Papst Franziskus hatte vor einigen Wochen weitreichende Einschränkungen für die Feier der traditionellen lateinischen Messe erlassen und damit frühere päpstliche Dekrete rückgängig gemacht, die die Messe, die vor den Liturgiereformen von Papst Paul VI. 1970 gefeiert wurde, liberalisiert hatten [Freie Welt berichtete].
Jetzt meldet sich der preisgekrönte deutsche Autor Martin Mosebach zu Wort und kritisiert das päpstliche Schreiben scharf.
In einem Kommentar im Vatican-Magazin, der auf CNA Deutsch veröffentlicht wurde, kritisierte der Alte-Messe-Verfechter wortgewaltig das Papstschreiben:
»Papst Franziskus hat ein Machtwort gesprochen. Er tut das in einem Augenblick, in dem die päpstliche Autorität wie nie zuvor ins Wanken geraten ist. Die innerkirchliche Revolution ist längst in ein unbeherrschbares Stadium getreten. Aber es gibt einen Feind, den der Papst selbst vom Krankenbett aus bekämpft: die Tradition der katholischen Kirche. Dafür gibt er seine Lieblingsprinzipien auf: das „Zuhören“, die „Zärtlichkeit“, die „Barmherzigkeit“, die nicht befehlen und nicht richten will. Auch die rein menschliche Rücksichtnahme auf den abgedankten Papst, den er zwingt zuzusehen, wie er dessen Lebenswerk, die Heilung einer Wunde am Körper der Kirche, zerstört.«
»Die Heftigkeit, die aus seinem Motu proprio spricht, kann nur Ausdruck der Sorge sein, mit diesem Gewaltakt zu spät zu kommen. Denn tatsächlich haben sich die Kreise, die der liturgischen Tradition anhängen, in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Das sind nicht mehr diejenigen, die die Liturgie ihrer Kindheit schmerzlich vermissen – das sind Menschen, die die Liturgie neu entdeckt haben und von ihr fasziniert sind, viele Konvertiten, viele, die sich lange von der Kirche abgewandt hatten,« fügt Mosebach hinzu.
Er argumentiert: »So wird der gewaltsame Eingriff des Papstes das Wachstum der Traditionsbewegung vielleicht eine Weile behindern, er wird es aber nur für die Zeit seiner Herrschaft aufhalten können, denn diese Bewegung ist keine oberflächliche Mode – das hat sie in den Jahrzehnten ihrer Untedrückung vor dem Motu proprio Benedikts bewiesen –, sondern die ernsthafte und begeisterte Hinwendung zur ganzen Fülle des Katholischen.«
»Hier, so darf man schließen, liegt eine unüberwindliche Grenze für die Vollmacht eines Papstes. Die Tradition steht über dem Papst, besonders die tief im ersten christlichen Jahrtausend wurzelnde alte Messe ist der Verbotsgewalt eines Papstes grundsätzlich entzogen. Viele Bestimmungen des benediktinischen Motu proprio wird man aufheben oder modifizieren können – diese Lehrentscheidung jedoch nicht so ohne weiteres. Papst Franziskus versucht das auch nicht – er ignoriert sie. Das ändert aber nichts daran, dass er auf diese Weise nicht die Legitimität seiner Entscheidung erzwingen kann. Es bleibt auch nach dem 16. Juli 2021 dabei: Jeder Priester hat das moralische Recht, den niemals verbotenen alten Ritus zu feiern.«
Mosebach sieht hinter dem Machtwort ein Interesse, was eigentlich nichts mit der Messe zu tun hat: »Es geht ihm wohl auch gar nicht um die Messe – es zeigt sich mehr und mehr, dass er mit der „Hermeneutik des Bruchs“ sympathisiert, jener theologischen Schule, die behauptet, die Kirche habe im Zweiten Vatikanischen Konzil mit ihrer Tradition gebrochen und gleichsam eine Neugründung der Kirche vorgenommen. Wenn das so wäre, dann müsste tatsächlich jede Feier einer überlieferten Liturgie mit aller Kraft verhindert werden, denn solange noch in irgendeiner Garage eine alte lateinische Messe zelebriert würde, wäre die Erinnerung an die vergangenen zweitausend Jahre nicht vollständig ausgelöscht. Aber diese Erinnerung lässt sich nicht in einem Akt der Überanstrengung päpstlichen Gesetzespositivismus tilgen. Immer wieder wird sie zurückkehren und sie wird der Maßstab sein, an dem die Kirche der Zukunft sich messen lassen muss.«


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