Einblicke von Rod Dreher

Die EU, der Nationalismus und die Zukunft des europäischen Christentums

Rod Dreher kritisiert in seiner aufschlussreichen Rede die Abkehr der Europäischen Union von ihren christlich-demokratischen Wurzeln und betont die dringende Notwendigkeit für die europäischen Nationen, sich auf ihr kulturelles und religiöses Erbe zu besinnen.

Rod Drehers Rede bei der letzten National Conservative Konferenz bietet eine fesselnde Untersuchung des aktuellen Zustands des europäischen Christentums und seiner Beziehung zur Europäischen Union. Er stellt die ursprüngliche Vision der EU-Gründer der heutigen Realität gegenüber und beleuchtet, wie sich die EU zu einem Gebilde entwickelt hat, von dem viele glauben, dass es genau die Werte untergräbt, die es eigentlich aufrechterhalten sollte.

Die ursprüngliche Vision der EU

Dreher erinnert sich zunächst an ein Gespräch mit einem französischen Freund, der die EU leidenschaftlich verteidigte, vor allem wegen ihrer Rolle bei der Erhaltung des Friedens in Europa. Diese Sichtweise ist historisch begründet, da die EU ursprünglich konzipiert wurde, um die verheerenden Konflikte zu verhindern, die Europa in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts heimsuchten. Gründungsmitglieder wie Robert Schuman, Konrad Adenauer und Alcide De Gasperi, die alle gläubige Katholiken waren, hatten die Vision eines durch christliche Demokratie geeinten Europas. Vor allem Schuman war der Meinung, dass die Existenz der Demokratie dem Christentum geschuldet sei: »Die Demokratie wird christlich sein oder es wird sie nicht geben.«

Der Zusammenbruch des europäischen Christentums

Dreher weist jedoch auf eine bedeutende Veränderung seit der Gründung der EU hin. Das einst überwiegend christliche Europa hat einen drastischen Rückgang der religiösen Zugehörigkeit zu verzeichnen. Unter Berufung auf den Soziologen Stephen Bullivant stellt Dreher fest, dass »das Christentum als Standard, als Norm, verschwunden ist, und zwar wahrscheinlich für immer.« Dieser Rückgang ist nicht allein die Schuld der EU, aber er wird durch sie sicherlich noch verschärft. Die EU, die ursprünglich auf christlich-demokratischen Grundsätzen aufgebaut war, scheint sich nun vielen christlichen Grundwerten zu widersetzen, insbesondere in Fragen wie Abtreibung und Ehe.

EU-Politik und christliche Werte

Besonders kritisch sieht Dreher die Haltung der EU zu Abtreibung und Ehe. Er verweist auf die jüngsten Maßnahmen des Europäischen Parlaments und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, die Positionen eingenommen haben, die im Widerspruch zu den traditionellen christlichen Lehren stehen. Die symbolische Abstimmung des Europäischen Parlaments über die Aufnahme der Abtreibung in die EU-Grundrechtecharta und der Druck auf Polen, die Abtreibung zu legalisieren, werden als direkter Affront gegen die Heiligkeit des Lebens, einen zentralen christlichen Wert, angesehen.

In ähnlicher Weise wird der Widerstand der EU gegen das ungarische Gesetz zum Schutz von Kindern vor LGBT-Material als Angriff auf die traditionellen christlichen Ansichten über Ehe und Familie gewertet. Dreher argumentiert, dass die herrschende Klasse der EU diese traditionellen Ansichten für ein Anathema hält und aktiv daran arbeitet, sie in den Mitgliedsstaaten zu untergraben.

Migration und nationale Souveränität

Eines der umstrittensten Themen, die Dreher anspricht, ist die Migration. Er kritisiert die Politik der offenen Grenzen der EU, die von Papst Franziskus unterstützt wird, als erhebliche Bedrohung für die europäische Stabilität und Kultur. Als warnendes Beispiel führt er Schweden an, wo es zu einem Anstieg der Bandengewalt gekommen ist, die auf unangepasste Migranten zurückgeführt wird. Dreher kontrastiert dies mit Ungarn, das eine entschlossene Haltung zur Kontrolle seiner Grenzen und zur Bewahrung seiner kulturellen Identität eingenommen hat. Er argumentiert, dass Ungarns Ansatz ein Modell für andere europäische Nationen ist, wenn sie ihr kulturelles und religiöses Erbe bewahren wollen.

Dreher übt heftige Kritik an den katholischen Bischöfen in Europa, die seiner Meinung nach an der antichristlichen Politik der EU mitschuldig sind. Er fragt sich, warum die Bischöfe ein System unterstützen, das so viele Lehren der Kirche untergräbt. Dies sei ein Verrat an der Vision der Gründungsväter der EU und ein großer Bärendienst für das europäische Christentum.

Ein Aufruf zum Handeln

In seiner Schlussfolgerung ruft Dreher zu einem erneuten Engagement für nationale Souveränität und Dezentralisierung innerhalb der EU auf. Er argumentiert, dass die Stimmabgabe für nationalistische, populistische und souveräne Parteien für die Bewahrung der christlichen Werte in Europa unerlässlich ist. Er beruft sich auf das Erbe christlicher Persönlichkeiten wie des heiligen Benedikt, des heiligen Bonifatius und des heiligen Gregor des Großen und fordert die modernen Christen auf, den Mut und die Vision zu haben, sich gegen die aktuellen Trends zu stellen.

Drehers Rede ist eine kraftvolle Anklage gegen den gegenwärtigen Zustand der EU und ein leidenschaftliches Plädoyer für den Erhalt des europäischen Christentums. Er fordert sowohl die politischen als auch die religiösen Führer auf, die Bedrohungen zu erkennen, denen Europa ausgesetzt ist, und mutige Maßnahmen zu ergreifen, um sein kulturelles und religiöses Erbe zu verteidigen. Dabei greift er die Warnungen Robert Schumans vor den Gefahren einer Demokratie ohne christliche Werte auf und ruft dazu auf, zu den Prinzipien zurückzukehren, die Europa einst geeint haben.

Sven von Storch

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