Irre Geschlechterfantasien:

Wie Anselm Schubert Jesu Männlichkeit in Frage stellt

In seinem neuesten Werk, Christus (m/w/d). Eine Geschlechtergeschichte, bietet der Erlanger Kirchenhistoriker Anselm Schubert ein Potpourri aus verworrenen Geschlechtertheorien und historischen Spekulationen, die Jesus Christus auf eine Weise darstellen, die kaum noch ernst zu nehmen ist.

In seinem neuesten Werk, Christus (m/w/d). Eine Geschlechtergeschichte, bietet der Erlanger Kirchenhistoriker Anselm Schubert ein Potpourri aus verworrenen Geschlechtertheorien und historischen Spekulationen, die Jesus Christus auf eine Weise darstellen, die kaum noch ernst zu nehmen ist. Schubert, der sich offenbar in den tiefsten Abgründen der Kirchengeschichte verloren hat, führt uns durch ein Labyrinth von Gendervorstellungen, die den historischen Jesus zu einem wandelnden Klischee machen, wie katholisch.de berichtet.

Laut Schubert sind die Bilder von Jesus Christus nicht nur Ausdruck der religiösen Vorstellungen seiner Zeit, sondern vor allem ein Spiegelbild der jeweiligen Geschlechterideale. Sein Ansatz scheint zu sein, jede mögliche Interpretation Jesu aus jeder Epoche hervorzuheben, um zu beweisen, dass Jesus je nach Zeit entweder männlich, weiblich oder sogar androgyn war. Diese Theorie ist nicht nur ein akademisches Kuriosum, sondern mutet wie eine gefährliche Verzerrung der religiösen Überlieferung an.

Ein besonders absonderliches Beispiel aus Schuberts Werk sind die Darstellungen Jesu mit weiblichen Attributen wie Brüsten oder die bizarre Interpretation seiner Seitenwunde als Uterus. Diese Ideen tauchen plötzlich im 13. Jahrhundert auf und stammen aus der mystischen Literatur weiblicher Orden. Schubert scheint diese spekulativen und teils absurd anmutenden Interpretationen ernst zu nehmen und als bedeutende historische Erkenntnisse zu verkaufen. Statt die christliche Symbolik in ihrem historischen Kontext zu betrachten, befasst sich Schubert lieber mit literarischen Spielereien und lässt dabei den gesunden Menschenverstand vermissen.

Ab der Aufklärung, so Schubert, habe sich das Bild Jesu als klar männlich etabliert, was er dem »wissenschaftlichen Geschlechterbild« der Zeit zuschreibt. Die Konsequenz dieser Argumentation ist, dass die moderne Vorstellung von Jesu Geschlechtlichkeit in einer Art patriarchalem Überbau gefangen ist, den Schubert als überholt ansieht. Diese Einschätzung könnte als frustrierende, akademische Spielerei angesehen werden, die wenig mit der Realität der religiösen Praxis zu tun hat.

Besonders fragwürdig ist Schuberts Haltung zur Frage des Zölibats Jesu. Während er die traditionelle Vorstellung eines unverheirateten Jesus verteidigt, schwenkt er später in Verschwörungstheorien und spekulative Erzählungen um, die Jesu Ehe oder Nachkommen betreffen. Diese Wendung macht deutlich, dass Schubert nicht davor zurückschreckt, selbst die unbeständigsten Ideen in seine Argumentation einzuflechten, um seine eigenen, verqueren Theorien zu stützen.

Schuberts neueste Fantasie eines »queeren Jesu« ist die Krönung seines Werks. Diese Idee, die hauptsächlich aus der Religionskritik der 1990er Jahre stammt, scheint für Schubert eine willkommene Gelegenheit zu sein, seine bereits abenteuerlichen Interpretationen weiter zu treiben. Statt die historische Figur Jesu in ihrem religiösen und kulturellen Kontext zu belassen, wird sie hier als eine Art Projektionsfläche für moderne Genderdebatten missbraucht.

Sven von Storch

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