»Ich habe es als einen verlängerten Einkehrtag gesehen«

Kardinal Pell aus dem Gefängnis entlassen_ 400 Tage Einzelhaft für einen Unschuldigen

Zur Vorstellung seines »Gefängnis-Tagebuchs« organisierte der Kardinal eine digitale Buchvorstellung, in der er Fragen von Journalisten beantwortete.

Sein Tagebuch, das unter dem Titel: »Prison Journal: The Cardinal Makes His Appeal« zunächst auf Englisch und 2021 auch auf Deutsch erscheinen wird, thematisiert wie er, in seinen eigenen Worten beschrieben, zu Unrecht wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt wurde, bis seine Berufung einstimmig vom australischen High Court verworfen wurde, und seine 404 Tage in Einzelhaft zu Ende gingen.

In der Gewissheit, dass die Anschuldigungen gegen ihn falsch waren, verließ Kardinal Pell freiwillig Rom und reiste nach Australien, um sich vor Gericht zu stellen. Der Prozess endete mit einem ungültigen Urteil, aber als der Fall erneut verhandelt wurde, wurde Kardinal Pell für schuldig befunden und zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Am 7. April 2020, nach 59 Wochen im Gefängnis, hob der High Court in Australien seine Verurteilung auf und sprach ihn frei.

Der australische Kardinal äußerte vor der Inhaftierung gegenüber einigen, dass er sich das, was er tun würde, als eine Art »verlängerten Einkehrtag« vorstellte, was – so George Weigel, der die Buchvorstellung leitete – genau das gewesen sei: »ein Rückzug, bei dem er im Gespräch mit Gott blieb.«

»Eine grobe Ungerechtigkeit, die in ein großes christliches Zeugnis verwandelt wurde, und ein Zeugnis für die Kraft des Glaubens«, sagte er.

Zwei Gründe, warum er das Buch geschrieben hat, merkte der ehemalige Präfekt des Wirtschaftssekretariats an, waren, um »eine historische Aufzeichnung einer seltsamen Zeit« zu haben, und »zweitens, und vielleicht noch wichtiger, weil ich dachte, dass meine Überlegungen Menschen helfen könnten, nicht nur denen im Gefängnis, die schwere Zeiten durchmachen.«

Jemand fragte ihn, inwieweit seiner Meinung nach der Anti-Katholizismus im australischen Justizsystem in seinem Fall eine Rolle spielte.

Er gab zu, dass es eine allgemeine Mentalität in diese Richtung gebe, die »beunruhigend sein kann«.

»Ich bin verblüfft über die Entscheidungen einiger hoch gebildeter Menschen, die angeblich geschult sind. Aber das ist eine andere Frage...,« fügte er hinzu.

Das Gefängnistagebuch in der englischen Ausgabe wird in drei Bänden veröffentlicht werden. Eine deutsche Übersetzung soll folgen.

Sven von Storch

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