Soziologe Frank Furedi kommentiert:

Die Bedrohung des menschlichen Wissens durch die Cancel-Kultur

Canceln im akademischen Bereich; der Angriff auf Wissenschaft und Technik und der kulturelle Angriff auf die Geisteswissenschaften. Die Cancel-Kultur schlägt um sich. Wie das menschliche Wissen und das kulturelle Erbe geschützt werden können.

In George Orwells Roman 1984 warnte er vor dem Verschwinden des wirklichen Wissens und der Zerstörung der Literatur der Vergangenheit. Heute erleben wir mit dem Aufkommen der »Cancel Culture« ein ähnliches Phänomen. Die Befürworter der »Cancel Culture« stellen den Ruf kultureller Persönlichkeiten wie Chaucer, Shakespeare, Milton und Byron in Frage und bezeichnen sie als weiße Vorherrscher. Dieser Angriff auf das Wissen geht über die Literatur hinaus und betrifft verschiedene Disziplinen, darunter Mathematik, Naturwissenschaften, Philosophie und klassische Literatur. Die Auswirkungen dieser kulturellen Revolution sind weitreichend und erfordern unsere Aufmerksamkeit.

Canceln im akademischen Bereich

Die Quality Assurance Agency (QAA) im Vereinigten Königreich hat sich die Doktrin der Entkolonialisierung zu eigen gemacht und versucht, die intellektuellen Grundlagen der westlichen Kultureinrichtungen zu diskreditieren. Die Indoktrinationsbemühungen der QAA zeigen sich in ihrer Forderung, den Lehrplan für Mathematik zu dekolonisieren. Durch die Politisierung der Mathematik will die QAA den Schülern Schuldgefühle und Schamgefühle in Bezug auf das historische Erbe des Fachs einflößen. In ähnlicher Weise werden auch andere Disziplinen wie Geologie, Archäologie und Klassische Philologie unter Druck gesetzt, sich zu dekolonisieren und sich für ihre Existenz zu entschuldigen.

Der Angriff auf Wissenschaft und Technik

Auch die Natur- und Ingenieurwissenschaften sind vom Kreuzzug der Entkolonialisierung nicht verschont geblieben. Einige Befürworter argumentieren, dass die moderne westliche Wissenschaft mit dem Kolonialismus verwoben ist und dass dessen Erbe die Wissenschaft bis heute durchdringt. Persönlichkeiten wie Isaac Newton, Louis Pasteur, Michael Faraday und Einstein könnten in Zukunft zur Zielscheibe werden. Der Lehrplan für Ingenieurwissenschaften an der Universität Sheffield schlug sogar vor, dass Newton von »kolonialen Aktivitäten« profitiert haben könnte, mit dem Ziel, seinen Ruf moralisch zu entmachten. Solche Bemühungen untergraben die Beiträge dieser großen Wissenschaftler und verzerren unser Verständnis ihrer Leistungen.

Der kulturelle Angriff auf die Geisteswissenschaften

Die klassischen Wissenschaften, einschließlich der antiken griechischen Literatur und Philosophie, wurden als zu weiß bezeichnet und beschuldigt, Rassismus zu fördern. Das Archäologiemuseum in Cambridge hebt die »Weiße« der antiken griechischen Skulptur hervor, anstatt ihren ästhetischen Wert zu würdigen. Auch die klassische Musik ist in die Kritik geraten, da sie mit der weißen Vorherrschaft in Verbindung gebracht wird. Die Literatur, insbesondere Werke wie Homers Odyssee, wurde aus einigen Lehrplänen gestrichen, wodurch wesentliche Beiträge zum literarischen Kanon ausgelöscht wurden.

Bewahrung des menschlichen Wissens und des kulturellen Erbes

Die Angriffe auf das Wissen stellen eine erhebliche Bedrohung für unser kulturelles Erbe dar. Wenn wir die Beiträge der antiken Zivilisationen, der Renaissance und der Aufklärung abtun oder diskreditieren, laufen wir Gefahr, in einen kulturellen Analphabetismus zu verfallen. Die Erosion des intellektuellen Fundaments unserer Zivilisation kann zu historischer Amnesie und zum Triumph des Neusprechs führen, wie Orwell es voraussagte. Es ist von entscheidender Bedeutung, das Bewusstsein zu schärfen und Maßnahmen zu ergreifen, um die Künste und Wissenschaften vor diesen Kulturvandalen zu schützen, die versuchen, die Kultur zu untergraben.

Sven von Storch

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