Rund 300 ehemalige Muslime haben sich im „St. Nicholas Tavelić Network“ zusammengeschlossen

Ein Netzwerk für Konvertiten aus dem Islam: Mut, Märtyrer und die stille Kirche im Untergrund

Während in Europa über Kirchenkrisen gestritten wird, wächst anderswo eine Kirche im Verborgenen. Ein neues, laiengeführtes Netzwerk unterstützt Muslime, die zu Christus gefunden haben – oft unter Gefahr für Leib und Leben.

Bild: Konvertit Nabeel Qureshi, Boundless.org


Der Name ist kein Zufall. Nicholas Tavelić, ein franziskanischer Missionar des 14. Jahrhunderts, wurde 1391 in Jerusalem gemeinsam mit drei Gefährten hingerichtet, nachdem er vor muslimischen Autoritäten offen Christus verkündet und den Widerruf verweigert hatte. Er ist Märtyrer – und nun Namenspatron eines Netzwerks, das im 21. Jahrhundert erneut von Mut und Standhaftigkeit lebt.

Das „St. Nicholas Tavelić Network for Morisco Catholics“, kurz TavNet, ist ein seit 2024 bestehendes, laiengeführtes katholisches Missionsnetzwerk. Es unterstützt Konvertiten aus dem Islam, die häufig in muslimisch geprägten Gesellschaften leben oder in westlichen Ländern in einem Umfeld stehen, das ihren Übertritt als Verrat betrachtet.

Untergrundkirche im digitalen Zeitalter

Was als informelle Online-Gebetsgemeinschaft begann, ist inzwischen auf etwa 300 Mitglieder angewachsen. Viele von ihnen leben ihren Glauben im Verborgenen. Öffentliche Teilnahme an der Messe, Empfang der Sakramente oder auch nur regelmäßige Katechese sind für sie keine Selbstverständlichkeit.

Hasan, einer der Gründer und selbst ehemaliger schiitischer Muslim, beschreibt die Situation nüchtern: Viele Konvertiten seien „de facto von den Sakramenten abgeschnitten“. Pfarreien wüssten oft nicht, wie sie mit der besonderen Lage dieser Gläubigen umgehen sollten – sei es aus Unkenntnis, aus Angst vor Konflikten oder aus kultureller Unsicherheit.

TavNet will genau hier ansetzen: mit solider Katechese, theologischer Klarheit und geistlicher Begleitung – „voll orthodox und traditionell“, wie die Gründer betonen, zugleich aber sprachlich und kulturell so formuliert, dass der Glaube im islamischen Kontext verständlich wird.

Zwischen Ausgrenzung und Missverständnis

Bemerkenswert ist, dass das Netzwerk auch auf ein anderes Problem hinweist: Konvertiten erleben nicht nur Druck aus ihrem früheren Umfeld, sondern teils auch Unverständnis oder Ausgrenzung innerhalb katholischer Gemeinden.

Nach Angaben der Initiatoren habe sogar Francis in einem Schreiben anerkannt, dass manche muslimische Konvertiten nach ihrer Aufnahme in die Kirche „Exklusion und mitunter Missbrauch“ erfahren. Diese doppelte Verwundbarkeit – von außen bedroht, von innen nicht immer verstanden – macht spezialisierte Unterstützung notwendig.

Die Realität ist klar: Wer in bestimmten Ländern oder Familien vom Islam zum katholischen Glauben übertritt, riskiert soziale Ächtung, Verlust der Existenzgrundlage oder Schlimmeres. Der Glaube ist hier keine kulturelle Option, sondern eine existentielle Entscheidung.

Ein Zeichen der Hoffnung

Dass ausgerechnet in Zeiten westlicher Säkularisierung und kirchlicher Selbstzweifel Muslime in wachsender Zahl zu Christus finden, ist ein starkes Zeichen. Es erinnert an eine Wahrheit, die im Lärm innerkirchlicher Debatten leicht untergeht: Das Evangelium bleibt anziehend.

TavNet steht damit in einer Linie mit den großen Missionsbewegungen der Geschichte – nur dass die „Mission“ heute oft digital beginnt und im Verborgenen weiterlebt. Der Märtyrer Tavelić ist dafür ein passendes Symbol: Treue zur Wahrheit, auch wenn sie etwas kostet.

Während viele europäische Kirchenbänke leer bleiben, wächst an anderen Orten eine leise, entschlossene Kirche. Nicht laut, nicht politisch, sondern sakramental und katechetisch verwurzelt.

Vielleicht liegt gerade darin eine Lektion für den Westen: Wo der Glaube wieder als Geschenk und nicht als kulturelles Erbe verstanden wird, beginnt er neu zu leuchten.

Sven von Storch

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Kommentare

Ekkehardt Fritz Beyer

24.02.2026 | 13:02

... „Während in Europa über Kirchenkrisen gestritten wird, wächst anderswo eine Kirche im Verborgenen. Ein neues, laiengeführtes Netzwerk unterstützt Muslime, die zu Christus gefunden haben – oft unter Gefahr für Leib und Leben.“ ...

Ja mei: „Der Islam wird das Christentum bis etwa 2030 überholen, nicht erst in den 2070er Jahren“!!!!!!! https://www.reddit.com/r/MuslimLounge/comments/1mbi9c8/islam_will_overtake_christianity_by_around_2030/?tl=de

Wie war bzw. ist das sicherlich noch immer ??? https://x.com/RegSprecherStS/status/554632464912887808

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