Viele Europäer lebten seit 1945 in der Illusion, der Friede sei ihnen historisch garantiert. Erst der Krieg in der Ukraine habe diesen Traum erschüttert, so David Engels in seinem Vortrag »Weltfrieden und Gottesstaat in Zeiten der Spätzivilisation«. Zu lange habe man geglaubt, Frieden sei das natürliche Ergebnis von »europäischen Werten« oder demokratischer Moral. Tatsächlich, so Engels, war er stets das Ergebnis harter Machtpolitik – des Kalten Krieges, des atomaren Patts und des amerikanischen Schutzschirms.
Doch Engels griff tiefer: Europa stehe nicht nur vor einem geopolitischen Problem, sondern vor einer geistigen Krise. Die Jugend, geprägt von Individualismus, Konsum und Atheismus, stelle die alte Frage neu: Wofür lohnt es sich überhaupt zu sterben? Wer keinen höheren Wert mehr anerkennt, wer Opfer um der Wahrheit willen scheut, für den wird der Frieden selbst zur Ersatzreligion – und damit zur tödlichen Versuchung.
Friede ohne Wahrheit ist Unterwerfung
Engels machte klar: Aus christlicher Sicht darf der Friede niemals absolut gesetzt werden. Das Evangelium verkünde nicht die Illusion eines harmonischen Weltfriedens, sondern den Frieden Gottes, der sich nur in Wahrheit und Gerechtigkeit verwirklichen kann. »Frieden, der Wahrheit und Opfer preisgibt, ist kein Friede, sondern Kapitulation«, so Engels.
Die Kirche habe in der Tradition des »gerechten Krieges« stets unterschieden: Der Einzelne dürfe radikal pazifistisch leben, im Gemeinwesen aber sei die Verteidigung von Familie, Volk und Glauben Pflicht. Ein falscher Pazifismus zerstöre die Gemeinschaft, weil er den Aggressor triumphieren lasse.
Die Leere der Gegenwart
Engels sieht Europa heute in einer Endphase: Wohlstand und vermeintlicher Frieden hätten Opferbereitschaft und Transzendenz ausgehöhlt. Statt christlicher Wahrheit blühten Ersatzideologien wie Ökologismus und Wokismus, die »Toleranz ohne Wahrheit, Gleichheit ohne Gerechtigkeit und Frieden ohne Opfer« predigten.
Doch wer nichts mehr hat, wofür es sich zu sterben lohnt, habe auch nichts mehr, wofür es sich zu leben lohnt. Ein solches Europa, so Engels, werde wehrlos zum Opfer innerer Zersetzung oder äußerer Mächte.
Seine Mahnung ist unmissverständlich: Nur ein Europa, das sich seiner christlichen Wurzeln besinnt und Frieden nicht als bequemes Stillhalteabkommen, sondern als Frucht von Wahrheit und Opfer versteht, kann überleben. Alles andere ist Selbsttäuschung – und der Vorhof zum Untergang.


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