Der Vatikan hat auf die Ankündigung der Priesterbruderschaft St. Pius X. (SSPX) reagiert, am 1. Juli neue Bischöfe weihen zu wollen – notfalls ohne päpstliches Mandat. Ein Sprecher des Heiligen Stuhls stellte klar, dass die „Kontakte zwischen der Bruderschaft und dem Heiligen Stuhl andauern“ und darauf zielen, „Risse oder einseitige Lösungen zu vermeiden“. Damit wird ein Ton gesetzt, der nicht nach Eskalation, sondern nach Verhinderung eines Bruchs klingt.
Die SSPX befindet sich seit Jahrzehnten in einem kirchenrechtlich „irregulären“ Status, den Rom wiederholt als „unvollkommene Gemeinschaft“ beschrieben hat. Sie feiert ausschließlich die überlieferte Liturgie und hält an lehrmäßigen Vorbehalten gegenüber bestimmten Aussagen und Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils fest. Die nun angekündigten Weihen berühren daher nicht nur eine Disziplinarfrage, sondern das Verhältnis von Autorität, Tradition und Gehorsam.
Der französische Diözesanpriester Abbé Claude Barthe, selbst früher Mitglied der Bruderschaft und heute am Seminar des traditionsverbundenen Instituts Christus König und Hoherpriester tätig, mahnt zur Nüchternheit. Die öffentliche Aufregung sei verständlich, doch eigentlich sei der Vorgang eine Folge „der Wunde, die das letzte Konzil und die darauf folgende Liturgiereform in der Kirche geöffnet haben“. Sinnvoll wäre, so Barthe, ein „offener und friedlicher Austausch“ zwischen Rom und der Bruderschaft.
Damit ist der Kern benannt. Es geht nicht um Personalpolitik, sondern um die Frage, wie die Kirche mit einer inneren Spannung umgeht, die seit Jahrzehnten besteht: zwischen einer Hermeneutik der Kontinuität und der Erfahrung vieler Gläubiger, die in Lehre, Liturgie und Praxis einen Bruch wahrnehmen. Solange diese Spannung nicht ehrlich benannt und theologisch aufgearbeitet wird, bleiben disziplinäre Maßnahmen oder Gesten der Annäherung Stückwerk.
Dass der Vatikan jetzt den Dialog betont, ist daher mehr als eine diplomatische Floskel. Es ist das Eingeständnis, dass ein erneuter Akt ohne Mandat nicht nur kanonische Folgen hätte, sondern symbolisch eine Vertiefung der Spaltung bedeutete. Zugleich signalisiert es, dass Rom die Situation nicht als reine Ungehorsamsfrage liest, sondern als Symptom einer tieferen kirchlichen Krise.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob es gelingt, die geplanten Weihen in einen Prozess einzubetten, der nicht auf Konfrontation hinausläuft. Entscheidend wird sein, ob beide Seiten den Mut haben, die eigentlichen Streitpunkte offen zu benennen: das Verständnis von Tradition, die Bewertung des Konzils und die Rolle der Liturgie für die Identität der Kirche.
Denn wenn hier ein Bruch geschieht, dann nicht nur zwischen Rom und einer Bruderschaft, sondern im Bewusstsein vieler Gläubiger, die seit langem den Eindruck haben, dass über diese Fragen zu wenig gesprochen wird.


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... „Die SSPX befindet sich…
... „Die SSPX befindet sich seit Jahrzehnten in einem kirchenrechtlich „irregulären“ Status, den Rom wiederholt als „unvollkommene Gemeinschaft“ beschrieben hat. Sie feiert ausschließlich die überlieferte Liturgie und hält an lehrmäßigen Vorbehalten gegenüber bestimmten Aussagen und Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils fest. Die nun angekündigten Weihen berühren daher nicht nur eine Disziplinarfrage, sondern das Verhältnis von Autorität, Tradition und Gehorsam.“ ...!
Wobei scheinbar wirklich „alle gewöhnlichen Mittel“ ausgeschöpft“ wurden!!!!!!! https://fsspx.news/de/news/weder-schismatiker-noch-exkommunizierte-10-51049
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