»Wir sind die wahre anglikanische Gemeinschaft«

Historischer Bruch: Anglikanische Weltkirche zerreißt – GAFCON erklärt Bruch mit Canterbury

Afrikanische und asiatische Bischöfe werfen der Kirche von England Häresie vor – und erklären: »Wir sind die wahre anglikanische Gemeinschaft.«

GAFCON Bischöfe

Ein Erdbeben erschüttert die anglikanische Welt: Am 16. Oktober hat die Global Anglican Future Conference (GAFCON) offiziell den Bruch mit dem Erzbischof von Canterbury erklärt. Die Bewegung, die über 85 Millionen der weltweit rund 100 Millionen Anglikaner vertritt, wirft der Kirche von England Häresie vor und kündigt die Loslösung von allen bisherigen Strukturen der sogenannten Anglican Communion an.

Damit ist das eingetreten, was sich seit Jahren anbahnte: ein formales Schisma, das das Ende der historischen anglikanischen Gemeinschaft bedeuten könnte.

Krise unter der neuen »Erzbischöfin«

Der Konflikt hat sich seit der umstrittenen Wahl von Dame Sarah Mullaly zur Erzbischöfin von Canterbury zugespitzt. Mullaly, eine frühere Gesundheitsbeamtin und überzeugte Befürworterin der LGBTQ-Agenda, steht für einen radikalen Bruch mit der traditionellen Lehre über Ehe, Sexualität und Geschlechterrollen. Für viele Gläubige im globalen Süden war ihre Ernennung das Symbol eines liberalen Machtmissbrauchs in London – ein Affront gegen die biblische Moral.

Schon seit Jahren wuchs der Unmut in Afrika, Asien und Lateinamerika, wo die Mehrheit der praktizierenden Anglikaner lebt. Diese Gemeinden fühlen sich seit Langem von der zunehmend säkularisierten und moralisch relativistischen Kirchenführung im Westen verraten.

»Wir sind die wahre anglikanische Gemeinschaft«

In ihrem Kommuniqué erklärt GAFCON unmissverständlich: »Wir haben die anglikanische Gemeinschaft nicht verlassen – wir sind die anglikanische Gemeinschaft.« Die Kirchen des Netzwerks fordern ihre Mitgliedsprovinzen auf, alle Bezüge auf die »Gemeinschaft mit Canterbury« aus ihren Verfassungen zu streichen. Sie sollen außerdem keine Zahlungen mehr an den Anglican Consultative Council leisten oder an Treffen teilnehmen, die von Canterbury einberufen werden.

Das Schreiben nennt den Schritt eine »notwendige Trennung von Häresie und Irrtum«. Der Erzbischof von Canterbury habe »den Glauben der Väter aufgegeben« und die Kirche in moralischen und theologischen Fragen »in die Irre geführt«.

Damit entstehen nun de facto zwei anglikanische Kommunionen:
– die GAFCON-Kommunion, getragen vor allem von afrikanischen, asiatischen und südamerikanischen Kirchen,
– und die Lambeth-Kommunion, angeführt von Canterbury und den westlichen Provinzen.

Abuja soll die neue Ordnung festlegen

Für März 2026 ist in Abuja (Nigeria) eine internationale Konferenz angekündigt, auf der die Neustrukturierung der anglikanischen Gemeinschaft formal beschlossen werden soll. Nur Kirchen, die sich der Jerusalem Declaration verpflichten – einem Bekenntnis zu Schrift, Bekenntnis und traditioneller Moral –, dürfen der neuen Ordnung beitreten.

Diese »Jerusalem Declaration«, bereits 2008 in Jerusalem verabschiedet, betont ausdrücklich die Autorität der Heiligen Schrift über alle zeitgenössischen Lehrentwicklungen – ein direkter Gegenentwurf zur progressiven Theologie der westlichen Provinzen.

Eine Spaltung mit Symbolkraft

Die Tragweite dieser Entscheidung kann kaum überschätzt werden: Zum ersten Mal in der Geschichte des Anglikanismus ist die Kirche von England nicht länger die anerkannte Mutterkirche der Gemeinschaft, sondern steht selbst außerhalb ihres Kerns.

Während die Medien im Westen den Vorgang herunterspielen, sprechen viele Beobachter von einem historischen Wendepunkt – einer Art Reformation 2.0 innerhalb des Protestantismus.

Die eigentliche Ironie dabei: Ausgerechnet jene Regionen, die einst von britischen Missionaren bekehrt wurden, erklären nun den religiösen Mutterländern den Glaubensabfall.

Afrika, so scheint es, ist heute das neue Canterbury.

 

Sven von Storch

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