Von Peter Backfisch

Über die Neuordnung der Welt

Die aktuelle Ausgabe des Cato-Magazin 3-26 muss als besonders gelungen bezeichnet werden. In 19 Artikeln, Essays, Portraits, Interviews und Reiseberichten schreiben 17 Autoren geistreich und überaus interessant zu Politik und Zeitgeschichte und beleuchten diese aus Sicht der Philosophie, Geschichte und Religion. Dabei wird das Geschehen auf hohem intellektuellem Niveau beleuchtet.

Bild: CATO Magazin, Cover
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Im nächsten Jahr wird die Zeitschrift ihr zehnjähriges Jubiläum begehen und man muss ihr eine großartige journalistische Entwicklung bescheinigen. Waren zu Anfang die ersten Hefte noch sehr stark auf ideologisch neurechten Fragestellungen eingegrenzt, schreiben heute zahlreiche Autoren professionell mit unterschiedlichsten Auflassungen zu Themen, die das ganze Land bewegen. Eine klare Stärkung der Meinungsfreiheit! Cato hat sich zu einem unverzichtbaren Medium für eine Leserschaft des Bildungsbürgertums, das an offener Debatte ohne Denkverbote interessiert ist, entwickelt.

Auf alle 19 Beiträge kann in einer Rezension nicht vollumfänglich eingegangen werden, deshalb beschränkt sich der Autor auf eine Auswahl.

Ein Interview mit dem britischen Politiker Sir Jacob William Rees-Mogg, geführt von Jan Bentz, eröffnet den Reigen. Der erzkatholische konservative Politiker berichtet über die gesellschaftliche Rolle der britischen Monarchie, über die Zeit des Brexits und seine Zeit als verantwortlicher Staatssekretär für den Brexit. Ihm oblag die Identifizierung und Nutzung regulatorischer Freiheiten, die sich aufgrund des Austritts Großbritanniens aus der EU ergaben. Für ihn war der Schritt unumgänglich, weil sich die EU zu einem „gottlosen Gebilde“ entwickelt hatte. Er ist davon überzeugt, dass des Vereinigte Königreich im Kern christlich ist und es auch bleiben wird.

Die Münchner Sicherheitskonferenz 2026 wird gleich in zwei Beiträgen behandelt. Für den Osteuropa-Historiker Alexander Rahr muss sie zukünftig einer geopolitischen Ordnung verpflichtet sein. Dabei ist Selbstprüfung angesagt, was im Besonderen für Deutschland gilt. Er fordert von Europa mit Russland in eine „stabile Koexistenz zu treten“. Im zweiten Essay bewertet der katholische Publizist und Rom-Korrespondent, Armin Schwibach, die Rede des US-Außenministers Marco Rubio, die dieser auf der Konferenz gehalten hat. Für Schwibach keine Rede nur mit außenpolitischer Rhetorik, vielmehr ein Weckruf für das kollektive Gedächtnis der gemeinsamen Geschichte der USA und Europa. Rubio betont, dass Amerika und Europa „durch eine gemeinsame Geschichte, durch eine gemeinsame Kultur und durch einen gemeinsamen Glauben verbunden“ sei. Die Rede zeugt von großer historischer Bedeutung, weil sie klarstellt, dass nicht Rivalität, sondern die gemeinsamen Werte der bestimmende Faktor unsrer Politik sein müssen.

Der deutsch-israelische Schriftsteller Chaim Noll fragt sich wie es soweit hat kommen können, dass ein mörderisches Regime islamischer Fanatiker jahrzehntelang ungestört Raketen hat bauen und abschießen hat können. Auch niemals bereit war über ihr im geheimen betriebenen Atomprogramm Auskunft zu geben. Zu allem hat es im Westen nie wirkungsvollen Widerstand gegeben. Für ihn beendet der Krieg fürs Erste die bisherige europäische Politik der Kollaboration mit dem Terrorregime in Teheran, um des wirtschaftlichen Vorteils willen. Für Noll ein Zivilisationsbruch.

Im Beitrag von Thortsen Hinz,“ Im Schatten der Priesterherrschaft“ werden Verknüpfungen der machtpolitischen Eliten in den Medien, den Universitäten und im Kulturbetrieb aufgezeigt. Entscheidungen und Narrative werden dort festgelegt, eine In-Fragestellung hat für die Betroffenen wirkungsvolle Konsequenzen im privaten und beruflichen Umfeld.

Klaus-Rüdiger Mai schreibt über Parteiverbote, die Missachtung des Grundgesetzes und was dies alles für die Betreiber unter veränderten Umständen einmal selbst bedeuten kann. Er sieht im Übrigen in den vielfältigen Behinderungen der AFD bereits ein „AFD-Verbot light“ in Kraft gesetzt.

In der Kolumne, „Brief aus Oxford“ geht Jan Bentz ein weiteres Mal auf den Zustand der britischen Krone und den skandalumwitterten Prinzen ein. Er zieht den Schluss, dass dessen Verhalten keine Wirkung auf die Monarchie haben wird. „Prinz Andrew ist nicht Thronfolger, er war es nie. Verfassungsrechtlich ist sein Fall irrelevant.

Norbert Bolz widerspricht Nitzsche, „Gott ist nicht tot“ und sieht an drei Problemen die Aufklärung für gescheitert, in der Sexualität (freudsche Ersatzreligion), der Aggressivität (mangelnde Selbstbehauptung) und Religiosität (mangelnde Sinnstiftung). 

Weitere lesenswerte Beiträge zum Krieg im Iran und am Golf, zur wirtschaftlichen und politischen Situation in Kuba sind im Heft zu finden. Interessant auch Tagebuchaufzeichnungen von Carl Schmitt vom Mai 1945.

Sven von Storch

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