Der Vatikan hat bekanntgegeben, dass Papst Leo XIV. den Chicagoer Erzbischof Kardinal Blase Cupich in die Päpstliche Kommission für den Staat der Vatikanstadt berufen hat – jenes Gremium, das die inneren Angelegenheiten des kleinsten souveränen Staates der Welt verwaltet. Auf dem Papier klingt das bedeutend: Die Kommission beaufsichtigt Fragen von Sicherheit, öffentlicher Ordnung, Gesundheit, Umwelt, Wirtschaft, Post, Zoll und sogar die Vatikanischen Museen.
In Wirklichkeit aber ähnelt das Ganze eher einer Berufung in den Stadtrat eines Zwergstaates. Wie ein erfahrener Vatikanbeobachter bemerkte, handelt es sich dabei um einen klassischen Fall von promoveatur ut amoveatur – »man befördert jemanden, um ihn loszuwerden«.
Der Chicagoer Stil des »pastoralen« Liberalismus
Cupich, seit Jahren eine der umstrittensten Gestalten im amerikanischen Episkopat, gilt als einer der wichtigsten Vertreter des kirchlichen Liberalismus in den USA. 2014 von Papst Franziskus handverlesen, um den traditionsbewussteren Kardinal Francis George in Chicago zu ersetzen, machte er sich rasch einen Namen als entschiedener Förderer der progressiven Agenda: Er schwächte die Bedeutung moralischer Themen ab, ersetzte klare Lehre durch »pastorale« Unschärfe und sprach sich für eine offenere Haltung in Fragen von Sexualität, Migration und Ökologie aus.
Berüchtigt wurde Cupich für seine besonders harte Umsetzung der römischen Einschränkungen der überlieferten lateinischen Messe – strenger noch als vom Vatikan gefordert. Er machte sich auch durch die Behauptung unbeliebt, das Thema Abtreibung dürfe nicht »isoliert« betrachtet werden, sondern müsse in eine breitere Palette von »Lebensthemen« wie Klimapolitik und soziale Gerechtigkeit eingeordnet werden – ein Kernargument des progressiven Lagers.
Im Hintergrund spielte Cupich eine zentrale Rolle bei der Besetzung von Bischofsstühlen und der Durchsetzung des sogenannten synodalen Kurses. Er galt als Sprachrohr des Franziskus-Flügels in den Vereinigten Staaten – bis dieser Einfluss in den letzten Jahren deutlich schwand.
Aufstieg oder Abschiebung?
Warum also jetzt diese »Beförderung« in ein bürokratisches Nebenamt, das mit der eigentlichen Kirchenleitung wenig zu tun hat?
Die Antwort liegt in der römischen Diplomatie: Wenn man jemanden loswerden will, ohne einen Skandal zu riskieren, gibt man ihm einen Posten mit wohlklingendem Titel, aber ohne Einfluss. Schon Kardinal Tagle erlebte diesen Mechanismus – und nun offenbar auch Cupich.
Für seine Gegner mag dieser Schritt Genugtuung bedeuten; für seine verbliebenen Unterstützer ist er eine Enttäuschung. In Wahrheit aber ist es wohl das, was es in Rom schon immer war: eine höfliche Degradierung.
Rom bleibt Rom
Wer die vatikanische Machtmechanik kennt, weiß: In Rom verschwindet Macht selten – sie wird nur umverteilt, verschleiert oder »ehrenvoll« entsorgt.
Cupichs Ernennung sieht daher weniger nach einem Aufstieg aus als nach einem geschickten Schachzug, um ihn aus dem Zentrum der Entscheidungen zu entfernen. Statt über Bischofsernennungen und Synoden zu bestimmen, darf er künftig über Sicherheitsvorschriften und Museumsetats wachen.
Oder, wie man in Rom sagt: Wenn sie dich plötzlich öfter »Exzellenz« nennen, ist das kein Zeichen von Macht – sondern oft der Anfang deines politischen Ruhestands.


Comments
Aus meiner Sicht ein…
Aus meiner Sicht ein richtiger Schritt; denn nun kann er keinen Schaden mehr anrichten.
Beförderungen
Das Nach-Oben-Befördern ist in der freien Wirtschaft doch auch üblich. Stand bei uns im Konzern ein Abteilungsleiter oder gar Geschäftsführer auf der Abschussliste, fand der sich plötzlich statt auf der zweiten Etage ganz oben wieder, mit allen Ehrenzeichen und Lorbeerkränzen. Wir, das Fußvolk, wußten Bescheid: Hat er noch 3 Monate oder nur 4 Wochen? Nur derjenige, den es traf, fühlte sich ob der Beförderung noch "am Bauch gepinselt"!
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