Leo XIV. spricht von Wahrheit und Mission

Früheres Interview mit Papst kann als Programm angesehen werden

Schon als Kardinal sprach Robert Prevost über eine Kirche, die Freude ausstrahlen muss – aber auch Klarheit braucht. In seinem alten Interview steckt das Programm seines Pontifikats.

Ein Gespräch mit prophetischer Wucht: Bereits zwei Jahre vor seiner Wahl zum Papst legte Robert Francis Prevost in einem Interview mit Vatican News offen, wie er Kirche versteht – und was er von Bischöfen erwartet. Das Interview vom Mai 2023 liest sich heute wie ein Programm für das Pontifikat von Leo XIV.

Damals war Prevost gerade von Peru nach Rom berufen worden, um das Bischofsdikasterium zu leiten. Schon zu diesem Zeitpunkt sprach er über zentrale Begriffe wie Einheit, Mission und die Nähe zu Christus – aber auch über die Gefahr, Bischofsämter als »Paläste« zu begreifen. Eine Amtsauffassung, die er ausdrücklich ablehnte.

»Die Autorität, die wir haben, ist die, zu dienen«, sagte Prevost. Bischöfe müssten »Priester begleiten, Seelsorger und Lehrer sein«. Mit anderen Worten: kein Bürokratentum, kein Funktionärsgeist – sondern Hirten mit brennendem Herzen.

»Wir laufen Gefahr zu vergessen, dass unsere erste Aufgabe darin besteht, zu lehren, was es bedeutet, Jesus Christus zu kennen.«

Die zentrale Aufgabe, so Prevost, sei es, »die Schönheit und Freude, Jesus zu kennen«, weiterzugeben – und nicht in Verwaltungsstrukturen oder ideologischen Grabenkämpfen zu versinken. Diese Aussagen werfen ein Licht auf die ersten Handlungen des neuen Papstes, der etwa die Personalie Paglia rückgängig machte und den von Franziskus beschädigten Ehe- und Familieninstituten neues Vertrauen schenkte.

In klaren Worten wandte sich Prevost damals gegen kircheninterne Polarisierung. Spaltungen seien »eine sehr schmerzhafte Wunde«, und es liege am Bischof, »die Einheit mit dem Papst zu fördern«. Eine Aussage, die viele als Aufforderung zur Rückkehr zur überlieferten Lehre deuten – denn Einheit kann nicht durch Relativismus erreicht werden, sondern nur durch Wahrheit.

Zugleich zeigt sich Leo XIV offen für eine vorsichtige Beteiligung des „Volkes Gottes“ an Auswahlprozessen – ohne demokratisches Missverständnis, aber mit dem Willen, authentische Hirten zu finden, die wirklich nahe an ihren Gemeinden leben.

Der Synodalität gibt er eine klare Absage: »Es geht nicht darum, Themen durch Abstimmung durchzusetzen – es geht darum, gemeinsam auf den Heiligen Geist zu hören.«

Ein Satz, der wie eine Absage an progressive Machtstrategien klingt, die Synodalität als Kirchenparlament missverstehen. Stattdessen will Leo XIV »Charismen, Gaben und Ämter zur Geltung bringen« – ein Dienst der Einheit, nicht der Spaltung.

Fazit: Dieses alte Interview mit Robert Prevost ist keine bloße biografische Anekdote. Es ist das theologische Grundrauschen seines Pontifikats – ein Ruf zurück zu Christus, zur Wahrheit und zur Schönheit des Glaubens. Wer wissen will, wohin Leo XIV die Kirche führen will, der sollte diese Sätze studieren – und nicht bloß die Kommentare seiner Gegner.

Sven von Storch

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