Der Mensch reduziert zur Stoffmasse

Biotech-Unternehmen will aus menschlicher DNA künstliche Embryonen zur Organentnahme formen

Ein israelisches Biotechnologieunternehmen will ein Experiment wiederholen, bei dem vor kurzem erfolgreich ein künstlicher Mausembryo aus Stammzellen erzeugt wurde – nur dieses Mal mit menschlichen Zellen.

Wissenschaftler der Abteilung für Molekulargenetik von Weizmann züchteten »synthetische Mäuseembryonen« in einem Gefäß ohne Spermien, Eizellen oder Gebärmutter, wie aus einem am 1. August in der Zeitschrift Cell veröffentlichten Artikel hervorgeht. Es war das erste Mal, dass dieser Prozess erfolgreich abgeschlossen wurde, berichtet Marianne Guenot von Insider.

Die nachgebildeten Embryonen konnten sich nicht zu vollwertigen Mäusen entwickeln und waren daher nicht »echt«, erklärte Jacob Hanna, der das Experiment leitete, gegenüber dem Guardian. Die Wissenschaftler beobachteten jedoch, dass die synthetischen Embryonen ein schlagendes Herz, einen Blutkreislauf, den Beginn eines Gehirns, ein Neuralrohr und einen Darmtrakt hatten.

Hanna erklärte gegenüber MIT Technology Review, dass er nach dem Erfolg des Mausexperiments daran arbeitet, die Ergebnisse mit menschlichen Zellen, einschließlich seiner eigenen, zu wiederholen.

»Der Embryo ist die beste Maschine zur Herstellung von Organen und der beste 3D-Biodrucker - wir haben versucht zu emulieren, was er tut«, sagte Hanna in einer Erklärung.

Andere Experten sind der Meinung, dass noch viel mehr Forschung nötig sein wird, bevor synthetische menschliche Embryonen in Reichweite sind.

Renewal Bio, das von Hanna gegründete Unternehmen mit Sitz in Israel, möchte diese Wissenschaft für Organgewebetransplantationen nutzen, die Unfruchtbarkeit, genetische Krankheiten und Probleme im Zusammenhang mit dem Alter lösen könnten.

So berichtete die MIT Technology Review, dass Blutzellen aus dem Embryo möglicherweise zur Stärkung des Immunsystems verwendet werden könnten.

Omri Amirav-Drory, der amtierende CEO von Renewal Bio, erklärte gegenüber der MIT Technology Review, dass das Unternehmen nicht zu viel versprechen oder die Menschen mit der potenziellen Technologie verängstigen wolle, aber dass Hannas Experiment »erstaunlich« sei.

Die Verwendung von Klonen menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken hat in der wissenschaftlichen Gemeinschaft häufig ethische Bedenken aufgeworfen, einschließlich der Möglichkeit, dass synthetische Embryonen Schmerzen oder Empfindungen empfinden könnten, so ein 2017 in der Zeitschrift eLife veröffentlichter Artikel.

Hanna sagte der MIT Technology Review, dass er diese ethischen Bedenken möglicherweise umgehen könnte, indem er synthetische menschliche Embryonen ohne »Lunge, Herz oder Gehirn« erzeugt.

Sven von Storch

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