Forscher schaffen synthetische menschliche Embryonen

Labor-Mensch ohne Eltern_ Neue Embryonen werfen alte Fragen auf

Ein britisch-amerikanisches Forscherteam erzeugt synthetische Embryonen aus Stammzellen – und umgeht dabei jede bisherige Gesetzgebung. Was wie Science-Fiction klingt, ist nun Realität.

Ein Durchbruch mit düsterem Beigeschmack: Forscher um Prof. Magdalena Żernicka-Goetz von der Universität Cambridge und dem California Institute of Technology haben synthetische menschliche Embryonen erzeugt – ganz ohne Ei- und Samenzellen. Wie der Guardian berichtet, könnten diese Labor-Embryonen in Zukunft helfen, genetische Erkrankungen besser zu erforschen. Doch der Preis ist hoch: Es droht eine schleichende Entgrenzung menschlichen Lebens.

Die erzeugten Strukturen imitieren die ersten Entwicklungsstadien eines menschlichen Embryos, inklusive Anlagen für Plazenta, Dottersack und Keimbahnen. Herz, Gehirn oder Nervensystem wurden zwar noch nicht entwickelt – doch das Ziel scheint klar: ein vollständiger, funktionsfähiger Embryo aus dem Reagenzglas.

»Es ist schön und vollständig aus embryonalen Stammzellen erschaffen«, sagte Żernicka-Goetz dem Guardian. Ihr Modell erreichte sogar das Stadium der Gastrulation – der kritische Entwicklungsschritt, bei dem der Embryo erstmals die Körperachsen bildet und Zelltypen ausbildet.

In Großbritannien wie anderswo existieren keine klaren gesetzlichen Grenzen für solche synthetischen Gebilde. Denn sie gelten formal nicht als »Embryonen« im juristischen Sinn. Während natürliche Embryonen nur bis zu 14 Tage im Labor kultiviert werden dürfen, gibt es für ihre synthetischen Imitate keinerlei Frist oder Verbot.

Bereits 2022 konnten Forscher synthetische Maus-Embryonen mit Herz und Hirnanlagen herstellen. In China wurde im April 2023 sogar versucht, solche Embryonen in Affen einzupflanzen – mit ersten Schwangerschaftsanzeichen. Zwar kam es zu keiner Geburt, doch Experten warnen: Die Lücke zwischen Machbarkeit und Missbrauch wird rasant kleiner.

Der britische Stammzell-Experte Robin Lovell-Badge fasst es zusammen: »Wenn diese Modelle normalen Embryonen so ähnlich sind, sollten sie auch rechtlich so behandelt werden.« Doch genau das geschieht nicht. Und während Wissenschaftler sich in freiwilligen Ethikleitlinien verlieren, schreitet der technische Fortschritt ungebremst voran.

Der Mensch wird im Labor neu entworfen – ohne Eltern, ohne Seele, ohne Schutz. Wer jetzt nicht stoppt, macht sich mitschuldig an der völligen Entgrenzung des Lebens.

Sven von Storch

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