dass die liturgische Krise real ist und nicht nur ein Vorwand für politische Kämpfe. Die Ankündigung von Gesprächen – unter anderem mit Kardinal Raymond Leo Burke, einem prominenten Verteidiger der überlieferten Messe – zeigt, dass Rom die Sorgen ernst nimmt.

Zwischen Hoffnung und Skepsis

Doch bleibt die Frage: Wird es echte Reformen geben oder handelt es sich lediglich um Gesten? Leo XIV. betont, er wolle keine »Ideologien« bedienen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass die Anliegen der Gläubigen erneut vertröstet oder instrumentalisiert werden. Die wachsende Zahl von Katholiken, die den vetus ordo aufsuchen, zeigt, dass es um mehr als Nostalgie geht. Es geht um das Überleben des Glaubens in einer Zeit, in der viele Kirchen leer stehen, während die Messen im überlieferten Ritus überfüllt sind.

Der Papst hat mit seinen Äußerungen ein Fenster geöffnet. Jetzt liegt es an ihm zu beweisen, ob er wirklich der Hirte aller Katholiken sein will – auch jener, die an der Tradition festhalten. Denn der liturgische Frieden in der Kirche wird nicht durch Verbote, sondern nur durch Verständnis und Einheit möglich.

Sven von Storch

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