Jährliche Konferenz von Europa Aeterna

Platon und Europa – Eine geistige Bestandsaufnahme in Wien

Die Jahrestagung von Europa Aeterna versammelte unterschiedliche Denker, um das philosophische Fundament Europas neu zu vermessen – jenseits des politischen Mainstreams.

Bild: Europa Aeterna Konferenz


Warum Platon – und warum gerade jetzt? Diese Frage stand über der Wiener Jahrestagung von Europa Aeterna am 27. und 28. Februar 2026. In einer Zeit politischer Unsicherheit, kultureller Erosion und institutioneller Ermüdung kehrte die Konferenz bewusst an die geistigen Ursprünge Europas zurück. Platon wurde nicht antiquarisch behandelt, sondern als lebendiger Gesprächspartner.

Platon als Ahnherr Europas

Platon ist nicht nur ein Name im philosophischen Kanon. Er ist ein kultureller Ahnherr Europas. Seine Trias des Wahren, Schönen und Guten bildet das geistige Koordinatensystem einer Zivilisation, die heute oft nicht mehr weiß, wovon sie lebt. Seine Rede vom „gekreuzigten Gerechten“ im Staat wurde ebenso thematisiert wie seine Idee der Polis – nicht als starres Modell, sondern als Denkfigur politischer Ordnung.

Die Tagung zeigte, wie unterschiedlich man Platon lesen kann – und doch im selben geistigen Raum bleibt. Josef Seifert führte mit dem Höhlengleichnis in die metaphysische Höhe platonischen Denkens. Michael Wladika legte die inneren Prinzipien dieser Denkbewegung frei. Thomas Stark arbeitete heraus, dass das Politische bei Platon nicht bloße Machttechnik ist, sondern in der Seelenordnung gründet.

Andere Sprecher öffneten weitere Perspektiven: Christian Machek zeigte, wie Leo Strauss und Erik Voegelin Platon im 20. Jahrhundert gegen totalitäre Versuchungen neu entdeckten. Felix Dirsch schlug den Bogen in die Gegenwart und fragte nach Wahrheit und Wirklichkeit in Zeiten von Relativismus und digitaler Meinungsblasenbildung. David Engels brachte den langen historischen Atem ein, indem er Platon in die Frage nach der zyklischen Krise von Zivilisationen einordnete.

Verschiedene Temperamente, ein gemeinsamer Horizont

Die Konferenz war kein monolithischer Block, sondern ein Gespräch zwischen unterschiedlichen Temperamenten und Denkstilen. Der eine argumentierte streng metaphysisch, der andere historisch-analytisch, ein dritter kulturkritisch oder politisch-strategisch. Es ging um Nomoi und Republik, um Episteme und Doxa, um Polis, Imperium und Staatenbund.

Und doch entstand aus diesen Verschiedenheiten eine Ganzheit. Niemand wollte Platon instrumentalisieren, um aktuelle Parteipolitik zu betreiben. Vielmehr ging es darum, die geistigen Grundlagen Europas freizulegen – jenseits kurzfristiger Empörung oder ideologischer Schlagworte.

Europa zwischen Idee und Realität

Ein zentrales Spannungsfeld war die Frage nach dem heutigen Europa. Ist die Europäische Union noch Ausdruck einer kulturellen Idee oder nur noch Verwaltungsapparat? Hat sie das Subsidiaritätsprinzip bewahrt oder in technokratischer Planung aufgelöst? Was bleibt von den christlichen Gründungsvätern, wenn der religiöse Horizont verblasst?

Hier traten unterschiedliche Zukunftsbilder zutage: Engels’ Überlegungen zu einem „Hesperialismus“, Gedanken an ein christlich geprägtes Imperium, republikanische Konzepte eines föderalen Europa. Die Differenzen waren deutlich, aber sie bewegten sich auf einem gemeinsamen Fundament: Europa ist mehr als ein Binnenmarkt. Es ist eine geistige Gestalt.

Gerade in dieser Spannung wurde die Tagung fruchtbar. Platon diente nicht als Denkmal, sondern als Prüfstein. Seine Unterscheidung zwischen begründetem Wissen und bloßer Meinung erwies sich als hochaktuell. Seine Skepsis gegenüber entarteter Demokratie klang überraschend vertraut. Seine Suche nach der gerechten Ordnung blieb Maßstab.

Europa braucht geistige Sammlung

Europa Aeterna versteht sich als Akademie für politische Philosophie. In Wien wurde sichtbar, was das heißen kann: keine nostalgische Rückwärtsgewandtheit, sondern eine Rückkehr zu den Quellen, um von dort aus neu zu beginnen.

Die berühmten drei Hügel Europas – Golgatha, Akropolis, Kapitol – standen sinnbildlich im Raum. Jerusalem, Athen und Rom bilden keinen musealen Dreiklang, sondern eine bleibende Herausforderung. Wenn Europa seine Zukunft gestalten will, muss es wissen, woraus es entstanden ist.

Für 2027 ist die Katholische Soziallehre angekündigt. Das ist kein Zufall, sondern eine konsequente Fortsetzung: Nach der philosophischen Grundlegung folgt die sozialethische Konkretisierung.

Die Wiener Konferenz hat gezeigt: Trotz aller Divergenzen gibt es in Europa noch eine geistige Gemeinschaft derer, die das Wahre, Gute und Schöne nicht als Relikt betrachten, sondern als Aufgabe. Aus der Vielfalt der Stimmen entstand kein Lärm, sondern ein Gespräch. Und vielleicht ist genau das der erste Schritt zu einem erneuerten Europa.

 

Sven von Storch

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Kommentare

Ekkehardt Fritz Beyer

03.03.2026 | 06:33

... „Europa Aeterna versteht sich als Akademie für politische Philosophie. In Wien wurde sichtbar, was das heißen kann: keine nostalgische Rückwärtsgewandtheit, sondern eine Rückkehr zu den Quellen, um von dort aus neu zu beginnen.“ ...

Ja mei: „Dass „Platons politisches Hauptwerk, die Politeia (Der Staat), unbestreitbar antidemokratische, elitäre und totalitäre Züge aufweist, greift die direkte Gleichsetzung mit modernem Rechtsextremismus zu kurz. Es ist treffender, Platon als antiliberalen, radikal aristokratischen Denker zu beschreiben, dessen Ideen jedoch totalitäre Ansätze enthalten.“ ... https://www.google.com/search?q=platon+w%C3%A4re+heute+ein+re+chtsextremer&sca_esv=507a868014978926&source=hp&ei=Av2lafLFCO-qi-gPj-OF4A8&iflsig=AFdpzrgAAAAAaaYLErdspWkO9w2jTSBdnsZBzdXpt4jM&ved=0ahUKE…

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Weil er weiß, dass das von der Lokomotive gezogene Europa eh der Verlierer ist? https://rtde.team/der-nahe-osten/271752-europa-als-verlierer-was-erwartet/

So stellt sich selbst einem wie mir die Frage - „Aufrüstung, AfD: Rettet Merz Deutschland“??????? https://www.youtube.com/watch?v=8A8yOoFC9kI

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