Betrug, Geldwäsche und Veruntreuung

Vatikan klagt linken Kardinal Becciu und neun Mitverschwörer im Finanzskandal an

Kardinal zieht Kirche in den Dreck: Papst Franziskus hatte Giovanni A. Becciu letztes Jahr aus dem Kardinalsamt enthoben. Nun wurde der Kardinal wegen Bestechung, Amtsmissbrauch und Veruntreuung angeklagt.

Kardinal Giovanni Angelo Becciu, dem Papst Franziskus im September letzten Jahres seine Kardinalsrechte und vatikanischen Titel entzog, wird wegen Bestechung, Amtsmissbrauchs und Veruntreuung in Absprache mit ausländischen Firmen und Finanziers angeklagt, die ihrerseits beschuldigt werden, vatikanische Wohltätigkeitsfonds falsch gehandhabt zu haben. Die Dokumente wurden auf Twitter verbreitet.

Kardinal Angelo Becciu wurde von Papst Franziskus zum Kardinal kreiert und in die Kurie berufen. Vor seinem tiefen Fall in den Finanzskandal galt er als der »Vollstrecker« Franziskus, wenn es um innenpolitische kirchliche Themen ging.

Die Anklagen kommen zwei Monate nachdem Franziskus ein Dekret erlassen hat, das es Kardinälen erlaubt, vom vatikanischen Tribunal angeklagt zu werden. Eine erste Anhörung ist für den 27. Juli angesetzt. Das vatikanische Staatssekretariat wird in dem Verfahren als Kläger auftreten.

Die Anklagen drehen sich um den Versuch des Staatssekretariats des Vatikans, im Jahr 2014 eine Luxusimmobilie in der Londoner Innenstadt zu kaufen, unter Verwendung eines Fonds, der für die karitativen Werke des Papstes bestimmt ist, bekannt als Peterspfennig. Auch Kardinal Pietro Parolin wurde in diese Intrige verstrickt [Freie Welt berichtete].

Wegen Betrugs, Geldwäsche und Veruntreuung wurde auch Raffaele Mincione angeklagt, ein Geschäftsmann, der die Londoner Immobilie besaß, während Gianluigi Torzi, der angeworben wurde, um dem Vatikan zu helfen, das volle Eigentum an dem Apartmentkomplex im Jahr 2019 zu erlangen, wegen Erpressung, Veruntreuung und Geldwäsche angeklagt ist. Im vergangenen April bat der Vatikan darum, dass Torzi aus dem Vereinigten Königreich ausgeliefert wird, um sich dem Vorwurf zu stellen, die Kirche um 22 Millionen Dollar betrogen zu haben.

Vatikanische Staatsanwälte arbeiteten mit Ermittlern aus Italien, dem Vereinigten Königreich, Jersey, Luxemburg, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Slowenien und der Schweiz zusammen und brachten »ein ausgedehntes Netzwerk von Beziehungen zu Finanzmarktteilnehmern ans Licht, die den vatikanischen Finanzen erhebliche Verluste zufügten, wobei sie auch Ressourcen in Anspruch nahmen, die für die persönlichen Werke der Nächstenliebe des Heiligen Vaters bestimmt waren«, ließ der Vatikan Samstag verlautbaren.

Zahlreiche Personen, die mit Becciu in Verbindung stehen, wurden zusammen mit ihm angeklagt, darunter Cecilia Marogna, die in der italienischen Presse als »die Dame des Kardinals« bekannt ist, und die nach lokalen Berichten angeblich mehr als 500.000 Euro dafür erhielt, als Sicherheitsberaterin für den Vatikan zu arbeiten. Marogna ist wegen Veruntreuung von Vatikan-Geldern angeklagt.

Viele der involvierten Kirchenprälaten wurden von Papst Franziskus an die Kurie berufen.

Sven von Storch

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