In Bethanien sitzt Christus unter Freunden. Lazarus lebt – ein stilles Zeichen, dass der Tod nicht das letzte Wort haben wird. Martha dient. Und Maria kniet. Sie zerbricht das Gefäß, gießt kostbares Öl über die Füße des Herrn. Ein Akt, der mehr ist als Zärtlichkeit: Es ist Vorbereitung auf den Tod.
Während die Welt noch isst und spricht, ahnt sie bereits, was kommt.
Der Duft der Hingabe
Dieses Öl, das den Raum erfüllt, ist kein Zufall. Es ist Verschwendung – zumindest aus der Sicht jener, die nur rechnen können. Judas denkt in Münzen, Maria denkt in Liebe.
Hier beginnt Ostern. Nicht im Triumph, sondern in der Hingabe. Nicht im Lärm, sondern im stillen, entschlossenen "Ja".
Christus selbst steht bereits im Innersten seiner Sendung. Er weiß, was ihn erwartet. "Meine Seele ist erschüttert", sagt er. Und doch weicht er nicht zurück. Kein Ausweichen, kein Kompromiss. Nur dieses eine Wort: "Vater, verherrliche deinen Namen."
Das ist die eigentliche Bewegung des Kreuzes: nicht Zwang, sondern freie Hingabe.
Das Geheimnis des fallenden Samens
"Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein."
Hier spricht Christus nicht nur von sich selbst. Er spricht von uns.
Alles in uns sträubt sich gegen diesen Weg. Wir wollen behalten, sichern, kontrollieren. Wir klammern uns an das, was wir "Leben" nennen – und verlieren es gerade dadurch.
Doch Christus dreht die Ordnung um. Leben entsteht dort, wo etwas stirbt. Frucht wächst dort, wo etwas hingegeben wird.
Das Kreuz ist kein Unfall der Geschichte. Es ist das Gesetz des Lebens selbst.
Wer sich festhält, verarmt. Wer sich schenkt, wird reich.
Die Blindheit der Welt
Und doch bleibt die Welt blind.
Lazarus steht lebendig vor ihnen – und sie beschließen, ihn zu töten. Das Wunder selbst wird zum Anlass der Verhärtung. Die Wahrheit provoziert Hass.
Das ist vielleicht das erschreckendste Moment dieser Tage: Nicht Unwissenheit führt zur Ablehnung Christi, sondern Verweigerung. Man sieht – und will nicht sehen.
Diese Blindheit ist nicht vergangen. Sie lebt fort, wo der Mensch sich selbst genügt, wo er das Licht meidet, weil es ihn entlarvt.
"Geht, solange ihr das Licht habt", sagt Christus. Es ist keine Drohung. Es ist ein letzter Ruf.
Ostern als Entscheidung
Ostern ist kein sentimentales Fest. Es ist eine Entscheidung.
Der Weg führt durch das Kreuz – daran führt kein Weg vorbei. Wer Christus folgen will, muss diesen Weg gehen: den Weg der Hingabe, des Vertrauens, der Entäußerung.
Doch gerade darin liegt die Verheißung. "Wenn ich erhöht werde, werde ich alle an mich ziehen."
Das Kreuz ist nicht das Ende. Es ist der Anfang.
Dort, wo alles verloren scheint, beginnt die eigentliche Verwandlung. Dort, wo der Mensch nichts mehr festhalten kann, wird ihm alles geschenkt.
Darum ist Ostern kein bloßes Erinnern. Es ist ein Ruf. Ein Ruf, das eigene Leben nicht länger krampfhaft zu sichern, sondern es Gott hinzugeben.
Wer sich weigert, bleibt im Grab seiner selbst. Wer sich hingibt, wird mit Christus auferstehen.


Kommentare
Einjeder trage sein Kreuz .......ganz ohne Hase !
Zitat: Das ist vielleicht das erschreckendste Moment dieser Tage: Nicht Unwissenheit führt zur Ablehnung Christi, sondern Verweigerung. Man sieht – und will nicht sehen!
Nicht nur dieser Tage ,sondern seit Christi Geburt ,denn wir kämpfen nicht gegen Fleisch und Blut ,sondern gegen die Mächte der Finsternis ,der Gewalten des Himmels ,was darauf hindeutet ,dass gefallene Engel hier auf Erden uns manipulieren und benutzen . Schon im Buch Henoch wird erzählt ,wie wir durch solche angeleitet und verführt wurden .Unsere Mächtigen sind des Geistes manipuliert ,vielleicht beraubt ,verführt wegen Macht -Ansehen -und Reichtum ,der ihrer Arroganz ,aber gerade auch Lieblosigkeit und Dummheit zur Gerechtigkeit wird.Sie können es nicht begreifen ,da ein hartes Herz zur Begriffstutzigkeit führt. Eine Umkehr kommt nicht durch Vernunft ,welche verloren ging ,sondern durch Gottes Geist ,der noch einmal ausgeschüttet wird . Somit sind Zukunft und Vergangeheit aufgeschrieben und das Los der Menschheit, in der Krönung des Sohnes vorbestimmt .Das menschliche Bewusstsein muss sich bilden ,wer sich an Gier und Materiellem bindet ist verloren ,und wenn sie erkennen ,wird Zorn und Zähneklappern sein ,wegen ihrer Dummheit und Ablehnung ! Auferstehung ist nicht nur eine Momententscheidung ,sondern ein Weg mit Christus und die Annahme seines neuen Bundes !
