Der Saal tobte, als Patrick Deneen auf der NatCon 5 die Diagnose aussprach, die viele fühlen, aber kaum jemand so klar formuliert: Der Sieg über Woke bedeutet noch lange nicht die Rettung des Westens. Denn der eigentliche Feind sitzt nicht nur links im progressiven Machtapparat, sondern ebenso im alten konservativen Selbstverständnis, das sich jahrzehntelang auf eine naive, fast schon selbstzerstörerische politische Theologie stützte. Deneen spricht von einer "Schizophrenie", die zwischen politischem Pessimismus und privatem Optimismus hin- und herpendelt, einer Ideologie, die dem Staat misstraut, den Einzelnen aber für allmächtig hält. Dieses Denken, so Deneen, sei unvereinbar mit dem Wiederaufbau der gefährdeten Zivilisation.
Wie alle großen Krisen so auch diese: Die alte Ordnung fiel nicht nur durch den Angriff des Gegners, sondern durch die Schwäche der eigenen Fundamente. Genau hier setzt Deneen an – und benennt schonungslos, was schief gelaufen ist.
Die falschen Götter des alten Konservatismus
Deneen erinnert daran, dass die konservative Kritik an Woke längst erkannt hat, dass es sich nicht um eine politische Mode, sondern um eine Ersatzreligion handelt. Doch während man die Theologie des Gegners seziert hat, blieb die eigene unantastbar. Das Resultat: ein konservativer Selbstbetrug.
Der alte amerikanische Konservatismus beruhte laut Deneen auf zwei widersprüchlichen Überzeugungen. Einerseits galt der Mensch im politischen Bereich als tief gefallen, anfällig für Sünde und Machtmissbrauch. Der Staat müsse sich daher auf die reine Begrenzung des Bösen beschränken. Andererseits galt derselbe Mensch im privaten Leben als nahezu gut und fähig, aus sich selbst heraus Tugend zu entwickeln – ganz ohne staatliche oder gesellschaftliche Formung.
Diese Kombination aus politischem Calvinismus und privatem Pelagianismus sei nichts anderes als eine ideologische Selbstblockade. Sie zerstöre am Ende all das, was sie zu verteidigen vorgibt: Familie, Gemeinschaft, Religion, Bindung, Nation.
Der Wiederaufbau braucht Ordnung – nicht Illusionen
Deneen macht klar: Die Verwüstungen der letzten Jahrzehnte wurden nicht nur von links verursacht, sondern mindestens zur Hälfte durch konservative Untätigkeit im Namen eines falsch verstandenen Liberalismus. Wer die sozialen, kulturellen und moralischen Ruinen der Gegenwart betrachtet, kann nicht ernsthaft glauben, dass sich die Ordnung "von selbst" erneuern werde, sobald man die linken Ideologen besiegt habe.
Der junge konservative Generation, so Deneen, glaubt das ohnehin nicht mehr. Sie fordert eine politische Theologie, die den Staat nicht als dämonische Kraft, sondern als notwendiges Werkzeug der Wiederherstellung begreift. Staatliche Unterstützung für Familien, Schutz vor globalistischen Märkten, Wiederbelebung lokaler Gemeinschaften, Förderung echter Bildung, Anerkennung der Bedeutung von Religion – all das gehört für Deneen zu einer neuen konservativen Verantwortung.
Der wahre Kampf nach dem Ende des Woke-Regimes beginnt also erst jetzt. Und er verlangt, wie Deneen betont, nicht die Rückkehr zur alten Ordnung, sondern den Mut, eine neue zu errichten: eine politische Theologie, die das Gemeinwohl nicht den Ideologen und nicht dem Markt überlässt, sondern bewusst gestaltet.
Wer das verweigert, überlässt das Feld jenen Kräften, die Amerika und Europa schon einmal an den Rand des Zusammenbruchs geführt haben.


Comments
Falsche Götter !?
"Falsche Götter" !?
Ja ein wesentlicher falscher Gott, den wir bisher hatten, war der Mammon - in Form des Kapitalismuses, der auf permanenten Wachstumszwang beruht !
Es gibt nur einen GOTT !
Eine Theologie von Woke bis verschiedene Götter hat noch selten geholfen .das dachten schon viele Priesterim AT von Vielgötterei bis Mammon .
Um neu anzufangen sollte der Mensch erst einmal erkennen wo er im Universum steht ,um dann vielleicht reuevoll und in Demut sich an Gott ,seinem Schöpfer zu wenden .Vielleicht erkennt er dann den Unterschoied zwischen GUT und BÖSE ?
Doch dazu gehört etwas Intelligenz ,die uns Gott eigentlich gegeben hatte,aber bei sehr vielen Menschen inzwischen abhanden gekommen ist ! ( Die Bibel spricht von Verblendung )
Politische Theologien
Wenn ich den Begriff " politische Theologien" höre, denke ich an Theologien wie die Befreiungstheologie, die alle den Makel haben, dass die Theologie zu Gunsten der Politik verloren haben!
Das, was der Autor hier fordert, ist- zum Glück- weit außerhalb dieser Abwege. Im Grunde verlangt er von einer spezifischen amerikanischen Form der konservativen, die puritanisch geprägt sind, dass sie ihr manichäisches Weltbild aufgeben und den Staat aus das Instrument des Zusammenlebens anerkennen, das er notwendiger Weise ist!
Der Staat ist weder gut noch böse. Die Menschen und ihre Absichten, die ihn in Gefahr zu kapern stehen allerdings schon.
Daher haben wir Gewaltenteilung und Kontrolle der Macht!
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