Eine Entscheidung gegen Widerstand

Papst Franziskus und die geplanten Einschränkungen der traditionellen Messe

Das Dokument, das Papst Franziskus vorerst nicht unterzeichnete, ist nur ein weiteres Kapitel in der zunehmenden Spaltung der Kirche. Kritiker des Papstes, wie Bischof Athanasius Schneider und Pater Chad Ripperger, haben wiederholt betont, dass der Papst nicht die Autorität hat, eine jahrhundertealte Liturgie vollständig zu verbieten.

Im November 2024 enthüllte der erfahrene Vatikan-Journalist Dr. Robert Moynihan ein faszinierendes Detail: Papst Franziskus habe ein Dokument zur weiteren Einschränkung der traditionellen lateinischen Messe auf seinem Schreibtisch liegen gehabt, aber entschieden, es nicht zu unterzeichnen. Die Information stammt von einem engen Freund des Papstes, einem russisch-orthodoxen Geistlichen, der dem Papst von den vielen jungen Gläubigen berichtete, die die alte Liturgie aus echter Liebe zu Christus verehrten, und nicht aus politischem Protest. Diese Gespräche scheinen entscheidend gewesen zu sein, um das Dokument vorerst zu blockieren.

Die Berichte über das angebliche Dokument zur Einschränkung der traditionellen Messe waren bereits im Sommer 2024 aufgetaucht. Es wurde gemunkelt, dass das Dokument speziell gegen Priester in den Diözesen gerichtet sei, die die lateinische Messe feiern, wobei vor allem die Priesterbruderschaft St. Petrus und das Institut Christus König nicht direkt betroffen wären, da diese vom Papst privat anerkannt wurden.

In den Monaten nach den ersten Berichten blieb die Sache jedoch zunächst ruhig, und prominente Kirchenvertreter wie Kardinal Pietro Parolin und andere hochrangige vatikanische Beamte wiesen die Gerüchte zurück. Doch die Spannungen zwischen der römischen Kurie und den traditionellen Gläubigen setzten sich fort, vor allem nach der Veröffentlichung des Motu Proprio Traditionis Custodes im Jahr 2021, das bereits Einschränkungen für die traditionelle Messe verhängte.

Die jüngste Enthüllung über die Rolle des russisch-orthodoxen Priesters verdeutlicht die Komplexität dieses Themas. Moynihan berichtete, dass der Priester dem Papst die Wichtigkeit der traditionellen Messe, besonders für junge Gläubige, nahelegte. »Ich sagte ihm, dass es viele junge Menschen in den USA und anderen Ländern gibt, die die alte Liturgie lieben – sie tun dies nicht aus Hass gegen den Papst, sondern aus Liebe zu Jesus«, erklärte Moynihan. Der Papst, der diese Worte hörte, soll daraufhin gesagt haben: »Ich habe den Text auf meinem Schreibtisch. Man hat mir gesagt, ich soll ihn unterschreiben, aber nach dem, was du mir gesagt hast, werde ich ihn nicht unterschreiben.«

Sollte diese Darstellung korrekt sein, so bedeutet dies, dass das Dokument existiert und die Kirche knapp davor war, es zu erlassen. Die Reaktion vieler Gläubiger und prominenter Kardinäle, die sich gegen eine weitere Einschränkung der traditionellen Messe aussprachen, war ein starker Appell an den Papst, die alte Liturgie zu bewahren. Die Reaktionen aus den traditionellen katholischen Gemeinschaften, die nach Traditionis Custodes unter immensem Druck standen, zeigen eine paradoxe Wendung: Trotz der Versuche, die Messe zu verdrängen, erleben die traditionellen Gemeinschaften weltweit einen enormen Zulauf.

In den letzten Jahren haben sich die Priesterbruderschaft St. Petrus (FSSP), das Institut Christus König und das Institut des Guten Hirten zunehmend vergrößert. Besonders bemerkenswert ist, dass die Priesterbruderschaft St. Petrus inzwischen 197 Seminaristen in ihren Seminaren in Europa und den USA ausbildet. Auch das Institut Christus König verzeichnet mit 108 Seminaristen ein Rekordwachstum, ebenso das jüngere Institut des Guten Hirten, das bereits 44 Seminaristen zählt.

Diese Entwicklung widerspricht der Vorstellung, dass die traditionelle Messe nur eine Randerscheinung in der Kirche sei. Vielmehr zeigt sie, dass inmitten der Bemühungen, die Tradition zu unterdrücken, die lateinische Messe nach wie vor ein lebendiger Teil des kirchlichen Lebens bleibt und sogar an Bedeutung gewinnt.

Das Dokument, das Papst Franziskus vorerst nicht unterzeichnete, ist nur ein weiteres Kapitel in der zunehmenden Spaltung der Kirche. Kritiker des Papstes, wie Bischof Athanasius Schneider und Pater Chad Ripperger, haben wiederholt betont, dass der Papst nicht die Autorität hat, eine jahrhundertealte Liturgie vollständig zu verbieten. Ihre Argumentation basiert auf dem Prinzip, dass der Papst als Hüter der Tradition und nicht als absoluter Monarch fungiert. Er kann keine Liturgie abwerfen, die tief in der Geschichte und im Glauben verwurzelt ist.

Es wird immer klarer, dass die traditionellen Gläubigen in der Kirche in vielen Teilen der Welt nicht nur ein spirituelles Zuhause suchen, sondern auch für die Bewahrung einer Kultur kämpfen, die sie als entscheidend für ihre religiöse Identität und für die Zukunft der Kirche ansehen. Die fortwährende Bedrängung dieser Gemeinschaften durch die römische Kurie und die katholische Hierarchie stellt eine ernsthafte Bedrohung für die religiöse Vielfalt innerhalb der Kirche dar.

Ein Aufruf zur Verteidigung der traditionellen Messe

Die Entscheidung des Papstes, das Dokument nicht zu unterzeichnen, ist ein Moment der Hoffnung für viele Gläubige, die die alte Liturgie als einen Weg sehen, sich authentisch mit ihrer Tradition und ihrem Glauben zu verbinden. Doch die Bedrohung für die lateinische Messe ist noch nicht vorüber. Die Kirchenführer müssen jetzt zeigen, dass sie bereit sind, nicht nur die Bedürfnisse ihrer Gläubigen zu verstehen, sondern diese auch zu schützen. Wenn der Papst und die römische Kurie wahrhaft an der Einheit der Kirche interessiert sind, müssen sie die verschiedenen liturgischen Traditionen respektieren und eine Atmosphäre der geistlichen Vielfalt fördern.

Es liegt an uns, als Gläubige und als Gemeinschaften, weiterhin für den Erhalt der traditionellen Liturgie zu kämpfen – für uns selbst, aber auch für die kommenden Generationen, die das Erbe der katholischen Kirche weitertragen werden.

Sven von Storch

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