Die Wiederentdeckung des Heiligen:

Warum Kardinal Sarahs neues Buch die Krise der Kirchenmusik entlarvt

Edward Pentin berichtet über ein neues Buch von Kardinal Robert Sarah und Peter Carter, das die Bedeutung wahrer Kirchenmusik betont. Es ist ein Weckruf für eine Kirche, die sich zu oft mit mittelmäßigen Klängen zufriedengibt.

Bild: Kard. Sarah mit Buchcover


Die katholische Kirchenmusik hat eine objektive Größe – und ein Ziel, das heute allzu oft vergessen wird: Sie soll die Seele zu Gott führen. Das betont Peter Carter, Co-Autor des neuen Buchs „Song of the Lamb — Sacred Music and the Heavenly Liturgy“, im Interview mit dem National Catholic Register, wie Edward Pentin berichtet. Carter und Kardinal Robert Sarah führen darin durch die lange Tradition heiliger Musik, von den Kirchenvätern bis zur Gegenwart. Und sie zeigen schonungslos auf, wie sehr die liturgische Musik vieler Gemeinden ins Banale und Weltliche abgeglitten ist.

Wenn der Himmel schweigt: Die Krise der sakralen Musik

Carter beschreibt ein Phänomen, das viele Katholiken kennen: „Warum klingt die Kirchenmusik so armselig?“ Die Antwort ist unbequem. Schlechte Musik entsteht selten aus Absicht, sondern aus einem verfehlten Verständnis des Gottesdienstes. Allzu oft wird versucht, „Gemeinschaft zu schaffen“, „Atmosphäre aufzubauen“ oder „alle einzubeziehen“. Doch der Sinn der Liturgie ist, wie Pius X. lehrt, die „Verherrlichung Gottes“ – erst danach folgt die Heiligung der Gläubigen.

Genau hier liegt der Bruch. Die Kirche hat sich über Jahrzehnte daran gewöhnt, die Messe als ein horizontales Gemeinschaftsereignis zu inszenieren. Gitarrenromantik und seichte Hymnen übertönen die Wahrheit: Die Liturgie ist die Teilnahme am himmlischen Gottesdienst, umgeben von Engeln und Heiligen. Und Musik, die nicht zum Himmel führt, führt von Gott weg.

Tradition ist kein Museumsstück – sie ist lebendig

Kardinal Sarah erinnert daran, dass das Zweite Vatikanische Konzil ausdrücklich festlegte, der Gregorianische Choral solle im Gottesdienst den „Vorrang“ behalten. Das ist heute kaum wiederzuerkennen. Carter betont, dass Gregorianik und Polyphonie keine nostalgischen Dekorationen sind, sondern organischer Ausdruck des katholischen Gottesdienstes – Musik, die im Schoß der Kirche entstanden ist.

Er warnt davor, Liturgie an subjektive Vorlieben anzupassen: „Die Kirche richtet sich nicht nach persönlichem Geschmack.“ Wer sich beim Gitarrenlied „spirituell“ fühlt, kann das außerhalb der Messe gerne tun. Doch im Gottesdienst gilt, was objektiv gut, wahr und schön ist. Wahre sakrale Musik erhebt, reinigt und macht empfänglich für das Heilige.

Die Liturgie ist keine Show; sie ist ein Opfer. Und Opfer verlangen Erhabenheit, nicht Unterhaltung.

Der Weg zurück: Schönheit als Rettung

Wie also kehrt die Kirche zu jener musikalischen Exzellenz zurück, die Gläubige weltweit erwarten? Carter ist klar: Indem man die Augen wieder auf Christus richtet. Die Heiligen haben die Liturgie erneuert, weil sie selbst zuerst erneuert wurden. Schönheit in der Kirche entsteht aus Heiligkeit – und aus der Rückkehr zur Tradition, die nicht „alt“, sondern zeitlos ist.

Für Carter und Kardinal Sarah ist die Botschaft eindeutig: Die Kirche hat den größten Schatz geistlicher Musik der Menschheit. Es liegt an uns, ihn wieder zu öffnen. Solange Gemeinden ihr Heil in Banalität und Kitsch suchen, werden sie das Volk Gottes verdummen statt heiligen. Doch dort, wo die Musik wieder nach Himmel klingt, beginnt wahre Erneuerung.

Wer Gott groß macht, singt nicht klein.

Sven von Storch

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Kommentare

Else Schrammen

08.12.2025 | 14:48

Oh ja, eine "moderne" Liturgie, daran kann ich mich och schwach bei meinen früheren Kirchenbesuchen erinnern. „Gemeinschaft zu schaffen“, „Atmosphäre aufzubauen“ und dazu das so beliebte Gitarrenspiel mit Schlagzeugbegleitung statt der langweiligen Orgelmusik. Der Höhepunkt war dann das gesungene Vaterunser mit allen möglichen tänzerischen Verrenkungen des werten Publikums (und beim Wort "Himmel" hieß es: Alle Händchen fliegen hoch!). Fehlte nur noch das frenetische Klatschen nach der Predigt und "Standing Ovations" nach dem Schlusssegen. Ob es heute noch so ist oder schlimmer, ich weiß es nicht und werde es auch nicht ausprobieren!

Die Kritik ist richtig. Abwärts ging es seit der Liturgiereform 1969, als auch die Messe verweltlicht und der Ökumene angepasst wurde. Ja, die Heiligkeit ging verloren. PP Benedikt XVI mahnte deshalb auch eine Entweltlichung der Kirche an. In der Hl. Messe im tridentinischen Ritus (auf Latein und dem Leib Christi im Tabernakel zugewandt) wird das Verweltlichungsproblem auch musikalisch verhindert. Im Novus Ordo und der jetzigen verweltlichten ökumenischen Kirche kann es nur schlimmer werden. Und es werden - wie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil - noch mehr Gläubige vergrault.

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