Schöne Ostern im Herzen der Auserstehung !
Vergangenes Wochenende hab…
Vergangenes Wochenende hab ich die Passionsspiele besucht und bin noch völlig erfüllt von diesem Geschehen und den Eindrücken. Ihr Artikel hat mich sehr gefreut. Die Hinwendung zu Christus und seiner mächtigen, verändernden Kraft wäre aus meiner Sicht die Lösung aller!!! Probleme dieser Welt und der Menschen. Es lockten paradiesische Zustände. Ich wünsche Ihnen Frieden, Schutz und gesegnetes Auferstehungsfest.
Kleine Korrektur.
"Lazarus steht lebendig vor ihnen - und sie beschließen, ihn zu töten."
Liebe Redaktion. Richtig sollte es wohl heißen: Jesus steht lebendig vor ihnen - und sie beschließen, ihn zu töten.
Lazarus wollte niemand töten ! 😉
So wie ich die Geschichte…
So wie ich die Geschichte verstanden habe, gab es großen Zulauf aufgrund der Auferweckung des Lazarus und die Kirchenoberen wollten beide töten.
@DNA
“So wie ich die Geschichte verstanden habe, gab es großen Zulauf aufgrund der Auferweckung des Lazarus…“
Stimmt !
“…und die Kirchenoberen wollten beide töten.“
Wäre mir jetzt neu (Bibelstelle ??).
Ist aber definitiv nicht Inhalt der “Ostergeschichte“ !
Auch die beiden, die mit Jesus gekreuzigt wurden, waren zwei Verbrecher.
Der eine hat Jesus noch am Kreuz verspottet, während der andere ihn zurechtweist und sich am Kreuz zu Jesus zuwendet und ihm um Gnade in seinem Reich dann bittet:
Lukas 23; 33, 39-43:
33 Und als sie an den Ort kamen, der Schädel⟨stätte⟩ genannt wird, kreuzigten sie dort ihn und die Übeltäter, den einen zur Rechten, den anderen zur Linken.
39 Einer der gehenkten Übeltäter aber lästerte ihn: Bist du nicht der Christus? Rette dich selbst und uns!
40 Der andere aber antwortete und wies ihn zurecht und sprach: Auch du fürchtest Gott nicht, da du in demselben Gericht bist?
41 Und wir zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind; dieser aber hat nichts Unstatthaftes getan.
42 Und er sprach: Jesus, gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst!
43 Und er sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.
Lazarus war kein Übeltäter im Sinne des Textes !
Ich denke, die Redaktion hat hier im Text Lazarus einfach mit Jesus verwechselt, oder/bzw. sich verschrieben !?
Auch Lazarus war im Fadenkreuz der Pharisäer
Laut Johannes 12,10 +11 glaubten aufgrund des Wunders viele Juden an Jesus. Lazarus war der lebendige Beweis. Deshalb sollte auch er umgebracht werden.
Lazarus vs. Jesus
OK. Naja gut. Ha !
Diese biblische Aussage habe ich tatsächlich etwas vergessen.
Na gut, aber WURDE der Lazarus denn auch getötet ?
Erst mal nicht !
Kann sein, dass er dann im Verlauf der Apostelgeschichte dann auch mal irgendwann getötet wurde - so wie all die 12 Apostel (und etliche andere) auch !?!
Aber ab Jesus Kreuzigung und Auferstehung spielte der Lazarus keine heilsgeschichtliche Relevanz mehr in der Schrift (soweit ich glaube zu wissen).
Diesen Satz von der Redaktion oben „Lazarus steht lebendig vor ihnen - und sie beschließen, ihn zu töten“ assoziierte ich daher eher eben mit Jesus, und nicht mit Lazarus.
In der “Ostergeschichte“ (!) bei seiner Gefangennahme in Matthäus 26; 47-56 u. Parallelstellen in den anderen Evangelien, befindet sich Jesus ja eben auch genau in DIESER von der Redaktion oben beschriebenen Situation !
Und ER (Jesus) WURDE dann auch gleich ein paar Stunden später getötet !
Und dann hatten die Pharisäer mit der Bekämpfung des Glaubens an den auferstandenen Jesus schon allgemein jenuch “zu tun“…
... „Doch Christus dreht die…
... „Doch Christus dreht die Ordnung um. Leben entsteht dort, wo etwas stirbt. Frucht wächst dort, wo etwas hingegeben wird.“ ...
Zum Beispiel im Leibe seiner Frau, wo durch sein Mittun auch seine Söhne entstanden!!!
https://www.focus.de/wissen/mensch/religion/sie-fanden-5-evangelium-forscher-sicher-jesus-war-verheiratet-und-hatte-zwei-soehne_id_4264587.html
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