Schon im ersten Abschnitt seines Interviews macht Kardinal Gerhard Ludwig Müller klar, dass es sich bei der aktuellen Krise der Kirche nicht um ein Randproblem handelt, sondern um eine geistliche Grundsatzfrage, wie unter anderem der *Catholic Herald* berichtet. Was in Deutschland unter dem Schlagwort Synodalität verhandelt wird, ist für den früheren Glaubenspräfekten kein legitimer Reformprozess, sondern ein Angriff auf Offenbarung, Sakramente und kirchliche Verfassung.
Feministische Ideologie statt Offenbarung
Müller benennt den Kern des Problems ohne Umschweife: Eine innerkirchliche Elite, oft selbsternannte Reformtheologen und kirchliche Feministinnen, versucht, zentrale Glaubenswahrheiten durch zeitgeistige Ideologien zu ersetzen. Unter dem Vorwand von Gleichberechtigung und Teilhabe werde die sakramentale Struktur der Kirche infrage gestellt, insbesondere das Weiheamt.
Dabei gehe es nicht um historische Forschung oder ernsthafte Theologie, sondern um Macht und Anpassung. Die Forderung nach Frauenordination oder einem weiblichen Diakonat sei kein offenes Lehrproblem, sondern längst entschieden. Wer dennoch behauptet, die Frage sei "noch offen", betreibe gezielt Irreführung. Müller spricht hier von einem taktischen Offenhalten, um die Lehre schrittweise auszuhöhlen.
Der deutsche Sonderweg als Bruch mit der Weltkirche
Besonders scharf kritisiert Müller den Anspruch des Synodalen Weges, quasi-normative Entscheidungen für die Kirche in Deutschland zu treffen. Weder sei dieses Gremium Teil des kirchlichen Lehramts, noch habe es irgendeine Autorität, Glaubensfragen neu zu definieren. Die Vorstellung einer nationalkirchlichen Sonderlösung bezeichnet Müller faktisch als protestantisierend.
Der Kardinal erinnert daran, dass Katholizität immer Universalität bedeutet. Wer sich bewusst von Schrift, Tradition und Lehramt löst, verlässt den Boden der Kirche. Dass gerade Deutschland diesen Weg geht, sei kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger theologischer Verwahrlosung, deren Früchte heute sichtbar sind: leere Kirchen, geschlossene Klöster, massenhafte Kirchenaustritte.
Feminismus als kirchliche Zersetzungskraft
Besonders deutlich wird Müller dort, wo er den Feminismus als ideologische Triebkraft benennt. Es gehe längst nicht mehr um die Würde der Frau, die im Christentum theologisch tief verankert ist, sondern um eine Angleichung an säkulare Machtmodelle. Die Kirche solle umgebaut werden nach dem Muster politischer Gleichstellungslogik.
Dabei werde übersehen oder bewusst ignoriert, dass das sakramentale Amt nicht funktional, sondern ontologisch begründet ist. Christus als Bräutigam und die Kirche als Braut seien keine kulturellen Bilder, sondern theologische Realitäten. Wer diese Symbolik zerstört, greift die Sakramentalität selbst an.
Appell zur Rückkehr zum Evangelium
Müllers Fazit ist unmissverständlich: Die Kirche erneuert sich nicht durch Anpassung an den Zeitgeist, sondern durch Rückkehr zu Christus. Jede Reform, die nicht von Bekehrung, Glauben und Evangelisierung ausgeht, endet in Bedeutungslosigkeit. Der Kardinal erinnert an Papst Franziskus’ Mahnung von 2019, dass die Kirche nicht neu erfunden werden könne.
Der eigentliche Feind der Kirche sitzt nicht außerhalb, sondern innerhalb jener Kreise, die sich progressiv geben und doch systematisch den Glauben entleeren. Wer die Kirche retten will, muss den Mut haben, diesen inneren Angriff zu benennen – und ihm zu widerstehen.


Kommentare
... „Besonders scharf…
... „Besonders scharf kritisiert Müller den Anspruch des Synodalen Weges, quasi-normative Entscheidungen für die Kirche in Deutschland zu treffen. Weder sei dieses Gremium Teil des kirchlichen Lehramts, noch habe es irgendeine Autorität, Glaubensfragen neu zu definieren. Die Vorstellung einer nationalkirchlichen Sonderlösung bezeichnet Müller faktisch als „protestantisierend“. ...
Was kreuzgeführlich ist, weil es schon einmal so ein grauslich(?) deutscher Antisemit war, der die kath. Kirche „protestantisierend“ auf den Kopf stellte??? https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther
Kirche
Tja, das ist das Kreuz unserer heutigen Zeit! Nach der Außen- , Innen-, Sozial-, Witrschafts- und Migrationspolitik: Alle Bereiche des öffentlichen Lebens müssen feministisch werden, auf Teufel komm heraus. Die evangelische Kirche haben die woken Feministinnen schon seit Jahren erobert, da muss emdlich auch die katholische feministisch bereichert werden. Wenn's offen nicht klappt, dann greifen die "Damen" auf Tricks zu, unterwandern sie eben, Hier ein Zipfelchen (Diakone), da ein großer Lappen. Muss doch irgendwie ztu schaffen sein! Auf geht's: Frauen, erobert die Altäre!
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