Es ist ein Vorgang, der in einer freien Gesellschaft eigentlich unmöglich sein sollte – und in einer katholischen Hochschule erst recht: Ein renommierter Philosoph wird zu einem Vortrag eingeladen, ein harmloser, rein akademischer Titel angekündigt – und zwei Tage vor dem Termin wird er wieder ausgeladen. Nicht wegen falscher Thesen. Nicht wegen schlechtem Benehmen. Sondern weil eine kleine Gruppe politisierter Studenten beschlossen hat, ihn zum „Fundamentalisten“ zu erklären.
So erging es Sebastian Ostritsch, habilitierter Philosoph, Dozent, Publizist. Sein Vortrag sollte sich mit der Frage beschäftigen, ob Gottes Existenz vernunftgemäß erkennbar sei – Thomas von Aquin gegen Immanuel Kant. Philosophiegeschichte pur, auf dem Niveau eines Einführungskurses. Keine Politik, keine Polemik, keine Agenda. Und doch rastete ein Teil der Studentenschaft aus, als sei ein Terrorist eingeladen worden. Plötzlich war von „Gefahr“ die Rede, von „rechtsextremen Positionen“, von einer „Agenda“, die aber niemand belegen konnte.
Die Hochschule hätte reagieren müssen wie eine Hochschule: mit Gelassenheit, mit dem Hinweis auf Argumente statt Anschuldigungen, mit der klaren Verteidigung akademischer Freiheit. Stattdessen entschied sie sich für die feigste aller Varianten: Erst wurden die Poster entfernt, dann der Veranstaltungshinweis gelöscht, anschließend folgte die vollständige Absage – ohne jede Begründung.
Philosophie als Kulisse – und Feigheit als Inhalt
In München zeigt sich exemplarisch, was passiert, wenn Institutionen ihre Identität verlieren. Die Jesuitenhochschule, die sich selbst als Ort des Denkens, des Dialogs und der Debatte versteht, verhält sich wie ein Unternehmen, das Angst vor schlechter Presse hat. Nicht ein einziger Versuch wurde unternommen, eine tatsächliche Debatte zu ermöglichen. Kein öffentliches Gesprächsangebot, kein Hinweis darauf, dass Beschuldigungen begründet werden müssen. Stattdessen: Schweigen, Entfernen, Absagen.
Dass ausgerechnet jene Studenten, die behaupten, gegen „Fundamentalismus“ zu protestieren, selbst die fundamentalistischste Form der Intoleranz wählen – canceln statt argumentieren –, ist bittere Ironie. Und die Leitung macht sich zur Komplizin: Sie bestätigt genau jene Haltung, die Philosophie überwinden sollte, nicht imitieren.
Der moralische Tiefpunkt wird jedoch erreicht, wenn man sieht, was die Hochschule am Tag nach dem gecancelten Vortrag tat: Sie zeigte einen Film über Hannah Arendt mit dem Titel „Denken ist gefährlich“. Während man Arendt feiert, praktiziert man die Gedankenvermeidung. Während man Freiheit des Denkens beschwört, erstickt man sie im eigenen Haus. Arendt hätte in diesem Vorgang das erkannt, was sie die „Banalität des Bösen“ nannte – nur diesmal in der Form der Banalität des Rückgratsverlusts.
Der Preis der Feigheit
Was bleibt, ist ein verheerendes Signal. Wer laut genug schreit, gewinnt. Wer argumentiert, verliert. Wer denken will, soll schweigen. Und wer eine katholische Hochschule besucht, muss damit rechnen, von postmodernen Aktivisten umerzogen zu werden, statt Philosophie zu lernen.
Vor allem aber zeigt der Fall Ostritsch: Die Krise der Kirche ist längst eine Krise des katholischen Bildungswesens. Wo einst Jesuiten Denkgiganten formten, sitzen heute Funktionäre, die Angst vor Twitter haben. Und solange Hochschulen lieber kapitulieren als diskutieren, wird aus einer katholischen Kultur des Denkens ein kulturelles Niemandsland.
Die Frage ist: Wie lange lassen sich Gläubige, Studenten und Wissenschaftler das gefallen? Denn eine Hochschule, die den Mut zum Denken verliert, verliert am Ende alles – auch ihren Anspruch, katholisch zu sein.


Kommentare
Linke
Eine Uni in der heutigen Zeit? Ein „Ort des Dialogs und der Debatte“? Durchsetzen kann sich nicht die Person mit den besten Argumenten; keine, die in moderaten Ton ihre Meinung (ungestört) vorträgt. Als Sieger gehen nur die größten Schreihälse vom (Kampf)Platz; ist aber typisch linker Totalitarismus. Wie kann man aber auch von "Filosofie"Studenten mit cerebraler Mikrosomie verlangen, „komplexe Zusammenhänge zu analysieren“ und „schlüssig für ihren Standpunkt zu argumentieren“? Aber es braucht keine Unis, um diese Auswüchse zu besichtigen. Hört mal im Bundestag einer „Diskussion“ mit Heidi Reichinnek zu!
Unglaube und Abfall
Ob Uni oder Politik ,die allgemeine Verdummballerung gegen Natur und Schöpfung entspricht dem antichristlichen Zeitgeist .Es ist also ganz normal ,da gewisse " Spaltungen " weiter voranschreiten ,damit sich Menschengeister vor einer Ernte entscheiden können auf welcher Seite von Gut oder Böse sie stehen . Die Erkenntnis darüber ist eine Voraussetzung auch über die Ungerechtigkeit und das Leid mit Hilfe von Liebe hinweg zu kommen ,um nach christlichem Vorbild Jesu im Geiste Gottes zu wandeln und Gnade durch den Sohn zu erlangen . Da Kenntnis fehlt ,kein sich Hinterfragen erfolgt und meist nur Egoismen bedient werden ,binden sich solche Menschen an das Materielle und einem Diesseits und blockieren ihren eigenen Weg in eine Zukunft ,fern von dieser Welt . Somit ließe sich das philosophisch erklären .(Was aber heute niemand hören will ,denn schuld sind immer die Anderen !)
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