Der Advent ist hier – und mit ihm ein geistlicher Raum, den unsere beschleunigte Kultur kaum noch versteht. Wie kath.net berichtet, rief Nuntius Nikola Eterović in seiner Predigt zum 1. Adventssonntag dazu auf, das Warten neu zu lernen: das Warten auf Christus, aber auch das Warten als innere Haltung, die überhaupt erst den Glauben ermöglicht. Sein Appell trifft eine Zeit, in der wir permanent abgelenkt werden, in der Weihnachten bereits Anfang November „gefeiert“ wird und in der Geduld als Zumutung gilt.
Warten heißt: die Realität Gottes ernst nehmen
Der Advent erinnert daran, dass der Mensch nicht der Herr seiner eigenen Geschichte ist. Christus kommt – nicht, weil wir ihn „einplanen“, sondern weil Gott handelt. Genau dieses Bewusstsein prägt die Predigt des Nuntius: Das erste Kommen Christi in Bethlehem und das zweite Kommen in Herrlichkeit stehen in unauflöslicher Verbindung. Wer den Advent lebt, richtet sein Leben auf diese Wahrheit aus. Warten bedeutet nicht Untätigkeit, sondern Wachsein – jenes geistliche Gespür, das erkennt, dass die Welt mehr ist als Konsum, Konflikt und Kalenderlogik.
Der Nuntius unterstreicht, dass das Warten des jüdischen Volkes und die geheimnisvolle Sehnsucht der heidnischen Weisen sich im Kommen Jesu erfüllen. Diese Erwartung – tief im Herzen jedes Menschen verankert – macht Advent zu einer universalen Zeit: Alle Menschen warten, bewusst oder unbewusst, auf die Wahrheit, die ihr Leben deutet.
Hoffnung ist keine Stimmung – sie ist eine Entscheidung
Eterović verbindet den Advent mit dem bevorstehenden Abschluss des Heiligen Jahres 2025. „Pilger der Hoffnung“ lautet dessen Leitwort – und Hoffnung ist genau das, was unsere Zeit verloren hat. Der Nuntius zitiert Papst Leo XIV., dessen Diagnose den Nerv trifft: eine Welt voller Brüche, voller Einsamkeit, technologischer Übermacht, Sinnverlust. Und doch: Gerade hier wird christliche Hoffnung zur Gegenkraft, zur inneren Erhebung über das Chaos.
Diese Hoffnung ist nicht Optimismus. Sie ist die Frucht des Ostergeheimnisses. Die „Via Crucis“ wird zur „Via Lucis“, weil der Auferstandene die Dunkelheit bereits durchschritten hat. Wer hofft, handelt nicht naiv – er handelt realistisch, denn er rechnet mit Gott.
Advent heißt: die Welt im Licht Christi neu sehen
Was bedeutet das konkret? Es bedeutet, die Welt nicht nach Schlagzeilen, Stimmungen oder politischen Turbulenzen zu beurteilen, sondern nach der Wahrheit des Evangeliums. Der Nuntius ruft auf, „Propheten des Friedens“ zu werden – nicht durch bloße Appelle, sondern durch eine Lebenshaltung, die aus Gebet und innerer Sammlung hervorgeht.
Denn wer wirklich wartet, öffnet sein Herz. Und wer hofft, verändert sein Umfeld. Advent ist deshalb kein sentimentales Vorspiel zur „Weihnachtszeit“, sondern ein geistlicher Kampf gegen die Oberflächlichkeit, die unsere Gesellschaft beherrscht.
Maria, „Unsere Liebe Frau der Erwartung“, ist das Vorbild dieses Kampfes. Sie wartete nicht passiv, sondern im Vertrauen – und durch ihr Warten kam Christus in die Welt.
Unsere Zeit braucht genau das: Menschen, die warten können, weil sie glauben. Menschen, die hoffen können, weil sie Christus kennen. Der Advent ist die Schule dieser Tugenden. Lernen wir sie neu.


Comments
Ich ärgere mich jedes Jahr,…
Ich ärgere mich jedes Jahr, wenn bereits im November - dem Monat des Gedenkens an die Verstorbenen - im großen Stil bereits Adventsbeleuchtungen auftauchen und sog. Weihnachtsmärkte beginnen; wenn noch nicht einmal Advent ist. Alles hat seine Zeit; jede individuelle Vorverlegung ist ärgerlich und zudem lächerlich. Das gilt auch für die immer mehr überhandnehmende Unsitte, bereits vor Weihnachten, Weihnachtsbäume aufzustellen.
... „Warten heißt: die…
... „Warten heißt: die Realität Gottes ernst nehmen“ ...
Weil die Christen die Zeit ganz einfach zu überbrücken haben, bis ihr Chef aus seinem Rausch vom selbst selbstgemachten Wein, für welchen er noch nicht einmal dem Klingbeil Steuern abführte https://de.wikipedia.org/wiki/Hochzeit_zu_Kana, wieder erwacht???
Kirche im Advent: Warum wir…
Kirche im Advent: Warum wir wieder lernen müssen zu warten
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Sorry bei meinem Kirchenaustritt - aus Glaubensgründen - musste ich ca. eine volle Stunde warten !
...und ich schließe mich der validen Einschätzung von Bischof Bätzing ausdrücklich an :
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https://www.domradio.de/artikel/sie-wird-nicht-wieder-kommen-bischof-baetzing-sieht-ende-der-volkskirche
Bischof Bätzing sieht Ende der Volkskirche
+++ "Sie wird nicht wieder kommen" +++
Es war einmal die Volkskirche? Was sich nach dem Anfang einer Erzählung anhört, ist für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, schon Realität. Die Volkskirche gehört seiner Meinung nach der Vergangenheit an.
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Ich kann als Christ nur jedem & jeder Gleichgesinnten raten, die vergammelte Volkskirchen-Vergangenheit hinter sich zu lassen ... und nicht länger mit dem Austritt zu warten : "Sie wird nicht wieder kommen ... und Jesus Christus wird auch ganz sicherlich nicht hierauf warten !"
Gott zum Gruße !
MP
Seit wann kann man…
Seit wann kann man Christentum erlernen ?
Man kann es hören und erfahren ,aber wer es nicht wahrlich erfährt ,hat mit Christus wenig zu tun ! Wer daraus eine Lehre macht irrt und kommt einer Leere im Herzen gleich ,auch wenn er meint im Hirn verstanden zun haben ,braucht es dennoch Gottes Geist und die Gewissheit im Herzen !
Das unterscheidet Christen ,von anderen christlichen ,welche einem kult hinterherlaufen ,ab und zu mal in die Kirche gehen ,aber Gottes Wort nicht verstanden haben .
Wer dies versteht und sich eingestehen muss Jesus nicht im Herzen zu haben ,sollte ernstlich beginnen zu suchen ,inder Bibeel lesen und Gott in Demut bitten !
Gerade diese weihnachtliche Zeit ist eine gute Gelegenheit !
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