Kommentar von Robert de Mattei

Erzbischof Viganò_ Auf dem Weg zum Anarcho-Vakantismus_

Viganò akzeptiert, dass Franziskus den Papstthron materiell einnimmt, lehnt jedoch ab, dass er formal der Papst ist. Dieser Ansatz wurde von einigen als »Anarcho-Vakantismus« bezeichnet, der sich von der Sedisvakantismus-Linie unterscheidet.

Am 29. November 2023 veröffentlichte Roberto de Mattei einen Artikel, der auf den vorherigen Teil mit dem Titel »Bischöfe Strickland, Schneider und Viganò: Einige wesentliche Punkte« folgt. Der Fokus liegt auf Erzbischof Carlo Maria Viganò und seiner zunehmend klaren Position bezüglich Papst Franziskus.

Viganò bezeichnet Papst Franziskus oft als "den Mieter von Santa Marta" und erkennt ihn damit nicht als Stellvertreter Christi an. Er erklärte seine Position jedoch erst in den letzten Monaten des Jahres 2023. Insbesondere in einem Video-Beitrag für die Catholic Identity Conference am 1. Oktober 2023 sprach Viganò von einem »Mangel an Zustimmung«, der die Regierung von Papst Franziskus für ungültig erklären würde. Dieser Mangel an Zustimmung bestehe darin, dass der Papst seine Wahl äußerlich akzeptiert habe, ohne die Absicht, das Wohl der Kirche zu fördern.

Viganò behauptet, dass Bergoglios Verhalten offensichtlich anti-katholisch und heterogen zum Wesen des Papsttums sei. Er argumentiert, dass eine Person, die nicht beabsichtigt, das Gute der Kirche zu fördern, nicht der wahre Papst sein könne. Obwohl Viganò betont, dass er nicht als Sedisvakantist betrachtet werden sollte, lehnt er dennoch ab, dass Franziskus formal der Papst ist, weil es ihm an der Absicht mangelt, das Wohl der Kirche zu fördern.

Diese Position erinnert an die sogenannte Cassiciacum-These von Fr. Guérard des Lauriers aus den 1970er Jahren. Viganò akzeptiert, dass Franziskus den Papstthron materiell einnimmt, lehnt jedoch ab, dass er formal der Papst ist. Dieser Ansatz wurde von einigen als »Anarcho-Vakantismus« bezeichnet, der sich von der Sedisvakantismus-Linie unterscheidet.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Cassiciacum-These bereits in den 1980er Jahren wirksam widerlegt wurde. Kritiker, darunter der französische Schriftsteller Jean Madiran, argumentierten, dass die These auf unbegründeten Hypothesen beruhe und nicht ausreichend Beweise für eine dauerhafte Abwesenheit der Absicht, das Gute der Kirche zu fördern, liefern könne.

Viganò scheint aktiv eine »Untergrundresistenz« gegenüber dem »Inimicus Ecclesiae« zu schaffen, indem er heimlich Priester und möglicherweise auch einige Bischöfe ordinieren lässt. Dieses Netzwerk könnte als »Anarcho-Vakantismus« bezeichnet werden, da es nicht nur den Papst als formalen Anführer ablehnt, sondern auch eine Art von »wandernden« Klerikern schafft, die im Verborgenen agieren.

Insgesamt bleibt die Position von Erzbischof Viganò umstritten. Einige sehen in seinen Argumenten eine kohärente Kritik am gegenwärtigen Pontifikat, während andere die Beweise für seine These als unzureichend erachten. Die Debatte wird fortgesetzt, und man kann nur hoffen, dass göttliche Vorsehung und Weisheit zur Lösung dieser Fragen beitragen werden.

Originalartikel von Roberto de Mattei (29. November 2023): Archbishop Viganò: towards anarcho-vacantism?

Sven von Storch

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