Sarah nennt das Treffen eine "Enttäuschung", ein "schlechtes Zeichen für die Gläubigen", ja sogar einen "Kompromiss".

Kardinal Sarah warnt vor Macron-Treffen im Vatikan: "Euthanasie ist eine Geißel – kein Dialogpartner"

Ein afrikanischer Kirchenmann erhebt die Stimme gegen politische Kompromisse – und stellt die Frage nach der Wahrheit der Kirche.
 

Bild: Robert Kardinal Sarah, Vatican News Service


Wenn ein Kardinal öffentlich von „Fehler“ spricht, ist die Lage ernst. Kardinal Robert Sarah hat die geplante Begegnung zwischen Emmanuel Macron und kirchlichen Vertretern im Vatikan scharf kritisiert – und dabei eine Klarheit an den Tag gelegt, die man heute selten hört.

Seine Botschaft ist eindeutig: Mit einer Ideologie, die den Tod organisiert, kann man nicht höflich verhandeln.

Die Grenze des Dialogs

Sarah nennt das Treffen eine „Enttäuschung“, ein „schlechtes Zeichen für die Gläubigen“, ja sogar einen „Kompromiss“. Das ist bemerkenswert, denn die Sprache innerhalb der Kirche ist meist vorsichtig, diplomatisch, abwägend.

Hier aber wird die Grenze gezogen.

Der Kardinal spricht von der Euthanasie als „Geißel unserer Zeit“. Und er widerspricht damit frontal einer politischen Kultur, die den assistierten Suizid als Akt der Freiheit darstellt.

Für Sarah ist das keine offene Frage. Es ist ein moralischer Abgrund.

Wer diesen Abgrund relativiert, verliert die Orientierung.

„Falsche Barmherzigkeit“ als Ideologie

Besonders scharf ist seine Analyse der Argumentation, mit der Euthanasie verteidigt wird.

Er spricht von einer „falschen Barmherzigkeit“, die in Wahrheit ein „heuchlerischer Todestrieb“ sei. Das ist keine rhetorische Zuspitzung. Es ist eine Diagnose.

Denn was hier als Mitgefühl erscheint, ist oft nichts anderes als Kapitulation vor dem Leiden. Statt den Menschen zu begleiten, wird ihm der Tod angeboten. Statt Hoffnung wird Beendigung organisiert.

Das ist nicht christlich. Das ist eine Umkehrung der christlichen Botschaft.

Das Evangelium kennt Barmherzigkeit – aber nie ohne Wahrheit.

Die Versuchung der Anpassung

Sarah warnt nicht nur vor der Politik, sondern auch vor der Kirche selbst.

Ein Treffen ohne klare Worte sei „eine verlorene Sache“. Wer sich nicht deutlich äußert, wer die Wahrheit nicht ausspricht, gerät in die Gefahr der Anpassung.

Die Kirche steht heute unter enormem Druck. Sie soll modern sein, offen, dialogbereit. Doch dieser Druck birgt eine Versuchung: die Wahrheit zu verwässern, um akzeptiert zu werden.

Sarah widersetzt sich dem entschieden.

Er spricht von einer „Falle“, von einer „Kommunikationssituation“, die „undenkbar“ sei.

Das ist mehr als Kritik an einem Termin. Es ist eine Warnung vor einem Kurs.

Die Einheit der Kirche und die Klarheit der Wahrheit

Besonders ernst ist seine Sorge um die Einheit der Kirche.

Ein solches Treffen, so Sarah, säe „Spaltung“ und „Unruhe“. Doch diese Worte müssen genau gelesen werden. Es geht ihm nicht um Harmonie um jeden Preis.

Einheit ohne Wahrheit ist keine Einheit.

Wenn Gläubige den Eindruck gewinnen, dass fundamentale moralische Fragen verhandelbar werden, dann entsteht Verwirrung. Und Verwirrung ist Gift für den Glauben.

Die Kirche ist nicht dazu da, Spannungen zu vermeiden. Sie ist dazu da, Wahrheit zu bezeugen.

Und diese Wahrheit kann unbequem sein.

Ein Ruf zur Klarheit

Sarahs Worte sind kein politisches Statement. Sie sind ein geistlicher Weckruf.

Er erinnert daran, dass die Kirche nicht die Aufgabe hat, sich mit der Welt zu arrangieren, sondern sie zu verwandeln.

Gerade in Fragen von Leben und Tod darf es keine Zweideutigkeit geben.

Wer das Leben relativiert, stellt sich gegen den Schöpfer.

Und wer glaubt, man könne darüber höflich hinwegsehen, irrt.

Die eigentliche Frage lautet daher nicht, ob man miteinander spricht. Die Frage lautet, ob man dabei die Wahrheit sagt.

Denn eine Kirche, die aus Angst vor Konflikten schweigt, verliert mehr als ihre Stimme. Sie verliert ihre Sendung.

Sven von Storch

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