Wer wissen will, warum unsere Gesellschaft gleichzeitig kinderloser, einsamer und aggressiver wird, muss nicht zuerst in Parteiprogramme schauen, sondern in die Kinderzimmer. Die britische Psychologin und forensische Gutachterin Melanie Gill beschreibt in einem bemerkenswert klaren Text, wie moderne Ideologie den entscheidenden Nerv trifft: Bindung. Ihr Aufsatz "The feminists’ assault on the family hurts children most" bei [The Conservative Woman](https://www.conservativewoman.co.uk/the-feminists-assault-on-the-family-hurts-children-most/) ist kein moralischer Rundumschlag, sondern ein nüchternes Protokoll dessen, was in Familien, Gerichten und Therapieräumen längst sichtbar ist.
Gill knüpft an Winnicotts Diktum an, es gebe "kein Baby" an sich, sondern "ein Baby und jemanden". Das klingt banal, ist aber revolutionär in einer Kultur, die den Menschen als isoliertes Projekt verkauft. Ein Säugling ist radikale Abhängigkeit. Er wird nicht "frei", indem man ihn früh von Nähe entwöhnt, sondern indem er Nähe so verlässlich erfährt, dass er sich von ihr lösen kann. Genau das sagt die Bindungsforschung seit Bowlby, und die Neurowissenschaft hat es nach Jahrzehnten mit Daten unterfüttert: Gehirnreifung ist nicht nur Biologie, sie ist Beziehung.
Die Ideologie gegen die Wirklichkeit
Und hier beginnt der Skandal. Während die Wissenschaft die Bedeutung von feinfühliger Fürsorge bestätigt, hat die öffentliche Moral der Gegenwart die Abhängigkeit zum Verdachtsmoment erklärt. Abhängigkeit gilt als "toxisch", Bindung als "Gefahr", Vaterrolle als "Option" oder gleich als Risiko. Was als Fortschritt verkauft wird, ist oft eine juristische und kulturelle Maschinerie, die familiäre Beziehungen zerschneidet und die entstehenden Wunden dann als Beweis für die Notwendigkeit weiterer Eingriffe verwendet.
Gill beschreibt aus ihrer Praxis ein Muster, das man auch ohne Fachjargon versteht: Kinder, die nicht lernen, ambivalente Gefühle auszuhalten, weil ein Elternteil das nicht erträgt; Kinder, die "Gewissheiten" nachsprechen, die ihnen eingeflößt wurden; Kinder, die früh moralisch geschniegelt wirken, aber innerlich verarmen. Nicht selten wird der Vater zum Projektionsschirm. In einem Klima, das Männer und Väter kulturell vorverurteilt, entsteht ein bequemes Feindbild, das die Erwachsenen entlastet und dem Kind die seelische Rechnung präsentiert.
Von der Frauenfrage zur Identitätsindustrie
Besonders treffend ist Gills Hinweis, dass radikaler Feminismus und die neue Identitätsindustrie trotz ihrer Streitigkeiten denselben Grundimpuls teilen: die Ablehnung des Gegebenen. Körper, Geschlecht, Zeugung, Entwicklung, Bindung, Begrenzung, alles wird als "Unterdrückung" umgedeutet. Statt die Bedingungen menschlichen Werdens zu bejahen, erklärt man sie zum Problem. Das Ergebnis ist eine Kultur, die an ihrer eigenen Kontinuität sägt. Sinkende Geburtenraten sind dann nicht nur ein ökonomisches Warnsignal, sondern ein psychologisches: eine Zivilisation, die den Nachwuchs als Last empfindet, hat innerlich bereits gekündigt.
Wer jetzt noch behauptet, das seien bloß "Lebensstile", betreibt Realitätsflucht. Die Familie ist keine nostalgische Kulisse, sondern die Infrastruktur jeder Gesellschaft. Wer sie im Namen von "Freiheit" zerlegt, produziert nicht Selbstbestimmung, sondern Bindungsarmut, Misstrauen und eine Generation, die zwar Parolen kennt, aber keine tragfähigen Beziehungen. Es wird Zeit, dass Politik, Medien und Institutionen aufhören, die Ideologie der Abtrennung als Fortschritt zu verkaufen, und stattdessen das Offensichtliche schützen: Mutter, Vater, Kind, und das Recht des Kindes auf sein ganzes Beziehungsnetz.


Comments
... „Es wird Zeit, dass…
... „Es wird Zeit, dass Politik, Medien und Institutionen aufhören, die Ideologie der Abtrennung als Fortschritt zu verkaufen, und stattdessen das Offensichtliche schützen: Mutter, Vater, Kind, und das Recht des Kindes auf sein ganzes Beziehungsnetz.“
Wogegen das Bundesverfassungsgericht längst strikt einschritt!!?https://sciencefiles.org/2014/11/07/bundesverfassungsgericht-stellt-eindeutig-fest-kinder-gehoren-dem-staat/
Kind = Armutsrisiko
“…eine Zivilisation, die den Nachwuchs als Last empfindet, hat innerlich bereits gekündigt.“
Naja nicht nur das. Nachwuchs bedeutet in dieser sog. “westlichen Welt“ ja auch sogar Armutsrisiko !
Und, ich glaube, ein Afrikanisches Sprichwort sagt ja, um ein Kind groß zu ziehen, braucht es ein ganzes Dorf.
Mit diesen ganzen…
Mit diesen ganzen Perversitäten muss mit brachialer Gewalt aufgeräumt werden. Die Normalen können sich doch von denen nicht zeigen lassen, wo der Weg lang geht. Entweder sie passen sich an oder......
Der Tod ist ein Meister aus Deutschland, einer Kultur des Todes
Meine Güte, was Frau Gill hier vorträgt, das mag ja alles richtig sein, aber es ist in der "westlichen Wertegemeinschaft" und in "unserem demokratischen Rechtsstaat" ein so alter Hut, dass das Lesen besonders in Deutschland wirklich weh tut, wo man längst wieder zu glauben scheint, dass der Storch (nota bene: nicht der von Storch) die Kinder bringt, die man im Allgemeinen eher für "Parasiten" hält, die ihre Mütter zu noch größeren "Opfern" eines "unterdrückerischen", "autoritären", "diskriminierenden", "frauenfeindlichen" und "faschistischen" "Patriarchats" machen, als sie es als Frauen in Deutschland sowieso schon sind, Kinder, die als politische Manövriermasse, als Frischfleisch für die kinderverarbeitende Industrie und von Natur aus und von Geburt an benachteiligten Frauen als Druckmittel dem Staat und der Gesellschaft gegenüber dienen.
Wie immer wieder diskutiert, spalten und zerstören die Deutschen als Staat und Gesellschaft sich ohne Rücksicht auf Verluste mit seit zwanzig Jahren zunehmender Begeisterung in jeder Hinsicht selbst im Namen so genannter "Große[r] Transformation", und sie lassen sich dabei offenbar durch nichts und niemanden aufhalten.
Die rasant kleiner werdende Minderheit derjenigen, die unter solchen Umständen noch nicht vollkommen irre und wahnhaft geworden ist, und die diesen "Große[n] Basar" aber nicht verlassen kann, die muss einem wirklich leid tun.
Nun denn, besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Mögen die Deutschen ihrem zynisch - menschenverachtenden, genozidalen Humanrassismus freien Lauf lassen, wie eh und je.
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