Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der emeritierte Präfekt der Glaubenskongregation, äußerte exklusiv gegenüber kath.net seine tiefgreifenden Bedenken zu der jüngsten »Handlungsempfehlung« von Kardinal Fernández zur privaten Segnung von Menschen in sündhaften Partnerbeziehungen. Die weltweite Reaktion aus großen Teilen des Weltepiskopates hat Empörung hervorgerufen, und Kardinal Müller betont entschieden die Wichtigkeit, die Lehren des II. Vatikanischen Konzils zu bewahren.
In einem exklusiven Interview mit kath.net äußerte Kardinal Müller seine Bedenken bezüglich der aktuellen Entwicklungen:
kath.net: Herr Kardinal Müller, hat sich mit der neuesten Erklärung von Kardinal Fernández inhaltlich etwas geändert?
Kardinal Müller: Zu meinem Kommentar zu Fiducia supplicans habe ich inhaltlich nichts hinzuzufügen. Die weltweite negative Reaktion aus großen Teilen des Weltepiskopates und seitens führender Laien zu der vom Dikasterium für die Glaubenslehre herausgegebenen »Handlungsempfehlung« zur privaten Segnung von Menschen in sündhaften Partnerbeziehungen sollte den Verantwortlichen in Rom zu denken geben.
Kardinal Müller hebt zwei Punkte hervor, die seiner Meinung nach weiterer Klärung bedürfen:
Problematische Unterscheidung von Segnungen: Er äußert Bedenken hinsichtlich der Unterscheidung von liturgisch-offiziellen Segnungen und den privat-pastoralen Segnungen nicht-ehelicher Sexualpartnerschaften. Insbesondere der vorgeschlagene 15-Sekunden-Segen mit dem Kreuzzeichen und der Anrufung des Namens des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes wird als privates Gebet um den Beistand Gottes bezeichnet. Kardinal Müller warnt davor, dass Priester darauf achten müssen, dass ihr Segen nicht von Gruppen instrumentalisiert wird, die die Wahrheit des geoffenbarten Glaubens untergraben wollen.
Problematische Behauptung einer Weiterentwicklung: Der Kardinal sieht die Behauptung einer »wirklichen Weiterentwicklung über das hinaus, was vom Lehramt und in den offiziellen Texten der Kirche über die Segnungen gesagt wurde« als äußerst problematisch an. Er betont, dass dem Lehramt von Papst und Bischöfen keineswegs von einem römischen Dikasterium eine Autorität zugesprochen werden kann, die die Offenbarung in Christus ergänzen oder ändern könnte. Dies würde die Hermeneutik des katholischen Glaubens sprengen und den Lehren des II. Vatikanischen Konzils widersprechen.


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