Die Krise der britischen Conservative Party ist längst über den Punkt hinaus, an dem man von schlechten Umfragewerten oder personellen Problemen sprechen könnte. Wie Michael Curzon im European Conservative beschreibt, ist etwas viel Grundsätzlicheres geschehen: Die Partei ist aus dem politischen Bewusstsein der Wähler verschwunden. …wie der European Conservative berichtet.
Vom Hass zur Gleichgültigkeit
Früher hassten viele Briten die Tories. Heute, so zitiert Curzon den früheren Johnson-Berater Dominic Cummings, sagen die Menschen in Fokusgruppen schlicht: "Ich denke gar nicht mehr über die Tories nach."
Für eine politische Partei ist das schlimmer als Ablehnung. Es ist politische Nichtexistenz.
Die Abwanderung der Köpfe
Der spektakulärste Schlag kam mit Robert Jenricks Übertritt zu Reform UK. Jenrick, einst als möglicher Hoffnungsträger und künftiger Parteichef gehandelt, erklärte offen, dass er nur bei Nigel Farage eine echte "Vereinigung der Rechten" sehe. Kurz darauf folgte Andrew Rosindell.
Beide begründeten ihren Schritt mit einer Diagnose, die vernichtender kaum sein könnte: Die Conservative Party sei untrennbar mit den Fehlern der vergangenen Jahre verbunden und nicht willens, daraus Konsequenzen zu ziehen.
### Politische Inkohärenz als Todesurteil
Kommentatoren wie Chris Bayliss sprechen laut Curzon davon, dass die Partei ihre "politische Inkohärenz" niemals mehr überwinden werde. The Critic titelte bereits: "The Conservatives are doomed."
Das Problem ist nicht fehlende Führung. Das Problem ist, dass niemand mehr weiß, wofür diese Partei eigentlich steht.
Reform UK besetzt den Raum
Während die Tories versuchen, ihre innere Zerrissenheit zu kaschieren, besetzt Reform UK systematisch den Raum rechts der Mitte. Farage bietet das an, was die Wähler bei den Tories seit Jahren vermissen: Klarheit, Richtung und den Willen, tatsächliche politische Konflikte auszutragen.
Reform wirkt nicht wie eine Protestpartei, sondern wie die neue ideelle Heimat für konservative Wähler.
Eine Partei ohne Zukunft
Curzon beschreibt eindrücklich, dass selbst langjährige Tory-Wähler die Partei nicht mehr verteidigen, nicht einmal mehr kritisieren. Sie warten nur noch darauf, dass sie verschwindet.
Eine Partei, über die man nicht mehr spricht, hat ihren Platz im politischen Leben bereits verloren.
Die eigentliche Verschiebung
Was sich in Großbritannien abzeichnet, ist keine normale Parteikrise, sondern eine tektonische Verschiebung der politischen Rechten. Die Conservative Party war jahrzehntelang das natürliche Machtzentrum. Jetzt ist sie eine leere Hülle, während Reform UK zur Sammelbewegung wird.
Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob sich die Tories erholen. Die entscheidende Frage ist, ob es sie in dieser Form in wenigen Jahren überhaupt noch geben wird.


Kommentare
Ähnlichkeiten mit…
Ähnlichkeiten mit entsprechenden deutschen Parteien wären natürlich rein zufällig!
Insbesondere fällt es mir bei der SPD schwer, herauszufinden, für welche Interessen deutscher Bürger sie eigentlich noch steht ...
Aber bei Wahlumfragen scheinen es immer noch etwa 14% zu wissen.
Konservatives Verfalldatum bis ??
Die britischen ..links -grünen "Konserven-naiven" verlieren ihre Wähler und sind sauer auf Nigel Farage. Doch nun ist das Volk ganz nickel in Rage und Starmer kann sich in einer Konserve verkriechen ! Deckel und Verfalldatum drauf und ab in die Ukraine !
Es kömmt einem sooooo bekannt vor ?
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