Von Peter Backfisch
Das Heft erhebt den Anspruch die gesamte Zeitspanne grauenvoller Christenverfolgungen, von den ersten Anfängen, die bereits in der Kreuzigung Jesus Christus ihren Anfang hat und bis zu den aktuellen Verfolgungen mit Massakern an Christen in Syrien, Somalia, Ägypten, China, Pakistan und in anderen Ländern reicht, umfassend darzustellen. Soweit dies in einer Zeitschrift mit knapp 90 Seiten möglich ist kann man der Redaktion bescheinigen, dass ihr dies auf hohem Niveau gelungen ist. Sie bleibt aber nicht nur bei Auflistungen und Dokumentationen von Verfolgungen, Vertreibungen und Unterdrückung stehen, vielmehr beziehen die Autoren kritische Stellung zur Verdrängung des Christentums aus den säkularen westlichen Gesellschaften und dem Niedergang der Pflege von Traditionen und religiöser Betätigung.
Für die orthodoxe Christenheit fand die umfassendste Christenverfolgung aller Zeiten im atheistisch-materialistischen Sowjetreich und den kommunistischen Ostblockstaaten statt. Grausame Exzesse gegenüber Bischöfen, Priestern, Mönchen, Nonnen und einfachen Gläubigen waren die Folge. Dennoch sieht man sich heute gerade wegen des grausamen Leidensweges mit Gulags, Straflagern, Folter und Mord darin bestätigt, mit der unerschütterlichen Glaubensfestigkeit am Bestehen und neuem Wachsen religiösen orthodoxen Lebens in Russland beigetragen zu haben.
Der katholische Autor Benjamin Kaiser beschreibt in seinem Beitrag, wie vor allem in den westlichen Staaten von den Medien in ihrer Berichterstattung das Ausmaß globaler Christenverfolgung tabuisiert und durch Schweigen verdrängt wird, wo man doch sonst jeder anderen Opfergruppen in TV und im Blätterwald breiten Raum einräumt. Inzwischen sollen weltweit 400 Millionen Christen in 78 Länder offen verfolgt werden. Aber auch in Ländern mit überwiegender christlicher Bevölkerungsstruktur finden Übergriffe statt, sogar Ermordungen. In Frankreich wurden im vergangenen Jahr 1.000 derartige Fälle gezählt.
Benedikt Kredenz beschreibt die Untergangsdramatik des nahöstlichen Christentums als eine menschliche und kulturelle Tragödie. Ein Zusammenleben der dort lebenden religiöser Gemeinschaften ist für Christen heute unmöglich geworden, dies auch deshalb, weil mit der Vertreibung des Assad Regimes der Westen inzwischen unverhohlen auf islamische Herrschaftsansprüche setzt. Unverzeihliche Vorgänge in einer Region in der die ersten Anfänge christlichen Lebens begonnen haben.
In weiteren Beiträgen werden die prekäre Situation christlicher Gemeinschaften im Kosovo, in Bosnien und der Ukraine behandelt. In Letzterem schlagen sich westliche Staaten der EU auf die Seite der Kiewer Junta und billigen die Verfolgung der russischen und der mit ihr verbundenen orthodoxen Kirche der Ukraine.
Auch in den Buchbesprechungen hat die Redaktion zwei Autoren ausführlichen Raum eingeräumt. So Nicolae Geislers Rezension von Martin Mosebachs „Die 21. Eine Reise ins Land der koptischen Märtyrer“. Das Buch setzt sich mit dem erschütternden Ereignis der Ermordung von 21 koptischen Christen durch IS-Terroristen 2016 auseinander. Beeindruckend dabei ist, dass Mosebach die barbarische Geschichte der Ermordung der 21 Christen mit einer tiefgehenden Erkundung des koptischen Christentums, seiner spirituellen Wurzeln und der Menschen, die diese Märtyrer hervorbrachten, verknüpft.
Hervorragend ist die Rezension von Katharina Fernbach zum Buch Hillbilly-Elegie des US-Vizepräsidenten J. D. Vance. Vance, der hier freimütig die problematische Geschichte seiner Familie erzählt und zugleich eine genaue Beobachtung der amerikanischen Gesellschaft in der Krise beschreibt. Mit seinem Buch legt er auch ein Manifest persönlicher Wahrhaftigkeit vor. Der Aufstieg des zum Katholizismus konvertierten J.D. Vance verbreitet Optimismus und erzeugt Hoffnung auf die Standfestigkeit der amerikanischen Demokratie und dass es doch nicht so ist, dass nur korrupte und woke Betrüger an die Spitze des Staates kommen können.


Add new comment