Kardinal Walter Brandmüller ist keiner, der um den heißen Brei redet. Und so erstaunt es wenig, dass der emeritierte Kurienkardinal jetzt die jüngsten Rufe nach einem Dritten Vatikanum brüsk zurückgewiesen hat. In einem Interview machte er klar: Es ist nicht nur „viel zu früh“, sondern auch völlig realitätsfern, ein solches gigantisches Ereignis überhaupt in Erwägung zu ziehen. Mehr als 5.000 Bischöfe zusammenzutrommeln? „Niemand weiß, wie das gehen soll.“
Damit platzt Brandmüller eine progressive Traumblase, die sich – wie so oft – eher aus kirchenpolitischer Ungeduld speist als aus echter theologischer Notwendigkeit. Denn der Kardinal erinnert daran, was heute viele verdrängen: Die Kirche hat das Zweite Vatikanum bis heute nicht einmal richtig umgesetzt.
Die Nachkonzilszeit als Problemfall
Der Kardinal spricht offen aus, was jahrzehntelang verschleiert wurde: Nicht das Konzil selbst hat die Krise verursacht, sondern das Chaos danach. Brandmüller beschreibt, wie nach 1965 plötzlich „alles in Frage gestellt“ wurde und vielerorts keine katholische Theologie mehr gelehrt wurde. Das berüchtigte Schlagwort vom „Geist des Konzils“ habe die echten Texte übertönt. Wer heute die Kirchenkrise dem Konzil anlastet, verfehlt den Kern: Die Probleme entstanden durch eine Revolte gegen Rom, nicht durch das, was die Konzilsväter beschlossen hatten.
Vor allem die Liturgie geriet in den Strudel der Willkür. Der Kardinal urteilt scharf: Was in den 1970er Jahren geschah, war nicht die Umsetzung von Sacrosanctum Concilium, sondern das Erfinden von „neuen Dingen“, die niemand beschlossen hatte. Kein Wunder, dass sich viele Gläubige wieder nach Ordnung sehnen – nach einer Liturgie, die nicht modisch sein will, sondern heilig.
Ein realistischer Blick auf die Tradition
Brandmüller vermeidet jede Romantisierung: Die traditionelle Messe sei „nicht perfekt“ und ebenfalls reformbedürftig. Aber der Punkt ist ein anderer: Hätte man die Reform wirklich gemäß dem Konzil umgesetzt, gäbe es kaum Spannungen. Progressisten wie Traditionalisten bekämpfen oft ein Phantom – entweder einen erfundenen Fortschritt oder eine imaginierte Vergangenheit.
Besonders bemerkenswert ist seine Einschätzung der umstrittensten Texte des Konzils: Nostra aetate und Dignitatis humanae seien „zeitgebunden und heute überholt“, während die zentralen Konstitutionen vollständig in der Tradition stehen. Es ist eine Erinnerung an eine Wahrheit, die viele nicht hören wollen: Nicht jede Aussage eines Konzils besitzt denselben Rang.
Noch lange kein Ende der Gärung
Brandmüller ordnet die gegenwärtige Unruhe historisch ein. Nach dem Konzil von Trient dauerte es hundert Jahre, bevor die Kirche zur Ruhe kam. Wer also heute „Reformdruck“ beschwört, zeigt vor allem Geschichtsvergessenheit. Die Nachkonzilszeit ist noch nicht abgeschlossen – und deshalb ist ein neues Konzil schlicht absurd.
Mit 96 Jahren spricht er aus, was vielen konservativen Katholiken auf der Seele liegt: Die Kirche braucht kein neues Großereignis, keine neue Selbstfindung, keine neuen Experimente. Sie braucht die Rückkehr zur Wahrheit und die Umsetzung dessen, was längst beschlossen wurde.
Wenn die Kirche diese Stimme ignoriert, beweist sie nur eines: dass sie nicht an Erkenntnismangel leidet, sondern an Mutlosigkeit.


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... „Damit platzt…
... „Damit platzt Brandmüller eine progressive Traumblase, die sich – wie so oft – eher aus kirchenpolitischer Ungeduld speist als aus echter theologischer Notwendigkeit. Denn der Kardinal erinnert daran, was heute viele verdrängen: Die Kirche hat das Zweite Vatikanum bis heute nicht einmal richtig umgesetzt.
Ja mei, Frau(?) Göttin(?), deren Gesäßgezwitscher und darauf sicherlich folgender Wolkenbruch: https://www.google.com/search?q=die+kirche+bringt+angefangenes+nicht+zuende&sca_esv=9c318bad663a3542&rlz=1C1ONGR_deDE1024DE1024&ei=BVg5afDhL7fHi-gPvubSiQU&ved=0ahUKEwiw-Pj687KRAxW34wIHHT6zNFEQ4dUDCBE…
... „Wenn die Kirche diese Stimme ignoriert, beweist sie nur eines: dass sie nicht an Erkenntnismangel leidet, sondern an Mutlosigkeit“!!!!!!!
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