In einem Interview mit den National Catholic Register beschrieb der emeritierte Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre beschrieb den am 31. Dezember um 9.34 Uhr in Rom verstorbenen Joseph Ratzinger auch als einen Mann von großer Sensibilität, Humor und Demut, der eine »tiefe Weisheit als Teilhaber an der Liebe Gottes« besaß.
»Die besten Bücher sind seine Einführung in das Christentum und die Eschatologie: Tod und ewiges Leben und seine Jesus-Trilogie für ein gut gebildetes Publikum, während die Bücher über Augustinus und Bonaventura zum besseren Verständnis eine akademische theologische Ausbildung erfordern. Ebenfalls für jedermann lesbar sind seine erbaulichen und glaubensstärkenden zahlreichen Predigten, die auch in den Gesammelten Schriften (16 Bände) leicht zugänglich sind,« so Müller.
»In all seinen Positionen und Aufgaben war er ein großer Denker und persönlich ein gläubiger Christ. Er ist ein wahrer Doktor der Kirche für heute,« fügte er hinzu.
Auf die Frage, ob die Hermeneutik der Kontinuität in der Interpretation des Zweiten Vatikanischen Konzils noch maßgeblich sei, antwortete Müller:
»Das liegt auf der Hand, denn kein Konzil hat die Aufgabe, eine neue Kirche zu gründen oder die einzigartige und vollständige Offenbarung Gottes in Jesus Christus zu ergänzen, zu korrigieren oder zu vervollständigen. Man muss nur die Einleitungen zu den beiden Dogmatischen Konstitutionen über die göttliche Offenbarung und die Kirche lesen. Dann sieht man, wie sich das Konzil selbst in die gesamte katholische Lehrtradition einfügt und vor allem bekräftigt, dass das Lehramt des Papstes und der Bischöfe, und damit auch die Konzilien, nicht über dem Wort Gottes stehen, sondern seiner wahren Auslegung dienen (Dei Verbum 7-10).«
Auf die Frage, was er Kritikern Benedikts entgegnen würde, sagte der Kardinal:
»Das können nur ideologisch engstirnige Ignoranten meinen. Der heilige Irenäus von Lyon, den Papst Franziskus zum »Doctor Unitatis« (Doktor der Einheit) erklärt hat, spricht gegen die Gnostiker aller Zeiten, die das Geheimnis Gottes in ihrem begrenzten Verstand einsperren wollen, und dass mit und in Christus die ganze Neuheit und unübertroffene Modernität Gottes in die Welt gekommen ist. Die Moderne ist nicht identisch mit dem anti-metaphysischen Immanentismus der Aufklärung und den menschenfeindlichen Ideologien der philosophischen und politischen Atheismen der letzten drei Jahrhunderte. Nur der christliche Glaube ist modern, und zwar bis auf die Ebene der wirklichen Grundfragen nach dem Sinn des Lebens und den moralischen Prinzipien seiner Gestaltung. Denn keine Theorie und kein Mensch kann uns erlösen und uns Halt im Leben und im Tod bieten als das Wort Gottes, das in seinem Sohn unser Menschsein angenommen hat und uns durch sein Kreuz und seine Auferstehung von Sünde und Tod erlöst und uns die Hoffnung auf das ewige Leben geschenkt hat (Gaudium et Spes 10; 22).«


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