Die Passion Christi als Antwort auf eine Kultur, die das Leiden auslöschen will

Karfreitag: Das Kreuz steht – und richtet unsere leidensflüchtige Welt

Karfreitag zwingt zur Entscheidung. Vor uns steht das Kreuz – nackt, unerbittlich, unausweichlich. Kein Trostbild, kein sentimentales Symbol, sondern die radikale Wahrheit über Gott und den Menschen. Hier stirbt Christus, verlassen, verspottet, durchbohrt. Und genau hier wird offenbar, was unsere Zeit am meisten fürchtet: dass Erlösung durch das Leiden kommt.

Bild: Outlook India


Wir leben in einer Welt, die Schmerz um jeden Preis vermeiden will. Leiden gilt als Skandal, als Fehler im System, der beseitigt werden muss. Man spricht von "Selbstbestimmung", wenn es um den Tod geht, und nennt Abtreibung Fortschritt. Alles, was schwer ist, soll verschwinden. Doch das Kreuz widerspricht dieser Logik mit unerbittlicher Klarheit.

Das Kreuz als Offenbarung der Wahrheit

Am Kreuz wird der Mensch sichtbar – und Gott.

Der Mensch zeigt sich in seiner ganzen Brutalität: Verrat, Feigheit, Gleichgültigkeit. Die Menge schreit, die Jünger fliehen, Pilatus wäscht seine Hände. Niemand will Verantwortung übernehmen.

Und Gott? Er bleibt. Er steigt nicht herab. Er zerstört seine Feinde nicht. Er hält aus.

Papst Benedikt XVI beschreibt den Karfreitag als Tag der Buße und des Gebets, als Teilnahme an der Passion des Herrn. Es ist nicht nur Erinnerung, sondern Gegenwart. Wir stehen nicht vor einem historischen Ereignis. Wir stehen im Geheimnis unseres eigenen Lebens.

"Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben." Dieses Wort richtet sich an uns. Nicht als Anklage von außen, sondern als Einladung zur Wahrheit.

Denn das Kreuz zeigt nicht nur, was der Mensch tut. Es zeigt, was Gott tut: Er liebt bis zum Äußersten.

Die Lüge der Leidensvermeidung

Unsere Zeit flieht vor diesem Geheimnis.

Leiden wird entweder verdrängt oder künstlich beendet. Der Gedanke, dass Schmerz Sinn haben könnte, ist unerträglich geworden. Man spricht von "Lebensqualität", als wäre das Leben selbst nur noch ein messbarer Zustand.

Doch diese Flucht hat ihren Preis. Wer das Leiden aus dem Leben entfernt, entfernt auch die Tiefe. Ohne Kreuz gibt es keine Hingabe, keine Treue, keine wirkliche Liebe.

Das Evangelium spricht eine andere Sprache. Christus flieht nicht. Er sagt: "Für diese Stunde bin ich gekommen."

Das Kreuz ist kein Scheitern. Es ist Entscheidung.

Der heilige Johannes Chrysostomus nennt es das Zeichen der Hoffnung. Was einst Werkzeug der Hinrichtung war, wird zum Ort des Lebens.

Diese Umkehr ist der Kern des Karfreitags.

Das Kreuz im eigenen Leben

Karfreitag ist kein fremdes Geschehen. Jeder Mensch kennt sein Kreuz. Krankheit, Verlust, Einsamkeit, Scheitern – all das gehört zum Leben.

Die Frage ist nicht, ob wir leiden. Die Frage ist, wie wir leiden.

Wer das Kreuz annimmt, wird nicht gebrochen, sondern verwandelt. Nicht, weil das Leiden an sich gut wäre, sondern weil es in Christus aufgehoben wird.

"Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi?" fragt der Apostel. Die Antwort ist klar: nichts.

Gerade dort, wo alles dunkel scheint, beginnt das Licht.

Das Kreuz ist der Ort, an dem Gott uns am nächsten ist.

Heute schweigt die Kirche. Kein Gloria, keine festlichen Klänge. Nur das Holz des Kreuzes.

Und doch liegt gerade in dieser Stille eine Wahrheit, die unsere laute Welt nicht mehr kennt: Erlösung geschieht nicht durch Flucht, sondern durch Hingabe.

Wer das Kreuz ablehnt, wird an sich selbst verzweifeln. Wer es annimmt, wird leben.

Denn eine Welt, die das Leiden nicht mehr erträgt, verliert auch die Fähigkeit zur Liebe. Und ohne Liebe bleibt nur Leere.

Gebet: Herr Jesus Christus, gekreuzigter Erlöser, lehre uns das Geheimnis deines Kreuzes. Bewahre uns vor der Flucht und gib uns den Mut zur Hingabe. Vereine unsere Leiden mit deinem Opfer und führe uns durch die Dunkelheit zum Leben. Amen.

Sven von Storch

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Kommentare

Das Christentum hat sich selbst verraten! Eine Religion die aus dem Judentum hervorgegangen ist. Schauen wir uns doch mal so an, was die Israelis so treiben?

Ich, nehmen Sie es mir nicht übel, kann nichts Bewundernswertes erkennen.

Sozialismus und Religionen haben eins gemeinsam: Die verachtenswerte Inquisition. Wer nicht ins Schema passt, wird umgebracht.

Frohe Ostern!

Ekkehardt Fritz Beyer

06.04.2026 | 09:52

... „Und Gott? Er bleibt. Er steigt nicht herab. Er zerstört seine Feinde nicht. Er hält aus.“ ...

Weil die Gegner des Herrn(?) tatsächlich(?) um einen Waffenstillstand baten  https://www.trading-house.net/trump-iran-hat-um-waffenstillstand-gebeten/69048243 und US-Rechtsexperten längst mutmaßen: „Trumps "Nur zum Spaß"-Angriffe auf Iran könnten Kriegsverbrechen sein? https://rtde.team/nordamerika/275989-us-rechtsexperten-trumps-nur-zum/

Ist es da nicht schon eine sakrisch-obergrausliche(?) Unverschämtheit(?), dass Iran die scheinbar von Donald gewünschte Waffenruhe ablehnt??? https://www.stern.de/news/nach-trump-aussagen--iran-dementiert-bitte-um-waffenruhe-37276158.html

Ist es vielleicht sogar möglich, dass sein von ihm etwa längst ebenfalls als göttlich empfundener A. auf Basis dieses Dementis nun auf Grundeis geht???????  

https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/liveblog-iran-krieg-trump-verlaengert-ultimatum-und-droht-iran-nach-dienstag-mit-heftigen-angriffen-faz-200583539.html

 

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