Capri Sonne beklagt Absatzrückgang wegen Papierstrohhalmen

Petition gegen verbraucherfeindliche EU-Regulierung scheitert trotzdem

Getränkehersteller spüren seit der Umstellung auf Papierstrohhalme einen deutlichen Rückgang der Kundenzufriedenheit. Die dünnen Röhrchen lassen sich oft nur schwer in die flexible Verpackung stechen, knicken bei leichtem Druck um und werden nach wenigen Minuten im Kontakt mit der Flüssigkeit weich und unbrauchbar. 

Getränke-Hersteller leidet unter Absatzrückgang wegen Papierstrohhalmen

Dazu kommt häufig ein störender Papiergeschmack, der das Trinkerlebnis beeinträchtigt.

Wissenschaftliche Tests zeigen, dass Papierhalme nach nur 30 Minuten in Flüssigkeit zwischen 70 und 90 Prozent ihrer ursprünglichen Stabilität einbüßen. Gleichzeitig nehmen sie rund 30 Prozent ihres Eigengewichts an Getränk auf. Für Hersteller wie Capri-Sun bedeutet das nicht nur Unmut, sondern auch spürbare Auswirkungen auf den Absatz: Verbraucher greifen zunehmend zu Alternativen und meiden die betroffenen Produkte.

Petition als letzter Ausweg: Der vergebliche Kampf gegen das Einwegplastikverbot

Um die Praxisschwierigkeiten zu beheben, setzte sich Capri-Sun für eine Ausnahme vom EU-weiten Verbot bestimmter Einwegplastikartikel ein. Ziel war die Rückkehr zum Strohhalm aus Kunststoff. Eine dazu gestartete Online-Petition sollte eine Million Unterstützer mobilisieren, erreichte jedoch nur etwa 170.000 Unterschriften und blieb damit weit hinter den Erwartungen zurück.

Vertreter des Unternehmens räumten ein, dass die Kampagne technisch nicht optimal aufgesetzt war. In der Sache bleibe die Forderung nach Papierhalmen jedoch unverändert unsinnig, da sie weder den Bedürfnissen der Verbraucher noch den praktischen Anforderungen an eine Trinkverpackung gerecht werde.

Einheitliches Material als echtes Recycling-Konzept

Statt weiter auf Papier zu setzen, plädiert Capri-Sun für Strohhalme aus Polypropylen – demselben Kunststoff, aus dem auch die Trinkbeutel selbst bestehen. Dadurch ließen sich Beutel und Halm gemeinsam recyceln, ohne aufwändige Trennung. Zudem verbleiben in der Praxis rund 90 Prozent der bisherigen Papierhalme ohnehin im Beutel und werden zusammen mit diesem entsorgt. Ein einheitliches Materialsystem würde hier eine deutlich höhere Recyclingquote ermöglichen und den Aufwand für Verbraucher reduzieren.

Regulatorische Irrsinn: Wie EU-Vorgaben die gesamte Branche belasten

Das Verbot von Einwegkunststoffprodukten seit 2021 ist nur der Anfang einer umfassenden Regulierungswelle. Mit der neuen EU-Verpackungsverordnung kommen ab 2027 zusätzliche Pflichten zur Wiederbefüllung von Verpackungen in der Gastronomie hinzu. Ab 2028 müssen Umverpackungen minimiert und bestimmte Einwegartikel wie Aufkleber auf Obst, Teebeutel oder durchlässige Beutel kompostierbar sein. Ab 2030 gelten weitere strikte Obergrenzen für Transport- und Versandverpackungen.

Diese Vorgaben treffen nicht nur Getränkehersteller, sondern auch Gastronomen, Caterer, Veranstalter und Verpackungsproduzenten gleichermaßen. Die Anpassung erfordert neue Materialien, Prozesse und Investitionen – oft unter hohem Zeitdruck.

KMU im Regulierungsdschungel: Wo große Konzerne profitieren und kleine scheitern

Besonders hart trifft die wachsende Regelungsdichte kleine und mittlere Unternehmen. Ihnen fehlen häufig die personellen, finanziellen und technischen Ressourcen, um schnell und kosteneffizient auf die Vorgaben zu reagieren. Während große Konzerne eigene Entwicklungsabteilungen und Lieferantennetzwerke aufbauen können, stoßen viele Mittelständler an ihre Grenzen. Die Folge ist eine zunehmende Benachteiligung der kleineren Player im Markt – genau jener Betriebe, die oft flexibler und näher am Verbraucher sind.

Sven von Storch

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Kommentare

Besonders unter Koksschnüfflern sind die Plastikstrohhalme sehr beliebt, da sich die meisten kein Röhrchen aus Platin leisten können. Aber so Metallröhrchen kann man auch mehrfach benutzen und immer wieder sauberspülen.

Der Besitzer von Caprisonne wird sich eine kleinere Yacht kaufen müssen, wenn es so weiter geht! 

 

 

 

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