Nach Jahrzehnten des Wartens steht fest: Fulton Sheen wird seliggesprochen. Für viele Katholiken ist das längst überfällig. Kaum ein amerikanischer Bischof des 20. Jahrhunderts hat die Evangelisierung so geprägt wie er – und das mit einem Medium, das damals noch neu und revolutionär war: dem Fernsehen.
Geboren 1895 in El Paso, Illinois, wuchs Sheen in einer frommen katholischen Familie irischer Herkunft auf. Früh zeigte sich seine intellektuelle Begabung. Nach seiner Priesterweihe 1919 für die Diözese Peoria wurde er an die Universität Löwen in Belgien geschickt, wo er über Erkenntnistheorie promovierte – mit besonderem Bezug auf John Henry Newman. Später lehrte er über zwei Jahrzehnte an der Catholic University of America in Washington.
Vom Radio ins Fernsehen
Seine eigentliche Berühmtheit begann 1930 mit der Radiosendung The Catholic Hour auf NBC. Über zwanzig Jahre lang sprach er wöchentlich zu einem nationalen Publikum. Doch der eigentliche Durchbruch kam 1952 mit der Fernsehsendung Life Is Worth Living.
In einer Zeit, in der das Fernsehen noch in den Kinderschuhen steckte, stand Sheen im Bischofsornat vor einer Tafel und sprach frei über Gott, Moral, Politik und das menschliche Drama. Ohne Teleprompter, ohne Schnitte, nur mit Charisma, Witz und geistiger Klarheit. Auf dem Höhepunkt erreichte die Sendung schätzungsweise 30 Millionen Zuschauer. 1952 erhielt er sogar einen Emmy als „Most Outstanding Television Personality“ – ein katholischer Bischof als Fernsehstar.
Doch bei aller medialen Präsenz blieb Sheen zuerst Priester. 1951 ernannte ihn Pius XII zum Weihbischof von New York. Später wurde er Bischof von Rochester. Auch nach seinem Rücktritt 1969 schrieb und predigte er unermüdlich weiter. Sein Buch Life of Christ wurde zu einem Bestseller und prägt bis heute Generationen von Gläubigen.
Verzögerte Seligsprechung
Sein Seligsprechungsprozess wurde 2002 eröffnet. 2012 erklärte Benedict XVI ihn für „ehrwürdig“ und erkannte seinen heroischen Tugendgrad an. Ein medizinisch unerklärlicher Heilungsfall – die Wiederbelebung eines tot geborenen Kindes – wurde seiner Fürsprache zugeschrieben.
2019 schien alles bereit für die Seligsprechung. Doch kurz vor dem Termin wurde die Feier auf Wunsch des Heiligen Stuhls verschoben. Hintergrund waren Sensibilitäten im Zusammenhang mit der Missbrauchskrise in den USA und die Sorge, mögliche Fragen zu Sheens bischöflicher Amtsführung könnten noch auftauchen. Zwar gab es keine glaubwürdigen Vorwürfe gegen ihn persönlich, doch man wollte jede Unsicherheit ausräumen.
Inzwischen hat Rom grünes Licht gegeben. Die Seligsprechung wird stattfinden.
Das eigentliche Geheimnis
So sehr Sheen als Medienpionier gilt – sein innerstes Geheimnis war nicht das Studio, sondern die Kapelle. Er empfahl Priestern täglich eine Heilige Stunde vor dem Allerheiligsten. Diese eucharistische Anbetung nannte er „das Geheimnis allen Erfolges“ seines Lebens.
In einer Zeit, in der kirchliche Präsenz oft mit Marketing verwechselt wird, erinnert Sheens Leben an eine einfache Wahrheit: Die Fruchtbarkeit des Apostolats entspringt der Nähe zu Christus.
Der „Bischof des Fernsehens“ war letztlich vor allem ein Bischof der Eucharistie. Seine Seligsprechung würdigt nicht nur einen charismatischen Kommunikator, sondern einen Mann, der verstand, dass Evangelisierung nur dann Kraft hat, wenn sie aus der Anbetung kommt.


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